Freundin aus den USA - «Um unsere Beziehung zu beweisen, zeigen wir den Behörden Insta-Fotos»
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Freundin aus den USA«Um unsere Beziehung zu beweisen, zeigen wir den Behörden Insta-Fotos»

Binationale Paare müssen den Schweizer Behörden detailliert aufzeigen, dass sie wirklich zusammen sind – wie Paolo (24) und seine Freundin Dini (22) aus den USA damit umgehen.

von
Noah Knüsel
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Personen aus Staaten, die nicht in der EU oder im Schengen-Raum sind, dürfen im Moment nur «in Fällen äusserster Notwendigkeit» in die Schweiz einreisen. Ausnahmen werden für unverheiratete Paare wie Dini und Paolo gemacht. 

Personen aus Staaten, die nicht in der EU oder im Schengen-Raum sind, dürfen im Moment nur «in Fällen äusserster Notwendigkeit» in die Schweiz einreisen. Ausnahmen werden für unverheiratete Paare wie Dini und Paolo gemacht.

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Diese müssen den Behörden aber sehr private Einblicke geben: Als Nachweis für die Beziehung könnten etwa Social-Media-Verläufe, Fotos oder E-Mails gezeigt werden, wie es auf der Website des Staatssekretariats für Migration (SEM) heisst.

Diese müssen den Behörden aber sehr private Einblicke geben: Als Nachweis für die Beziehung könnten etwa Social-Media-Verläufe, Fotos oder E-Mails gezeigt werden, wie es auf der Website des Staatssekretariats für Migration (SEM) heisst.

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Paolo ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, Dini lebt im Nordosten der USA. Kennengelernt haben sich die beiden in einem Austauschsemester in Italien. Fast ein Jahr haben sie sich nicht mehr gesehen.

Paolo ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, Dini lebt im Nordosten der USA. Kennengelernt haben sich die beiden in einem Austauschsemester in Italien. Fast ein Jahr haben sie sich nicht mehr gesehen.

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Darum gehts

  • Die Pandemie hat viele binationale Paare getrennt.

  • Das Wiedersehen ist mit Hürden verbunden – wie bei Paolo und Dini aus der Schweiz und den USA.

  • «Weil meine Freundin nicht als Touristin einreisen darf, müssen wir den Schweizer Behörden beweisen, dass wir wirklich ein Paar sind», sagt Paolo.

  • Das machen sie unter anderem mit Insta-Fotos.

  • Bei den Behörden heisst es: «Mögliche Lockerungen für die Einreise von Personen aus Drittstaaten in den Schengen-Raum werden derzeit in der Schweiz und in Europa intensiv geprüft.»

In der Schweiz kehrt mit dem Fortschreiten der Impfkampagne immer mehr Normalität zurück. Für Personen von ausserhalb Europas gelten aber noch immer strenge Einreisebeschränkungen (siehe Box). Ausnahmen gibt es nur wenige – zum Beispiel für unverheiratete Paare. Die müssen den Behörden aber sehr private Einblicke geben: Als Nachweis für die Beziehung könnten etwa Social-Media-Verläufe, Fotos oder E-Mails gezeigt werden, wie es auf der Website des Staatssekretariats für Migration (SEM) heisst.

Davon betroffen sind auch Paolo (24) und Dini (22). Er ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen, sie lebt im Nordosten der USA. Kennengelernt haben sich die beiden in einem Austauschsemester in Italien. Fast ein Jahr haben sie sich nicht mehr gesehen.

Insta-Fotos und offizielles Einladungsschreiben

Anfang Juni wollen sich die beiden in der Schweiz endlich wiedersehen. Davor gibt es aber noch einige Hürden: «Weil meine Freundin nicht als Touristin einreisen darf, müssen wir den Schweizer Behörden beweisen, dass wir wirklich ein Paar sind», sagt Paolo.

Dafür hätten sie verschiedene Unterlagen vorbereiten müssen, so der 24-Jährige. Zum Beispiel hätten sie dokumentieren müssen, dass schon mindestens ein physisches Treffen stattgefunden hat und die Beziehung bereits seit längerer Zeit besteht: «Wie von den Behörden vorgeschlagen, zeigen wir ihnen das mit Insta-Fotos.» Zudem habe er ein offizielles Einladungsschreiben verfasst.

«Mittlerweile überwiegt die Vorfreude»

Paolo selbst findet das Bereitstellen all dieser Dokumente zwar aufwändig, hat aber auch Verständnis für die Behörden: «Irgendwie müssen sie die geltenden Regeln ja überprüfen.» In erster Linie sei er dankbar, dass die Schweiz die Einreise seiner Freundin zumindest unter Auflagen erlaubt: «Viele Länder lassen gar niemanden rein. Ich könnte Dini zum Beispiel nicht in den USA besuchen.»

Seit mehreren Wochen bereitet das Paar nun das Wiedersehen vor. «Ich hatte lange Angst, dass noch irgendetwas dazwischen kommt und es doch nicht klappt», sagt Paolo. «Mittlerweile überwiegt aber die Vorfreude.»

Diese Einreisebeschränkungen gelten in der Schweiz

Bürgerinnen und Bürger von Drittstaaten - also Ländern, die weder der EU noch dem Schengen-Raum angehören - dürfen derzeit nur «in Fällen äusserster Notwendigkeit» in die Schweiz einreisen, wie es auf der SEM-Website heisst. Ausnahmen werden zum Beispiel für unverheiratete Paare gemacht, von denen eine Person in der Schweiz lebt. Die müssen aber beweisen, dass sie eine ernsthafte Beziehung führen: Die Behörden verlangen einen Nachweis, dass die Beziehung bereits für einige Zeit besteht und dass mindestens ein physisches Treffen stattgefunden hat. Zudem braucht es einen formellen Einladungsbrief in die Schweiz und eine von beiden unterschriebene Bestätigung, dass sie zusammen sind.

Für Bürgerinnen und Bürger einiger weniger Drittstaaten gelten die Einreisebeschränkungen allerdings nicht, etwa Thailand oder Australien. Die Risikoliste für Drittstaaten wird gemäss dem SEM nach den Empfehlungen der EU geführt. Deren Kriterien beinhalten etwa die Gesamtzahl der in den letzten 14 Tagen neu gemeldeten Fälle in einem Land. Pro 100’000 Einwohner darf diese nicht mehr als 25 betragen.

Auf Anfrage sagt SEM-Sprecher Lukas Rieder, dass sich die jetzige Lösung sehr gut bewährt habe. Wie lange die geltenden Regeln noch Bestand haben, kann er nicht sagen. Aber: «Mögliche Lockerungen für die Einreise von Personen aus Drittstaaten in den Schengen-Raum werden derzeit in der Schweiz und in Europa intensiv geprüft.»

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