WC- und Haushaltspapier – Ukraine-Krieg – jetzt müssen die Detailhändler die Preise erhöhen

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WC- und HaushaltspapierUkraine-Krieg – jetzt müssen die Detailhändler die Preise erhöhen

Wegen des Kriegs müssen die Detailhändler den Lieferanten mehr zahlen. Jetzt droht der Preis-Schock. Die Migros etwa stoppt darum Aktionen für Sonnenblumenöl und Mayonnaise.

von
Fabian Pöschl
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Aldi erhöht die Preise in Deutschland bei rund 400 Produkten.

Aldi erhöht die Preise in Deutschland bei rund 400 Produkten.

REUTERS
Auch Lidl zieht in Deutschland beim Preisaufschlag mit.

Auch Lidl zieht in Deutschland beim Preisaufschlag mit.

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Die deutsche Drogeriekette erhöht die Preise quer durchs Sortiment, von Windeln über Shampoo und Klopapier bis hin zu Lebensmitteln.

Die deutsche Drogeriekette erhöht die Preise quer durchs Sortiment, von Windeln über Shampoo und Klopapier bis hin zu Lebensmitteln.

Rossmann

Darum gehts

Nach dem Benzinpreis-Schock folgt der Preishammer im Laden. In Deutschland erhöht Aldi bei rund 400 Produkten die Preise um bis zu einen Euro, wie die «Bild» schreibt. Der Discounter begründet das mit Lieferkettenproblemen wegen Corona-Massnahmen. Der Ukraine-Krieg habe die Situation zusätzlich verschärft.

Lidl und die Drogeriekette Rossmann haben ihre Preise in Deutschland ebenfalls erhöht. Auch hierzulande steigen die Preise teilweise. So musste Aldi Suisse WC-Papier und Küchenrollen verteuern, wie es auf Anfrage heisst. Wegen der angespannten Situation am Rohstoff-Markt seien weitere Preisanpassungen nicht auszuschliessen.

Die Migros hat Anfang Jahr wegen den Nachwirkungen der Pandemie die Preise bei Kaffee, Teigwaren, Backwaren und Dosenfrüchten erhöht, wie ein Sprecher zu 20 Minuten sagt. Der Krieg in der Ukraine werde nicht zur Beruhigung beitragen. Derzeit sei noch nicht abzuschätzen, wie stark die Migros von Lieferausfällen betroffen sei. Weitere Aufschläge seien deshalb nicht auszuschliessen.

Sonnenblumenöl stammt oft aus der Ukraine

In der Ukraine werde 50 Prozent der weltweiten Sonnenblumenöl-Produktion hergestellt. Dieses brauche es etwa für die Herstellung von Pommes Chips oder Farmer-Riegeln und lasse sich nicht einfach mit einem anderen Öl ersetzen.

Die Migros verzichte nun auf Aktionen beim Sonnenblumenöl und Mayonnaise. Auch Nestlé, Hersteller der Thomy-Mayonnaise, bestätigt einen Engpass beim Sonnenblumenöl, kurzfristig gebe es aber keinen Unterbruch bei der Verfügbarkeit der Produkte.

«Die Zeit der tiefen Preise ist vorbei»

Bei Coop sei der Einfluss des Kriegs auf die Beschaffung gering, weil sich die letztjährige Ernte bereits in den Lagern befinde. Nun gelte es, die Entwicklung abzuwarten, sagt eine Sprecherin. Allerdings erhalte Coop von verschiedenen Lieferanten Preisforderungen wegen der höheren Rohstoffpreise und Transportkosten sowie knappem Verpackungsmaterial. Bei WC-Papier und Kaffeekapseln gebe es deshalb höhere Preise.

Bei Lidl Schweiz spricht man von schwierigen Zeiten. Es sei aber noch nicht klar, ob es zu Preisveränderungen komme. Gleich tönt es bei Denner. Martin Neff ist aber überzeugt, dass es zur Teuerung kommt: «Die Zeit der tiefen Preise ist vorbei», sagt der Chefökonom von Raiffeisen Schweiz 20 Minuten.

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Händler die höheren Produzentenpreise auf die Kundinnen und Kunden abwälzen», sagt Neff. Durch die höheren Energiekosten verteuerten sich Transport und Produktion.

Teuerung von fast zwei Prozent erwartet

Ausserdem seien Lieferengpässe wegen Corona-Massnahmen noch aktuell und hätten sich wegen neuer Shutdowns in China verschärft, so Neff. Die Produzentenpreise in der Schweiz stiegen im Februar um 3,5 Prozent, für landwirtschaftliche Produkte um 4,5 Prozent und für Papierprodukte um neun Prozent.

Auch Tiziana Hunziker, Ökonomin der Credit Suisse und Detailhandelsexpertin, erwartet Preiserhöhungen wegen des Kriegs. Die Preise könnten in den nächsten Monaten um über zwei Prozent aufschlagen. Im Jahresschnitt erwartet sie eine Teuerung von 1,8 Prozent.

Wegen des starken Frankens seien Importe aus der Eurozone aber billiger geworden, deshalb werde das Ausmass der Teuerung nicht so gross sein wie in der EU.

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