Aktualisiert 01.04.2020 09:29

Fan-Gruppierungen helfen

Ultras werden in Zeiten der Corona-Krise solidarisch

Fussball-Ultras verändern sich in der Corona-Krise vom Feindbild zum Vorbild. Wer hätte das gedacht, aber viele Fan-Gruppierungen machen derzeit positiv von sich reden.

von
ete
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Immer mehr Fan-Gruppierungen setzen sich mit Hilfsaktionen ein und helfen. «Züri staht zämme!» heisst zum Beispiel die Aktion der Fanszene ZSC.

Immer mehr Fan-Gruppierungen setzen sich mit Hilfsaktionen ein und helfen. «Züri staht zämme!» heisst zum Beispiel die Aktion der Fanszene ZSC.

Die faszination-fankurve.de hat begonnen, einen Überblick über solche Solidaritätsaktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erstellen.

Die faszination-fankurve.de hat begonnen, einen Überblick über solche Solidaritätsaktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erstellen.

Auch Spruchbänder, um Ärzten und dem Pflegepersonal zu danken, sind beliebt. Ein Transparent mit der Aufschrift «Danke allen Helfern! Fuck Covid 19! ..Syn79» hängt an der Wiwili-Brücke nahe des Freiburger Haupftbahnhofs. Das Kürzel Syn79 verweist auf die Ultra-Gruppierung Synthesia 79. In Basel haben die FCB-Fans Mitte März ähnliche Spruchbänder bei einigen Spitälern angebracht.

Auch Spruchbänder, um Ärzten und dem Pflegepersonal zu danken, sind beliebt. Ein Transparent mit der Aufschrift «Danke allen Helfern! Fuck Covid 19! ..Syn79» hängt an der Wiwili-Brücke nahe des Freiburger Haupftbahnhofs. Das Kürzel Syn79 verweist auf die Ultra-Gruppierung Synthesia 79. In Basel haben die FCB-Fans Mitte März ähnliche Spruchbänder bei einigen Spitälern angebracht.

Philipp von Ditfurth

Einkaufen, die Briefe zur Post bringen, Medikamente an gefährdete Menschen aus der Risikogruppe liefern. Solidarisch sein. In Basel dankten FCB-Fans mit Spruchbändern («D'Helde vo dääne Dääg trage wiss statt rotblau») Ärzten und dem Pflegepersonal für ihren Einsatz. Die Botschaft der Fans des österreichischen Bundesligisten Sturm Graz war: «Vom Supermarkt bis zum Krankenhaus, was ihr gerade leistet, verdient Applaus!» Ultra-Gruppierungen zeigen in Zeiten der Corona-Krise, dass sie mehr sind als «Randalierer».

Immer mehr Fan-Gruppierungen setzen sich mit Hilfsaktionen ein und helfen. «Züri staht zämme!» heisst die Unterstützungs-Aktion der Fanszene ZSC, die Hilfe für Risikogruppen und unter Quarantäne stehenden Personen im Raum Zürich anbietet. Menschen in der Ostschweiz finden Hilfe bei den Fans des FC St. Gallen auf www.espenblock.ch. Eine Liga tiefer helfen u.a. die Fans des FC Wohlen, die 28Squad in Delé­mont und die Loz Boys in Lausanne.

Von Blutspenden bis Kumpelkisten

Auch in Deutschland rufen immer mehr Ultras zu Hilfsaktionen auf. Beim Beispiel Schalke 04 stellen die Ultras Gelsenkirchen sogenannte «Kumpelkisten» mit Lebensmitteln zusammen, die sie von montags bis samstags ausliefern. Die Dortmunder Ultra-Gruppierungen The Unity, Desperados und Jusos bieten täglich von 11 bis 17 Uhr Botengänge und diverse Erledigungen an. In München will das Fan-Bündnis Club Nr. 12 mit diversen Projekten verhindern, dass es in Krankenhäusern und Arztpraxen zu Engpässen kommt.

Auch die Ultras in Leverkusen wollen nicht hintenanstehen und bieten einen Einkaufsdienst an. In Nürnberg rufen Fan-Gruppen zum Blutspenden auf oder sammeln für die Tafeln. Die Ultras Frankfurt 97 führen auf ihrer Website eine Liste mit Hilfsmassnahmen, die sie in der Region Frankfurt ausführen, inklusive einer Werbetafel mit der Liste der Institutionen, die Hilfe benötigen.

Gespendete Ticket-Rückerstattungen

Bei Hansa Rostock riefen sie zu «Hamsterkäufen» im Fanshop auf. Bei Alemannia Aachen oder beim VfL Bochum kaufen die Anhänger symbolische Tickets für die Spiele, die derzeit ausfallen, damit die Clubs weiterhin Zuschauereinnahmen generieren. In Kroatien halfen die hartgesottenen Jungs der «Bad Blue Boys», Ultras von Dinamo Zagreb, am 22. März Opfer nach einem schweren Erdbeben bei der Evakuierung einer Geburtenstation und bei der Bergung von Pandemie-Patienten aus Spitälern.

In Italien verzichteten Atalanta-Ultras auf die Rückerstattung des Ticketpreises der Champions-League-Partie gegen Valencia und entschieden sich stattdessen, die rund 40'000 Euro einer Klinik im Corona-Hotspot Bergamo zu spenden. Zusammen mit den Serie-A-Clubs zogen auch Milan- und Roma-Fanclubs nach.

«Viele Gruppen haben sich zudem mit anderen lokalen Organisationen zusammengetan, um bestmöglich helfen zu können», sagt Felix Tamsut dem «Tagesspiegel». Der freie Journalist ist ein Experte für deutsche Fankultur, der auf Twitter ein Liste der Initiativen führt. Denn mehr und mehr Fan­- und Ultra­gruppen soli­da­ri­sieren sich mit Betrof­fenen.

Auch faszination-fankurve.de hat begonnen, einen Überblick über solche Solidaritätsaktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erstellen und sie mit der Sammlung von «KickIn» zusammengeführt. Die Beratungsstelle Inklusion setzt sich für Vielfalt im deutschen Profifussball ein und unterstützt Fans, Vereine und Verbände dabei, Barrieren abzubauen und Fan-Szenen und das Vereinsleben so zu gestalten, dass alle aktiv teilhaben können. «KickIn» hat mit Hilfe von Google Maps eine virtuell Karte mit Hilfsangeboten rund um den Fussball angelegt. Man kann sich mittels eines Online-Fragebogens eintragen lassen.

Fussball-Ultras wandeln sich in der Corona-Krise vom Feindbild zum Vorbild? Die Dankes-Spruchbänder und Hilfsaktionen sind toll. Aber ist die grosse Solidarität wie sie in der Corona-Krise gezeigt wird, auch nachhaltig?

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