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Ukraine: Hoffen auf die «Rosenrevolution»

Ein Gespenst geht um in der Ukraine - das Gespenst der so genannten Rosenrevolution. Diese hatte vor genau einem Jahr in Georgien den damaligen Präsidenten Eduard Schewardnadse zu Fall gebracht.

Die Parallelen springen ins Auge: Sowohl die Ukraine als auch Georgien sind ehemalige Sowjetrepubliken. Die georgischen Parlamentswahlen Anfang November 2003 wurden von der Opposition als gefälscht kritisiert - was die Regierung in Tiflis später auch zugab.

Und wie in Georgien gibt es auch in der Ukraine eine starke oppositionelle Jugendbewegung, Pora (Es ist an der Zeit). Und diese ist aufgebaut nach dem Vorbild der serbischen Bewegung Otpor (Widerstand), die eine wichtige Rolle beim Sturz von Slobodan Milosevic vor rund vier Jahren spielte.

Rosenrevolution

In Georgien nahm die Rosenrevolution vor einem Jahr bereits am Tag der Parlamentswahl ihren Anfang: Die Opposition wirft der Regierung bei Massendemonstrationen Wahlbetrug vor und verlangt die Annulierung und Wiederholung des Urnengangs.

Später schwenkt sie auf die härtere Linie des westlich orientierten Oppositionsführers Michail Saakaschwili ein und verlangt die Absetzung von Präsident Schewardnadse. Am 22. November sprengt Saakaschwili, eine Rose in der Hand, zusammen mit seinen Anhängern die konstituierende Sitzung des Parlaments. Einen Tag später unterzeichnet Schewardnadse seinen Rücktritt.

Massenproteste

Auch in der Ukraine gibt es seit Bekanntgabe des amtlichen Ergebnisses der Präsidentschaftswahl Massenproteste. Der Oppositionskandidat Viktor Juschtschenko erkennt den Sieg seines Rivalen, des amtierenden Regierungschefs Viktor Janukewitsch, nicht an und ruft seine Anhänger auf, vor dem Parlament gegen den «Wahlschwindel» zu protestieren.

Die Kundgebungen sieht er als Auftakt zu einer längeren Kampagne, die ihm schliesslich den Sieg bringen soll.

Schon vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag sprachen Anhänger der ukrainischen Opposition in Analogie zur «Rosen-« von einer «Kastanienrevolution» - so genannt nach den Bäumen, die eine der grossen Strassen von Kiew säumen.

Gewichtige Unterschiede

«Was in Georgien vor einem Jahr geschah, ist vielen Leuten in der Ukraine durchaus bewusst», sagt Mark Mullen, der Chef des Anti-Korruptionsverbands Transparency International in Georgien. «Aber das hier ist ein anderes Land und es ist eine andere Wahl.»

Zum einen verfügt die ukrainische Opposition nicht über einen eigenen landesweiten Fernsehkanal. Zum anderen sitzt die Regierung in Kiew wesentlich fester im Sattel als seinerzeit Schewardnadse in Georgien, der ziemlich unbeliebt war.

Ein weiterer Unterschied: die fast 50 Millionen Einwohner zählende Ukraine ist gespalten. Die ukrainisch sprechende Bevölkerung im Westen unterstützt zwar Oppositionsführer Juschtschenko, aber die Menschen im überwiegend russischsprachigen Osten - etwa die Hälfte - stehen zu dem an Moskau orientierten Janukowitsch.

«Im Moment sieht es nicht richtig gut aus» für Juschtschenko, findet Mullen von Transpareny International. «Aber: Man weiss ja nie.»

(sda)

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