Aktualisiert 24.01.2020 09:11

St. Gallen

Ufzgi abgeschafft, weil es Kinder zu sehr stresst

In einer St. Galler Primarschule wurden die Hausaufgaben versuchsweise abgeschafft. Ersatzlos streichen sollte man laut Experten die «Ufzgi» aber nicht.

von
jeb
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Nützen Hausaufgaben oder schaden sie sogar? Das Thema ist umstritten.

Nützen Hausaufgaben oder schaden sie sogar? Das Thema ist umstritten.

Keystone/Gaetan Bally
Unter anderem, weil nicht alle Kinder von ihren Eltern ausreichend unterstütz werden können, da diese arbeiten oder zu wenig gut Deutsch verstehen.

Unter anderem, weil nicht alle Kinder von ihren Eltern ausreichend unterstütz werden können, da diese arbeiten oder zu wenig gut Deutsch verstehen.

Keystone/Gaetan Bally
Auch kann es auch in der Familie zu Reibereien zwischen Schülern und Eltern kommen, wenn es beim Erledigen der Hausaufgaben zu Schwierigkeiten kommt.

Auch kann es auch in der Familie zu Reibereien zwischen Schülern und Eltern kommen, wenn es beim Erledigen der Hausaufgaben zu Schwierigkeiten kommt.

Keystone/Gaetan Bally

An der Primarschule Feldli-Schoren in St. Gallen wurden Hausaufgaben für einen Versuch ein halbes Jahr lang abgeschafft, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtete. Das Experiment werde nun verlängert, um eine bessere Datenlage zu erhalten.

Für viele Kinder seien Hausaufgaben ein Stress. Zudem seien Kinder, deren Eltern arbeiten oder aus bildungsfernen Familien stammen, benachteiligt. Ausserdem sei der Nutzen der Hausaufgaben in der Forschung umstritten. Als Ersatz für die Hausaufgaben wurde im Experiment eine Lernzeit von 20 bis 30 Minuten an vier Tagen pro Woche eingeführt. Dabei entscheiden die Schüler selbst aus einer Auswahl von Aufgaben, woran sie arbeiten möchten. In dieser Zeit werden sie von einer Lehrperson betreut, können also auch Fragen stellen und sich helfen lassen.

Hausaufgaben fördern Selbständigkeit

Hausaufgaben ersatzlos streichen, das wäre laut Experten keine gute Idee. «Hausaufgaben sind wichtig. Der Schulstoff wird so nochmals vertieft», sagt Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle beim Dachverband Lehrerinnnen und Lehrer Schweiz (LCH). Zudem werde das selbständige Arbeiten gefördert. «Werden die Hausaufgaben zu Hause erledigt, muss man auch mal ohne Hilfe oder Aufsicht einer Lehrperson eine Aufgabe lösen.»

Das Verlagern der Hausaufgaben in sie Schule habe aber auch Vorteile. So könnten beispielsweise Aufgaben in Gruppen gelöst werden oder die Schüler können Lehrerinnen oder Betreuungspersonen Fragen stellen. «Zudem haben die Schüler im Schulhaus Zugang zu Lehrmitteln und Computerprogrammen.» Doch kommt dadurch das selbständige Lernen nicht zu kurz? «Die Aufgabenstellung sollte darauf ausgelegt sein, dass nach wie vor selbständiges Arbeiten gefördert wird», sagt Schwendimann.

Die Ausarbeitung von Hausaufgaben sei generell eine Herausforderung. Grundsätzlich sollten sie der Vertiefung des Schulstoffes dienen und von Inhalt und Mass her angemessen sein. «Hausaufgaben sollten nicht zu einfach, aber auch nicht zu schwer sein. Ausserdem sollten sie so gestaltet sein, dass sie von allen Schülerinnen und Schülern lösbar sind», so Schwendimann. Dazu braucht es Aufgabestellungen in verschiedenen Niveaus sowie die benötigte Unterstützung, von der Sprachförderung bis zur sonderpädagogischer Unterstützung.

Problem Frustration

Das sieht Anne Varenne, Präsidentin von Bildung Thurgau, ähnlich. «Wenn Hausaufgaben die Schüler überfordern, führt das zu Frustration», so Varenne. Das senke das Selbstvertrauen und ergebe einen negativen Lerneffekt. Wenn zudem keine Unterstützung greifbar sei oder Sprachbarrieren bestehen, seien Hausaufgaben kontraproduktiv.

«Wenn Hausaufgaben hingegen erfolgreich gelöst werden können, steigern sie die Lernfreude und geben einen positiven Effekt für das Selbstvertrauen», sagt Varenne. Wenn Eltern zudem den Prozess begleiten, würden diese einen Einblick in den Wissensstand der Kinder gewinnen.

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