Flucht aus der Ukraine  – Ukrainische Flüchtlinge bangen um Unterkunft für Haustiere

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Flucht aus der Ukraine Ukrainische Flüchtlinge bangen um Unterkunft für Haustiere

Statt mit weiteren Taschen flohen viele Ukrainerinnen und Ukrainer mit ihren Haustieren. Doch in der Schweiz mangelt es an Unterkünften für die Tiere. 

von
Lisa Horrer
Bettina Zanni
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Drei Millionen Personen flüchteten bisher aus der Ukraine. Viele traten die Flucht mit ihren Haustieren an. 

Drei Millionen Personen flüchteten bisher aus der Ukraine. Viele traten die Flucht mit ihren Haustieren an. 

REUTERS/Kai Pfaffenbach
150 Tiere sind dem  Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bislang gemeldet worden. 

150 Tiere sind dem  Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bislang gemeldet worden. 

AFP/Sakis MITROLIDIS
«Uns erreichen laufend Hilferufe von Flüchtlingshelfern, dass es zu wenig Unterkünfte gibt, bei denen auch Tiere willkommen sind», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap).

«Uns erreichen laufend Hilferufe von Flüchtlingshelfern, dass es zu wenig Unterkünfte gibt, bei denen auch Tiere willkommen sind», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap).

bz

Darum gehts


Zahlreiche ukrainische Geflüchtete lassen ihre Haustiere nicht im Stich. Oft stehen sie deshalb mit ihren Hunden, Katzen oder Meerschweinchen vor den Asylzentren. Doch in den Bundesasylzentren ist die Haltung von Tieren verboten. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) begründet dies mit den Platzverhältnissen, der Hygiene, Allergien und Glaubensfragen. Hunde, Katzen und weitere Haustiere müssten anderweitig, zum Beispiel in Tierheimen, untergebracht werden.

«Uns erreichen laufend Hilferufe von Flüchtlingshelfern, dass es zu wenig Unterkünfte gibt, bei denen auch Tiere willkommen sind», sagt Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap). Die Tiere von ihren Besitzerinnen und Besitzern zu trennen, sei wenn immer möglich zu vermeiden. «Die Personen haben lieber ihr Tier mitgenommen als eine weitere Tasche. Das Tier ist ein Familienmitglied, sie wollen einfach zusammenbleiben.» Da die Flüchtlinge mit dem Krieg etwas Traumatisches erlebt hätten, sei es umso wichtiger, sie nicht weiter zu belasten.

Zahl der eingeführten Haustiere aus der Ukraine steigt

Innerhalb einer Woche nahm die Zahl der ukrainischen Flüchtlinge um eine Million zu – Tendenz steigend. Laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sind bisher 150 Tiere gemeldet worden. Das BLV rechnet bei anhaltendem Krieg mit einer Zunahme der Fälle. Da leider nicht alle Halterinnen und Halter ihre Haustiere registriert hätten, gehe sie von einer hohen Dunkelziffer aus, sagt Esther Geisser. Tierheime erachtet sie auf Dauer nicht als Alternative für Haustiere ohne Unterkunft. «Die Welle rollt in der Schweiz jetzt an – irgendwann sind auch die Tierheime voll.» Sie bittet deshalb Privatpersonen, die Flüchtlinge auch mit Tieren aufnehmen würden, sich zum Beispiel auf der Plattform Tasso zu registrieren.

Auch der Zürcher Tierschutz spürt die Zunahme. Im Kanton Zürich sind laut Geschäftsleiter Rommy Los mehr als 40 Haustiere aufgenommen worden – alleine seit Mittwoch seien fünf bis sechs Hunde und Katzen hinzugekommen. Los rechnet damit, dass zuerst die Plätze eng werden für Tiere, die in Quarantäne müssten, denn auch die Mitarbeitenden müssen gegen Tollwut geimpft sein (siehe Box). «Das könnte bei den Hunden bereits in den nächsten zwei Wochen der Fall sein.» Bei Tieren, die nicht in Quarantäne müssen, gebe es deutlich mehr Ausweichmöglichkeiten. «Es gibt genug Organisationen, die Plätze anbieten können, in Tierheimen oder in Tierpensionen. Auch bei Privaten könnten sie im Notfall unterkommen.»

Ungeimpfte Haustiere müssen in Quarantäne

Es brauche Lösung in Heimat

Auch Nationalrätinnen und Nationalräte beschäftigt die Welle von ukrainischen Haustieren. «Der Tierschutz bietet Tierheimen finanzielle Soforthilfe an», sagt Martina Munz, SP-Nationalrätin und Vorstandsmitglied des Schweizer Tierschutzes (STS). So sei sichergestellt, dass die Tiere auch getrennt von ihren Halterinnen und Haltern gut aufgehoben seien.

Laut FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann stellt der Flüchtlingsstrom die Behörden vor grosse Herausforderungen: «Unsere personellen wie auch infrastrukturellen Kapazitäten kommen an ihre Grenzen.» Er fordert Verständnis von den Flüchtenden und dass sie für ihre Haustiere eine Lösung in ihrer Heimat suchen. Das Problem lasse sich hier nicht lösen. Zudem gelten die völkerrechtlichen Verpflichtungen den hilfesuchenden Menschen, so Portmann.

Unterkünfte für Geflüchtete mit Haustier

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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