Aktualisiert 29.04.2013 12:57

Zoff am EverestUeli Steck bei Streit mit Sherpas verletzt

Prominentes Opfer eines Konflikts in eisiger Höhe: Der Schweizer Alpinist Ueli Steck muss seine Expedition auf den Gipfel des Mount Everest abbrechen. Er und seine Begleiter erhielten Todesdrohungen.

von
hhs
Ueli Steck hat einen Horrortrip am Mount Everest hinter sich.

Ueli Steck hat einen Horrortrip am Mount Everest hinter sich.

Auf seine 16. Himalaja-Expedition hat sich der Berner Ueli Steck besonders eingehend vorbereitet. «Ich fühle mich sehr gut, viel besser als in den letzten Jahren. Diesen Winter habe ich mich entschieden, keine Vorträge zu halten und mich nur aufs Training zu konzentrieren. Jetzt profitiert mein Körper davon», gab er dem «Migros-Magazin» zu Protokoll. Der Extrembergsteiger und sein italienischer Begleiter Simone Moro suchten eine «besondere Herausforderung» – also die Ersteigung des Mount Everest auf einer weniger oft benutzten Route.

Doch daraus wird nichts. Am Samstag gerät das Duo zusammen mit dem Engländer Jonathan Griffith in einen folgenschweren Streit mit einheimischen Sherpas. Wie es aus ihrer Sicht dazu kam, beschreiben die Bergsteiger in einem Communiqué auf Italienisch.

Sie seien um 8 Uhr morgens vom Camp 2 aufgebrochen, um das Basiscamp 3 in der Everest-Westwand auf 7200 Meter Höhe zu erreichen. Unterwegs seien sie auf eine Truppe von Sherpas getroffen, die Sicherungsseile austauschten. Das Trio kommt der Bitte nach, die Arbeiten nicht zu stören, und passiert die Stelle mit 50 Meter Abstand.

Haben sie Eisschlag ausgelöst?

Doch um zu ihrem schon früher aufgestellten Zelt zu kommen, müssen sie die Stelle weiter oben trotzdem passieren. Als Steck über ein Seil steigt, bemerkt ihn der Chef der Sherpas. Dieser beginnt zu fluchen und schlägt mit seinem Beil gegen das Eis. Er beschuldigt die Bergsteiger, sie hätten Eisschlag ausgelöst, einer der Sherpas sei getroffen worden. Die Europäer bestreiten das.

Steck versucht, die Situation zu beruhigen, indem er anbietet, das Trio würde beim Fixieren der Seile helfen. Doch es nützt nichts. Der Chef der Sherpas schwingt sein Beil in Richtung von Simone Moro, der antwortet mit deftigen italienischen Flüchen. Schliesslich befiehlt der Anführer seiner ganzen 17-köpfigen Reparaturtruppe den Abmarsch ins Camp 2.

Umkreist von 100 wütenden Sherpas

Als auch die drei Bergsteiger dorthin zurückkehren, wird die Situation richtig brenzlig. Rund 100 Sherpas haben sie erwartet – und decken sie mit Fusstritten und Faustschlägen ein, werfen sogar Steine. Ueli Steck erleidet laut Medienberichten eine Platzwunde an den Lippen.

Eine kleine Gruppe westlicher Bergsteiger stellt sich zwischen den Mob und das Trio. «Ihnen verdanken wir unser Leben», sind Steck und Co. überzeugt. Nach 50 Minuten beruhigt sich die Lage. Und doch kriegen die drei Bergsteiger die Drohung zu hören, sie seien tot, wenn sie nicht innerhalb einer Stunde abhauten. Nur mit dem Wichtigsten ausgestattet, flüchten sie in die Sicherheit des Basislagers.

«Nepals Image beschädigt»

In dem Communiqué sucht das Trio nach Gründen für die Eskalation der Lage. «Wir glauben, dass der Chef der Sherpas müde war und ihm kalt war – und er sich in seinem Stolz verletzt fühlte, weil wir uns ohne Seil und viel schneller bewegten als er selber.» Betrübt zeigt sich Nima Sherpa von der Agentur Cho-Oyu, welche die Expedition organisiert hat: «Dass die Alpinisten attackiert wurden, beschädigt das Image von ganz Nepal.» Die Polizei versucht, den genauen Ablauf des Konflikts zu klären. Doch dies sei aufgrund der erschwerten Kommunikation am Dach der Welt nicht ganz einfach.

Moro möchte immer noch auf den Everest, Ueli Steck hingegen ist die Lust vergangen. Er fliegt von Kathmandu aus zurück in die Schweiz. Er warte auf das ideale Wetterfenster, hatte er vor dem Aufstieg gesagt. Nun waren es nicht Eis und Wind, die ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.

Da lief alles noch nach Plan: Ueli Steck und sein Bergsteigerfreund Simone Moro äussern sich zu ihrer Expedition in einem Video-Tagebuch. (Quelle: YouTube/MigrosMagazin)

Who the f… is Wool Stick?

Da hat die Daily Mail wohl etwas nicht ganz richtig verstanden: In der Berichterstattung über den Konflikt am Everest schreibt sie, der Schweizer «Wool Stick» sei darin verwickelt gewesen. Auch mit italienischen Namen hat das britische Blatt seine liebe Mühe. Aus Simone Moro wurde Simboli Moro… (hhs)

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