Aktualisiert 22.06.2013 09:46

Jetzt ist's offiziell

Ullrich gesteht Blutdoping

Erstmals hat der ehemalige deutsche Radprofi Jan Ullrich zugegeben, dass er die Dienste des Dopingarztes Fuentes in Anspruch genommen hatte. Doch betrogen habe er nie.

Der ehemalige Radprofi Jan Ullrich hat gemäss einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Focus» erstmals Blutdoping beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes zugegeben.

«Ja, ich habe Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen», sagte der 39-Jährige in einem «Focus»-Interview. Er habe aber keine anderen Dopingmittel verwendet als sein eigenes Blut, stellte der Tour-de-France-Sieger von 1997 klar. Bisher hatte Ullrich mit verklausulierten Aussagen seine Verwicklung in die Doping-Ära des Radsports zugegeben, aber kein umfassendes Geständnis abgelegt.

Betrugsvorwürfe wies er aber weiter zurück. «Fast jeder hat damals leistungssteigernde Substanzen genommen. Ich habe nichts genommen, was die anderen nicht auch genommen haben», sagte Ullrich gegenüber «Focus». «Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen.»

Vergangenheit sein lassen

Ähnlich wie der überführte Dopingsünder Lance Armstrong muss sich Ullrich jetzt dem Imageschaden durch seine jahrelange Verschleierungstaktik und eventuellen Regressforderungen stellen. «Beide sind wir nicht davongekommen und schuldig. Ich bin nicht besser als Armstrong, aber auch nicht schlechter», sagte der Wahl-Thurgauer. «Die grossen Helden von früher sind heute Menschen mit Brüchen, mit denen sie klarkommen müssen.»

Ullrich war im vergangenen Jahr vom Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen seiner Verwicklung in den Skandal um Dopingarzt Fuentes zu einer zweijährigen Sperre verurteilt worden, die rückwirkend vom 22. August 2011 an ausgesprochen wurde. Ausserdem wurden alle seine Resultate vom 1. Mai 2005 an gestrichen - so beispielsweise der Gesamtsieg an der Tour de Suisse 2006.

Seine tatkräftige Unterstützung bei der Aufarbeitung der schwarzen Ära im Radsport hat Ullrich erneut nicht angeboten. Er wolle die Vergangenheit ruhen lassen. «Das Thema ist für mich abgehakt. Ich will nur noch nach vorne schauen und nie wieder zurück.» (si)

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