Bestseller: Um Dan Browns «Inferno» tobt die Rabattschlacht

Aktualisiert

BestsellerUm Dan Browns «Inferno» tobt die Rabattschlacht

Seit wenigen Tagen ist der neuste Schinken von Dan Brown im Handel. «Inferno» ist ein Kassenschlager – dennoch unterbieten sich die Grosshändler mit Dumpingpreisen.

von
Jeremias Büchel
Von Bestsellern wie «Inferno», «50 Shades of Grey» und den Harry-Potter-Werken profitiert der Schweizer Buchhandel stark. Insgesmt kämpft er aber mit rückläufigen Umsätzen.

Von Bestsellern wie «Inferno», «50 Shades of Grey» und den Harry-Potter-Werken profitiert der Schweizer Buchhandel stark. Insgesmt kämpft er aber mit rückläufigen Umsätzen.

Mitternachtsverkauf, eingesperrte Übersetzer und viel PR-Rummel im Vorfeld: Ähnlich wie bei neuen Harry- Potter-Büchern richtet der Buchhandel bei der Lancierung des neusten Wurfs vom Star-Autor Dan Brown mit der grossen Kelle an.

Stolze 700'000 Exemplare liess der deutsche Verlag Bastei Lübbe für die erste Auflage von «Inferno» drucken. 570'000 wurden laut Verlagssprecherin Barbara Fischer für den Verkaufsstart am Dienstag dieser Woche ausgeliefert. Am ersten Verkaufstag gingen bereits 70'000 Exemplare über die Theken. Der Kölner Verlag, der die Rechte an der deutschen Übersetzung besitzt, gibt als offiziellen Preis 36.50 Franken an.

Die Masse machts

Doch seit hierzulande die Buchpreisbindung gefallen ist, müssen sich Buchhändler nicht mehr an diese Empfehlungen halten. Es tobt ein wilder Preiskampf. So findet man den 700-Seiten Thriller bei Weltbild und Ex Libris bereits beim Verkaufsstart mit 20 Prozent Rabatt – für 29.20 Franken. Im Kampf um Kunden noch tiefer steigt Orell Füssli ein: Der Buchhändler verkauft «Inferno» für 28.90 Franken – 22 Prozent tiefer als die Preisempfehlung. Sowohl Orell Füssli wie Ex Libris sprechen von einem fantastischen Veraufsstart.

Für Orell Füssli gehört das zur Strategie: «Wir bieten regelmässig Bestseller mit Rabatten an. Auch beim neuen Dan Brown haben wir uns dafür entschieden», sagt Marketingleiter András Németh. Für Orell Füssli scheint es sich zu rechnen: «Weil wir grosse Stückzahlen verkaufen, verdienen wir trotz Rabatten noch etwas», so Németh. Wie viel der Grossbuchhandlung am einzelnen Buch bleibt, behält man lieber für sich.

Subventionierte Bestseller

Wenig Verständnis für die Rabattschlacht hat Dani Landolf, Geschäftsführer vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband SBVV: «Es ist schon wahnsinnig, wenn bei Büchern mit so hoher Nachfrage bei Verkaufsstart saftige Preisnachlasse gegeben werden.» Verwundert ist Landolf aber nicht: Man habe diese Entwicklung beim Abstimmungskampf um die Buchpreisbindung angekündigt.

Heute gilt: Tiefpreisige Bestseller werden von den anderen Büchern quersubventioniert. In England, wo die Buchpreisbindung schon vor der Schweiz gefallen ist, konnte man laut Branchenkennern ähnliche Verschiebungen beobachten.

Harry Potter als Retter

Den kleinen Buchhandlungen empfiehlt der SBVV, sich vom Preiskampf fernzuhalten. Bei Margen um die 40 Prozent lohne sich das kaum. Nach Abzug von Miete und Löhnen bleibe pro Buch nicht mehr viel übrig, wenn man wegen des Rabatts auf die Hälfte der Marge verzichte, so Landolf.

Dennoch sind Titel wie «Inferno», «50 Shades of Grey» oder Harry-Potter-Werke für den angeschlagenen Schweizer Buchhandel ein Segen. Den grössten Effekt hatte laut Landolf Harry Potter, da die sieben Bände vom Zaubererschüler junge Menschen wieder zum Lesen gebracht hat und nebenbei auch von älteren Lesern verschlungen wurde.

Immer weniger Buchhandlungen

Trotz solchen Verkaufsschlagern schliessen in der Schweiz jährlich rund fünfzehn Buchhandlungen. Um zu überleben, muss man originell sein und statt Preisschlachten mitzumachen zur kulturellen Tankstelle werden, so Landolf.

Dass dies möglich ist, zeigt Carol Forster vom Bücherladen Appenzell, der 2010 zur Buchhandlung des Jahres gekürt wurde. Hier können sich Kunden am Abend im Laden einschliessen lassen und nach Lust und Laune in den Bücher blättern, ganz alleine – ohne Ablenkung.

Forster verkauft das neue Dan Brown-Buch für 38.50 Franken. Einen Rabatt kommt für sie nicht in Frage: «Wir positionieren uns durch persönliche Beratung, Fachkompetenz und Ambiente. Nicht durch Preisnachlässe», sagt die Buchhändlerin. Der Verkauf von Inferno ist in Appenzell trotzdem gut angelaufen.

Dan Brown gegen Jonas Jonasson

Dan Browns «Inferno» dürfte in der Schweizer Bestsellerliste bald in die Top-Positionen vorstossen. Wochenlang an der Spitze befand sich dort der Titel «Der Hundertjährige, der aus dem Fenster steig und verschwand». Die Rechte für das 2011 erschienen Buch von Jonas Jonasson wurde in 35 Länder verkauft. In der Schweiz befindet sich der Titel des schwedischen Autors seit 81 Wochen in den Hitlisten, in Deutschland sogar seit 89 Wochen – 32 davon auf dem Spitzenplatz. Bis Mitte Mai wurden im deutschsprachigen Raum rund 2 Millionen Exemplare des Titels verkauft. Zahlen für die Schweiz konnte der Bertelsmann Verlag auf Anfrage nicht vorlegen. Zum Vergleich: Von der Soft-Porno-Trilogie «Fifty Shades» wurden im deutschsprachigen Raum bisher deutlich über 6 Millionen Exemplare abgesetzt. (sas)

Starkes Umsatzplus dank Dan Brown

Für den Bastei-Lübbe-Verlag, der die Rechte an der deutsche Version von «Inferno» besitzt, ist die Neuerscheinung des Star-Autors ein Glücksfall. Für laufende Jahr strebt die Kölner Firma ein um bis zu 25 Prozent höheren Umsatz an. Lag er vergangenen Jahr noch bei 80 Millionen Euro, werden in diesem Jahr gegen 100 Millionen erwartet. Zu den Bestsellern aus dem Programm des 60-jährigen Verlagshauses gehören auch die Bücher von Ken Follett. (sas)

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