Ukraine-Krieg: Ukrainisches Wagner-Pendant – «Mozart»-Paramilitärs befreien Cherson

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Ukraine-KriegUkrainisches Wagner-Pendant – «Mozart»-Paramilitärs befreien Cherson

Eine private US-Militärfirma namens Mozart hat in den letzten Monaten Hunderte ukrainische Soldaten für den Kampf im Südosten der Ukraine ausgebildet.

von
Karin Leuthold
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Die Mozart-Gruppe hat im vergangenen Sommer mehrere Hunderte ukrainische Kämpfer ausgebildet.

Die Mozart-Gruppe hat im vergangenen Sommer mehrere Hunderte ukrainische Kämpfer ausgebildet.

Twitter/TheMozartGroup
Die Gruppe wurde vom ehemaligen Oberst des US-Marine Corps Andrew Milburn gegründet.

Die Gruppe wurde vom ehemaligen Oberst des US-Marine Corps Andrew Milburn gegründet.

Twitter/TheMozartGroup
Die Gruppe heisst Mozart – in Opposition zur russischen Söldnergruppe Wagner.

Die Gruppe heisst Mozart – in Opposition zur russischen Söldnergruppe Wagner.

Twitter/TheMozartGroup

Darum gehts

  • Russland hat nach eigenen Angaben seinen Rückzug aus der Gebietshauptstadt Cherson abgeschlossen. 

  • Eine paramilitärische Gruppe namens Mozart trainierte ukrainische Soldaten in der Region.

  • Deren Mitglieder befürchten, dass die russische Truppen sich nicht ohne Widerstand zurückziehen werden.

Ukrainische Streitkräfte haben im Südosten der Ukraine einen bedeutenden Sieg errungen: «Cherson kehrt unter die Kontrolle der Ukraine zurück», feierte am Freitag das Verteidigungsministerium in Kiew. Doch während der russische Rückzug aus der besetzten Gebietshauptstadt bei den Einwohnern und Einwohnerinnen für Freudentränen und Hupkonzerte sorgte, wurde die ukrainische Armee von Präsident Wolodimir Selenski angewiesen, «sehr vorsichtig» bei der Übernahme von Cherson vorzugehen. Selenskis Berater Mykhailo Podolyak warnte am Donnerstag, die russischen Streitkräfte planten, «Cherson in eine Stadt des Todes» zu verwandeln.

«Das ukrainische Militär ist aus gutem Grund extrem vorsichtig, was den Einmarsch angeht», meint ein freiwilliger Kämpfer aus den USA gegenüber «Newsweek». Der 26-jährige Erik, der aus Sicherheitsgründen seinen vollen Namen nicht nennen will, ist Mitglied einer paramilitärischen Gruppe namens Mozart. Die Gruppe wurde vom ehemaligen Oberst des US-Marine Corps Andrew Milburn gegründet und bildet ukrainische Truppen aus. Wie Erik weiter sagt, erwarteten die ukrainischen Soldaten beim Einmarsch in Cherson «eine breite Palette russischer Tricks.»

Opposition zur Wagner-Gruppe

Der Name der privaten US-Militärfirma ist nicht zufällig gewählt: Sie heisst Mozart in Opposition zur russischen Söldnergruppe Wagner. Die Mozart-Gruppe, allesamt Veteranen von Elitetruppen aus den USA, Grossbritannien, Irland und anderen westlichen Ländern, hat im Donbass ihre Basis errichtet. Dort bildeten die 20 bis 30 Mitglieder im Sommer Ukrainer im Kampf aus, ohne selbst aktiv zu werden.

«Wir machen hier die Arbeit, die Washington nicht machen kann. Das Pentagon sagt, es habe nichts mit uns zu tun. Das stimmt, das ist die Wahrheit», stellte Andrew Milburn in einem Interview mit «Le Monde» klar. Er wolle nicht mit der Kreml nahen Wagner-Gruppe verglichen werden, sagt der frühere US-Oberst. «Was wir tun, ist etwas ganz anderes», so Milburn. Die Mozart-Gruppe liefere unter anderem humanitäre Hilfe und hole Menschen aus gefährdeten Kampfgebieten heraus.

«Jedes Gebäude ist eine Gefahr für die ukrainischen Streitkräfte»

Die ukrainischen Soldaten erhalten fünf- oder zehntägige Crash-Kurse in den Bereichen Waffenhandhabung, Manöver sowie Gefechtstaktik – eine Ausbildung, die in üblichen Fällen sechs Monate dauern würde. Die Mozart-Mitglieder haben laut «The Guardian» mehrere Hunderte von Soldaten mit Unterstützung zweier Dolmetscher ausgebildet.

Die Mission der Gruppe sei nachvollziehbar, erklärt einer der Trainer. Die ukrainischen Soldaten wurden zwar mit westliche Waffensysteme ausgerüstet, doch die meisten wüssten nicht, wie sie die Militärausrüstung richtig einsetzen müssten, es fehle den Männern an Ausbildung und Fähigkeiten.

Bei der Einnahme von Cherson soll den ukrainischen Soldaten nun die Erfahrung beim Training und im Kriegseinsatz zunutze kommen. «Ich glaube nicht, dass sich die russischen Truppen einfach so aus dem Staub machen», befürchtet Mozart-Mitglied Erik. Besonders kleine Gruppen russischer Soldaten in Zivilkleidung und leerstehende Gebäude stellten derzeit eine ernste Gefahr dar. «Ich kann Ihnen eines sagen: Sie haben die gesamte Stadt mit Sprengfallen versehen», sagt Erik. «Jedes Gebäude ist eine Gefahr für die ukrainischen Streitkräfte.»  

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