Ultranationalist vor knappem Sieg in Serbien
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Ultranationalist vor knappem Sieg in Serbien

Bei der Präsidentenwahl in Serbien kann der Ultranationalist Tomislav Nikolic offenbar mit einem knappen Sieg rechnen.

Einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage zufolge käme er bei der Wahl am Sonntag auf 21 Prozent. Er würde den prowestlichen Amtsinhaber Boris Tadic mit 19 Prozent auf Platz zwei verweisen. Damit wäre eine Stichwahl nötig, die am 3. Februar stattfinden soll.

Nikolic warnte den Westen auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pristina vor mehreren tausend Anhängern davor, der abtrünnigen Provinz Kosovo die Unabhängigkeit zu erlauben. «Wagen Sie nicht, Serbien anzufassen», sagte er in der Stadt im Norden des Kosovos, in der eine starke serbische Minderheit lebt. «Serbien hat seine Menschen und seine Grenzen.» Die Führung der Kosovo-Albaner hatte zuvor erklärt, die Unabhängigkeitserklärung mit der EU und den USA abstimmen zu wollen.

Keiner der insgesamt neun Präsidentschaftskandidaten hat der Umfrage zufolge in Serbien Chancen, im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen zu erzielen. Nikolic erklärte dennoch, er erwarte einen Sieg schon im ersten Wahlgang. Das Zentrum für Freie Wahlen und Demokratie befragte 1.520 Erwachsene im ganzen Land und gab die Fehlerquote der Umfrage mit zwei Prozentpunkten an. Die Gruppe erklärte, der Ausgang einer Stichwahl lasse sich nicht voraussagen.

Der Ausgang der Präsidentenwahl wird für die Reaktion Serbiens auf die erwartete Unabhängigkeitserklärung des Kosovos nach der Wahl ausschlaggebend sein. Die Wahl wird auch als wichtige Weichenstellung angesehen, ob Serbien den Weg in Richtung der europäische Integration fortsetzt oder zu seiner isolationistischen Vergangenheit zurückkehrt.

Die Niederlande erklärten unterdessen, dass der nächste Schritt der Annäherung Serbiens an die EU blockiert werden solle, solange Belgrad nicht den mutmasslichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic an das Tribunal in Den Haag ausliefere. Wenn Serbien wirklich eine europäische Zukunft wolle, dann müsse einer der Hauptverantwortlichen für den einzigen Völkermord in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ausgeliefert werden, forderte der niederländische Aussenminister Maxime Verhagen nach einem Treffen mit seinem slowenischen Amtskollegen, Dimitrij Rupel. Slowenien hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. (dapd)

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