Ukraine-Rückkehrer: Ukrainische Geflüchtete strömen zurück in ihr Heimatland 
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Ukraine-RückkehrerUkrainische Geflüchtete strömen zurück in ihr Heimatland 

Tausende ukrainische Geflüchtete kehren in ihre Heimat zurück – auch die Schweiz verlassen immer mehr Menschen. Die 28-jährige Alina etwa habe die Schweiz ins Herz geschlossen. Jetzt will sie aber ihren Mann in der Ukraine in die Arme schliessen. 

von
Seline Bietenhard
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Tausende geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach Polen geflüchtet waren, strömten in den letzten Tagen zurück in die Ukraine.  Auch in der Schweiz interessieren sich derzeit viele ukrainische Geflüchtete für eine Rückkehr in ihre Heimat.

Tausende geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach Polen geflüchtet waren, strömten in den letzten Tagen zurück in die Ukraine.  Auch in der Schweiz interessieren sich derzeit viele ukrainische Geflüchtete für eine Rückkehr in ihre Heimat.

20min/Simona Ritter / Helena Müller
An der ukrainisch-polnischen Grenze ist viel Bewegung – Tausende wollen zurück in ihre Heimat. 

An der ukrainisch-polnischen Grenze ist viel Bewegung – Tausende wollen zurück in ihre Heimat. 

20min/Ann Guenter 
«Wir haben seit zwei Wochen immer mehr Anfragen von Leuten, die zurück in die Ukraine wollen», sagt Reto Rösch, Geschäftsleiter von Busreisen Rösch. Das Busunternehmen fährt alle drei Wochen in die Ukraine, um Leute in die Schweiz zu bringen.

«Wir haben seit zwei Wochen immer mehr Anfragen von Leuten, die zurück in die Ukraine wollen», sagt Reto Rösch, Geschäftsleiter von Busreisen Rösch. Das Busunternehmen fährt alle drei Wochen in die Ukraine, um Leute in die Schweiz zu bringen.

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Darum gehts

Tausende Ukrainerinnen und Ukrainer, die nach Polen geflüchtet waren, strömten in den letzten Tagen zurück in die Ukraine, wie «SRF» am Montag berichtete. Auch in der Schweiz interessieren sich derzeit viele ukrainische Geflüchtete für eine Rückkehr in ihre Heimat. Wie viele es genau sind, weiss niemand. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigt zwar, Kenntnis von Fällen zu haben, genaue Zahlen seien aber keine bekannt. 

Eine Zunahme an Anfragen stellt Reto Rösch fest, Geschäftsleiter von Busreisen Rösch. «Wir haben seit zwei Wochen immer mehr Anfragen von Leuten, die zurück in die Ukraine wollen.» Das Busunternehmen fährt alle drei Wochen in die Ukraine, um Leute in die Schweiz zu bringen. «Die letzten Male fuhren auch immer wieder Leute zurück, zuletzt waren es zehn Personen», sagt Rösch. Am Mittwoch fahren sie erneut in die Ukraine und erwarten viele Rückkehrende.

«Die Reise von der Ukraine in die Schweiz ist gratis, die Reise zurück kostet momentan 120 Franken pro Person», sagt Rösch. Sie versuchten jedoch, auch die Rückreise gratis durchzuführen. «Doch dafür brauchen wir genügend Spenden, wir finanzieren momentan alles selber», sagt Rösch. Für Rösch sei es klar gewesen, Leute von der Ukraine in die Schweiz zu bringen und: «Es war dann logisch, sie auch wieder zurückzubringen.»

«Ich freue mich darauf, meinen Mann wieder umarmen zu können»

Auch die 28-jährige Alina Makarchuk fährt in den nächsten Tagen mit dem Bus von Bern via Warschau zurück nach Dnipro. «Es dauert sehr lange. 50 Stunden Fahrt und es kommt noch Zeit an der Grenze dazu», sagt Alina zu 20 Minuten. Eigentlich habe sie in einem Auto mitfahren wollen, aber es sei schwierig gewesen, mit dem Hund einen Platz zu finden.

Seit Ende März wohnt sie mit ihrem Hund bei einer Gastfamilie in Bern. Die 28-Jährige beschreibt ihre Zeit in der Schweiz als «wunderbar». «Meine Gastfamilie war sehr zuvorkommend und hat mich wärmstens aufgenommen. Ich habe keine Worte, um ihnen gegenüber meine Dankbarkeit auszudrücken», sagt Alina. Dennoch reist sie Anfang Juni wieder zurück nach Dnipro. «Ich vermisse mein Zuhause und meinen Mann, der für die Ukraine im Krieg kämpft», sagt die 28-Jährige. Es sei sehr schwierig, dieses Gefühl in Worte zu fassen, aber: «Irgendetwas in dir drin drängt dich fast wieder zurück.»

In den zwei Monaten sei sie ein grosser Fan der Schweiz geworden. «Es ist so schön hier, die Leute sind sehr nett und das Essen ist fantastisch. Meine Gastfamilie und ich machten viele Ausflüge in die Berge und an Seen. Ein unbeschreibliches Erlebnis», sagt Alina. Sie sei sehr dankbar für alle Hilfsbereitschaft, die sie erlebte. «Ich werde bestimmt wieder mal in die Schweiz reisen, das nächste Mal aber mit meinem Mann zusammen und als Touristen», sagt die 28-Jährige. Zuerst freue sie sich aber am meisten, ihren Mann wieder umarmen zu können.

«Ich hoffe, dass der Krieg bald vorbei ist und Putin stirbt»

Andere Ukrainerinnen sind bereits wieder in die Ukraine zurückgekehrt. Tatiana (26) flüchtete von Lwiw nach Polen. Seit einigen Tagen ist sie aber wieder zurück. «Ich ging nach Hause, da ich meinen Vater und meinen Hund sehr vermisste. Das Leben in Polen war sehr anstrengend und ich war auch oft sehr traurig», sagt Tatiana zu 20 Minuten. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, wieder zurück zu sein. «Alle Ukrainerinnen und Ukrainer hoffen nur, dass der Krieg bald zu Ende ist und dass Putin stirbt.»

Kristyna (33) flüchtete von Odessa nach Deutschland. Dort habe sie sich aber nicht wohl gefühlt und kehrte Ende April zurück. «Ich bin Deutschland sehr dankbar für all die Hilfe, aber es waren nicht meine Leute und auch das Essen war nicht dasselbe», sagt Kristyna. Sie habe eines Tages einfach ihre Sachen gepackt und sei gegangen. «Es war mir alles egal», sagt Kristyna. Die 33-Jährige habe geweint, als sie die Grenze überquerte. «Ich war so glücklich, endlich wieder zuhause zu sein.» 

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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