Zürcher Wiehnachtsdorf: «Um mir die Älplermagronen zu leisten, esse ich halt auch mal gar nichts»

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Zürcher Wiehnachtsdorf«Um mir die Älplermagronen zu leisten, esse ich halt auch mal gar nichts»

Etliche Jugendliche kaufen ihren Zmittag im Zürcher Weihnachtsdorf. Einige müssen dafür sparen, andere können es sich nicht leisten.

von
Anna Ehrensberger
Michael Scherrer

So viel bezahlen Schülerinnen und Schüler für ihren Zmittag im Zürcher Weihnachtsdorf.

20min

Darum gehts

  • Die Preise für die Speisen im Zürcher Weihnachtsdorf werden auf Social Media diskutiert.

  • Eine Umfrage zeigt, dass einige Schülerinnen und Schüler sparen müssen, um auf dem Weihnachtsmarkt essen zu können.

  • Die Organisatorin verteidigt sich.

Der Preis von 14,50 Franken und die Grösse einer Portion Älplermagronen am Zürcher Weihnachtsdorf schlägt aktuell auf Twitter Wellen. «Frechheit», findet jemand. «Hoffentlich schmeckt das Pröbli zumindest», scherzt ein anderer User. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass viele der Besuchenden, die auf der Suche nach dem passenden Mittagessen über den Sechseläutenplatz schlendern, Schülerinnen und Schüler sind. Viele sind bereit, für die Speisen und die festliche Atmosphäre tief in die Tasche zu greifen (siehe Video). «Ich habe Dumplings gekauft. Sie sind super. Dafür bezahle ich gerne 15 Franken», sagt Senta (16).

Aber nicht alle Jugendlichen können sich diese Preise leisten. «Das Essen hier ist sehr teuer», sagt Janosch. Wie der Schüler gegenüber 20 Minuten erzählt, erhält er von seinen Eltern ein fixes Budget für seine Verpflegung. «Über 17 Franken kann und will ich für ein Mittagessen nicht ausgeben», so der 17-Jährige. Auch der deutsche Austauschschüler Juan (17) findet die Preise am Weihnachtsmarkt hoch. «Eigentlich habe ich nur zehn Franken zum Mittagessen zur Verfügung, heute habe ich mehr ausgegeben. Das kann man sich aber mal gönnen.» Morgen müsse er dafür billiger essen. 

Diese Portion Älplermagronen wird auf Twitter heftig diskutiert.

Diese Portion Älplermagronen wird auf Twitter heftig diskutiert.

Twitter/PGrasarevic

«An anderen Tagen esse ich mittags dann einfach gar nichts»

Ähnlich geht es Tobias (17). Auch er muss sparen, um sich seine Portion Älplermagronen am Weihnachtsdorf zu gönnen. «An anderen Tagen esse ich mittags dann einfach gar nichts oder gebe nur sehr wenig aus.» Für sein Zmittag habe er am Weihnachtsmarkt «zu viel» ausgegeben, sagt der Jugendliche. «Vor allem für die Grösse der Portion, die ich erhalten habe.» Wenigstens sei es fein gewesen, so der 17-Jährige. 

Sprüche und Reklamationen in Bezug auf die Preise gehen auch bei den Betreibenden und den Mitarbeitenden der Essensstände ein. «Es kommt immer wieder vor, dass Personen die Höhe der Preise kommentieren», erzählt Rodrigo, der am Weihnachtsdorf Tacos verkauft. Zu ihnen sage er jeweils bloss: «Willkommen in Zürich. Hier sind gute Mahlzeiten nun einmal teuer». Ein Grund dafür, warum seine Tacos ihren Preis haben, seien die hohen Standmieten. «Für die Betreibenden sind die Essensstände eine Investition.» Die Mieten seien teuer. «Am Weihnachtsdorf kann man aber gut Geld verdienen und Profit machen, darum lohnt es sich.» Dem stimmt auch eine Kaiserschmarrn-Verkäuferin zu. «Das Geschäft ist für uns auf jeden Fall rentabel.» Street-Food sei oftmals teuer, sagt sie. «In Zürich sind die Leute aber bereit, dafür auch mal etwas mehr zu bezahlen.»

Standmiete ist abhängig von Grösse und Umsatz

Katja Weber, Mitorganisatorin des Zürcher Weihnachtsdorfes, zeigt sich über die Kritik der hohen Essenspreise verwundert. «Die Stände produzieren Speisen aus lokalen Produkten, das hat seinen Preis.» Für die gebotene Qualität sei das Essen nicht zu teuer, findet Weber. Auch die Platzmieten seien für die zentrale Lage angemessen. «Wir haben unsere Mieten seit dem ersten Weihnachtsdorf vor sieben Jahren nicht erhöht.»

Den Organisatorinnen und Organisatoren sei es wichtig, dass auch kleine Betreibende sich einen Stand leisten können. «Wir arbeiten deshalb mit einem Konzept der Kosten-Umsatzmieten. Die Stände werden wöchentlich für einen fixen Betrag, der von der Grösse und Art des Standes abhängig ist, vermietet.» Die Mietpreise steigen, je näher die Festtage rücken. Grundsätzlich seien sie aber erschwinglich und werden erst nach dem Erreichen eines gewissen Umsatzes erhöht, so Weber. 

Für die Nutzung des Sechseläutenplatzes müsse die Organisatorin, die «Schöne Bescherung AG», eine Pauschalmiete pro genutzten Quadratmetern bezahlen. Darüber, wie hoch diese Kosten sind, will Weber keine Angaben machen.

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