Aktualisiert 23.06.2015 14:53

Schlechte ZahlenUhren-Exporte brechen ein – wegen Apple Watch?

Die Ausfuhren von Schweizer Uhren in die USA sind zuletzt drastisch gesunken. Bankanalysten führen das auf die Lancierung der Apple Watch zurück.

von
sas

Um 1,7 Milliarden Franken oder fast 9 Prozent sind die Schweizer Uhrenexporte im Mai zurückgegangen. Um einen Drittel eingebrochen sind die Ausfuhren nach China, fast 14 Prozent beträgt das Minus bei den USA. Trotz des starken Rückgangs übt sich der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) in Gelassenheit: Der Monat habe zwei Arbeitstage weniger gehabt, so die Begründung.

Die britische Bank Barclays zieht aber eine andere Schlussfolgerung: Die Apple Watch grabe den Schweizer Uhrenfirmen den Umsatz ab, schreibt die Bank in einer Marktanalyse vom Montag. Die Analysten führen vor allem die Verkaufszahlen aus den USA ins Feld. Im Mai 2014 wurden Uhren im Wert von 204 Millionen Franken in die Vereinigten Staaten exportiert, im Mai des laufenden Jahres belief sich der Wert auf noch 176 Millionen Franken. Dieser Rückgang ist mit 14 Prozent weit grösser als der weltweite Rückgang von 9 Prozent. «Wir glauben, dass das die ersten Auswirkungen der Apple Watch sind», schreiben die Analysten von Barclays.

Alle Preisbereiche rückläufig

Hinzu kommt, dass die Ausfuhren in die USA trotz verbesserter Währungssituation derart gesunken sind, wie die «Handelszeitung» schreibt. Im Mai vor einem Jahr lag der Dollar unter 0,90 Franken, im vergangenen Mai teilweise bei 0,95 Franken. Das bedeutet: Für US-Käufer sind Schweizer Uhren eigentlich günstiger geworden. In den USA ist die Apple Watch seit Ende April erhältlich, in der Schweiz wird die Uhr offiziell am kommenden Freitag in die Läden kommen.

Als weiteres Indiz für die Auswirkungen der Apple Watch wertet Barclays den Rückgang im Preissegment zwischen 200 und 500 Franken, wo auch die Smartwatch von Apple positioniert ist. In Stückzahlen gerechnet beträgt das Minus bei den Exporten 7 Prozent. Die Ausfuhren der Uhren im Wert von weniger als 200 Franken gingen sogar um 10 Prozent zurück. Am grössten war das Minus mit 14 Prozent aber bei Uhren im Preissegment von über 3000 Franken, was vor allem mit dem Rückgang in Hongkong zu tun haben dürfte.

Schweizer Uhrenriesen gut aufgestellt

Trotz des schwachen Mai bleiben die Barclays-Analysten für die Schweizer Uhrenindustrie zuversichtlich. Die Bank geht davon aus, dass sich Konzerne wie Richemont und Swatch Group, die einen Grossteil des weltweiten Uhrenmarkts unter sich aufteilen, weiterhin stark bleiben. Die Swatch Group verfügt über ein Imperium mit 20 Marken sowie Uhrwerk- und Elektronikherstellern. Zudem hat die Swatch Group längst Antworten auf den Smartwatch-Hype geliefert und baut künftig einen NFC-Chip (Near Field Communication) in einen Teil der Uhren ein – und zwar sowohl in jene von Swatch und Tissot als auch in teure mechanische Modelle von Omega.

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