«Mehr als nur eine Aufführung»: Ukrainische Künstlerinnen tanzen in Aarau für die Hoffnung
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«Mehr als nur eine Aufführung»Ukrainische Künstlerinnen tanzen in Aarau für die Hoffnung

Geflüchtete Artistinnen, Musikerinnen, Tänzerinnen und Sängerinnen: Sie alle standen in den letzten Tagen in Aarau AG auf der Bühne.

von
Salvatore Iuliano
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In der Aeschbachhalle Aarau fanden die Tanzaufführungen statt. 

In der Aeschbachhalle Aarau fanden die Tanzaufführungen statt. 

20min
Aufgeführt haben sie ukrainische Zirkusartistinnen, Tänzerinnen und Musikerinnen, die vor dem Krieg in die Schweiz geflohen sind.

Aufgeführt haben sie ukrainische Zirkusartistinnen, Tänzerinnen und Musikerinnen, die vor dem Krieg in die Schweiz geflohen sind.

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Die Show soll für die Künstlerinnen und Künstler eine Möglichkeit sein, einer Lohnarbeit nachzugehen.

Die Show soll für die Künstlerinnen und Künstler eine Möglichkeit sein, einer Lohnarbeit nachzugehen.

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Aktuell befinden sich über 50’000 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in der Schweiz. Darunter viele Künstlerinnen und Künstler, die nicht arbeiten können. Diese werden so weit wie möglich von der Schweiz und deren Bevölkerung unterstützt. Doch das Kriegstrauma der Flüchtenden sitzt tief. Auch deshalb möchte der Schweizer Regisseur und Showproduzent Dominic Ulli helfen.

Seit 15 Jahren arbeitet Ulli mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Ukraine zusammen. Noch vor dem Kriegsausbruch wollte er in der Ukraine ein neues Showkonzept an der Zirkusschule in der Stadt Berditschew auf die Beine stellen. Kurz vor dem ersten russischen Angriff reiste Ulli zurück in die Schweiz. Um den Geflüchteten nun in der Schweiz unter die Arme zu greifen, stellt der Regisseur ein neues Projekt in der Aeschbachhalle in Aarau auf die Beine. In «L’Viv - Vivid» sollen ukrainische Tänzerinnen und Tänzer sich den Schmerz von der Seele tanzen, ihre Kultur den Leuten näherbringen und ihre Erfahrungen mit dem Publikum teilen. «Es ist mehr als nur eine Aufführung. Es ist keine Tanzshow, es ist kein Musical, es ist ein Happening», beschreibt Ulli das Projekt.

«Wenn ich tanze, bin ich abgelenkt»

«Dies ist eine Möglichkeit, um der Schweiz zu erklären, was in der Ukraine passiert, wie wir dort rausgekommen sind und wie man sich hier getroffen hat», sagt Alexandr Novak, einer der Tänzer. «Es ist eine Plattform und eine Möglichkeit, die eigene Geschichte zu erzählen.» Novak ist einer von 25 Tänzerinnen und Tänzern, die in Aarau auf der Bühne stehen. Er beschreibt die Show als eine Art Therapie für die Artisten. Ähnlich sieht es auch Ira Zaichenko, eine Tänzerin und Choreografin. «Wenn ich tanze, bin ich abgelenkt und höre auf, über all die Dinge nachzudenken, die in der Ukraine geschehen.» Sie denke dann nur ans Tanzen und könne in solchen Augenblicken entspannen. Der Krieg dränge sich dennoch immer wieder ins Bewusstsein: «Immer wenn wir auftreten, erleben wir die Emotionen des Krieges und erzählen unsere Geschichte.»

Die Show soll für die Künstlerinnen und Künstler eine Möglichkeit sein, einer Lohnarbeit nachzugehen. Deshalb sollen laut Ulli die Einnahmen der Ticketverkäufe ihnen als Lohn zugutekommen. «Ich will diesen Menschen helfen, in ein gewohntes Arbeitsumfeld zurückzukehren. Dazu gehört auch ein Verdienst. Das war auch die Grundmotivation für das Projekt.»

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