Tierkrimi in Oberbayern: Ultimatum für ausgebüxte Kuh Yvonne läuft ab
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Tierkrimi in OberbayernUltimatum für ausgebüxte Kuh Yvonne läuft ab

In wenigen Tagen soll das flüchtige Tier erschossen werden. Tierschützer hoffen nun auf die anhaltende Hitze. Denn auf Wassersuche verlässt Yvonne neuerdings bereits am Tag ihr Waldversteck.

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Seit Mai ist die Kuh Yvonne auf der Flucht. Sie war ihrem Landwirt ausgebüxt und hält sich seither in dem Waldgebiet bei Zangberg versteckt. Das Leben im Wald hat das Tier geprägt, sein Verhalten gleicht immer mehr dem eines Rehs denn einer Kuh. So verlässt Yvonne ihr Versteck nur noch bei Nacht. Sie dann zu finden, sei schwierig, betonte der Leiter des Suchtrupps, Hans Wintersteller. Denn der Einsatz von Lampen sei unmöglich, da die Kuh sofort flüchten würde.

Verschiedene Versuche, die sechsjährige Problemkuh anzulocken, sind gescheitert. Jüngst wollte man ihr beispielsweise die Heimkehr zum Bauern mit dem schönen Stier Ernst versüssen. Den hat Yvonne verschmäht. Und auch zwei weiteren Lockvögeln, der befreundeten Kuh Waltraud und dem Kälbchen Waldi, folgte sie nicht nach Hause.

Das Waldleben bekommt Yvonne

Bisher ist das Rind im Wald prächtig gediehen, laut bild.de hat es bereits 100 Kilo zugelegt. Doch nun scheint auch dem Tier die grosse Hitze, die in Oberbayern herrscht, zuzusetzen. Und genau darauf hoffen die Tierschützer. Denn bereits am Sonntag war Yvonne auf der Suche nach Wasser noch vor Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald gekommen. Allerdings ist es dem Wildtierexperten nicht gelungen, sie zu betäuben. Denn er fand sich frontal gegenüber Yvonne, ein Muskel zu treffen sei von dieser Position aus unmöglich. In der Nacht zum Montag war Yvonne erneut gesichtet worden, aber auch da konnte der Suchtrupp sie nicht fangen.

Abschusstermin rückt näher

Für den Suchtrupp ist es ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Ende August soll Yvonne abgeschossen werden. Doch wieso kann sie nicht einfach weiter im Wald leben? Die Behörden begründen es damit, dass die Kuh ein Risiko für die Bevölkerung darstellt. Insbesondere im Strassenverkehr. Dies bekamen auch zwei Polizisten im Streifenwagen zu spüren, den Yvonne Ende Juli beinahe rammte. Laut dem Spiegel begründete Erich Kozel, der Fachbereichsleiter öffentliche Sicherheit und Ordnung des Landratsamts Mühldorf den Entscheid so: «Ein Reh wiegt 30 oder 40 Kilogramm, die Kuh wiegt 700. Deshalb können wir nicht zuschauen, bis sie auf die Strasse läuft.»

Hinduisten besorgt

Der drohende Abschuss ruft nun Hinduisten auf den Plan. «Ein Lebewesen hat das Recht zu leben», betonte der Präsident des Berliner Sri Ganesha Hindu Tempels, Avnish Kumar Lugani, am Montag in Berlin. «Man muss es weiter versuchen», mahnte er mit Blick auf die bisher gescheiterten Versuche, die Kuh einzufangen. Eine Kuh sei «kein Tiger oder Löwe» und nicht gefährlich.

Die Kuh ist im Hinduismus ein heiliges Tier. Sie habe den Menschen mit Nahrung und Kleidung versorgt und ihn so sesshaft werden lassen, erläuterte Lugani.

Abschuss oder Asyl?

Wer den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt, wird sich bald weisen. Und auch, ob die Kuh so schlau ist, wie eine Anwohnerin gegenüber Spiegel-TV erklärt. Dann würde sie einlenken und dem schönen Lockstier Ernst folgen. Denn an seiner Seite könnte sie ihren Lebensabend auf einem Gnadenhof verbringen. (lue/dapd)

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