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ReaktionenUmbaupläne der Credit Suisse stossen auf Skepsis

Die CS will ihre Schweizer Bank abspalten und an die Börse bringen. Den Anlegern bleiben die Pläne zu ungewiss, die Angestellten zittern um ihren Job.

von
Isabel Strassheim

Der neue Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam nimmt einen historischen Schnitt vor: Er will das Herz der Grossbank ausgliedern und die Schweizer Universalbank bis 2017 als eigenständige Einheit an die Börse bringen. Ein Mehrheitsanteil von bis zu 80 Prozent bleibt zwar beim Konzern. Aber Ziel ist die Schaffung einer unabhängigen, nationalen Bank, die an die alte Schweizerische Kreditanstalt (SKA) erinnert. Die globale Grossbank setzt damit ihr lokales Standbein frei, das zwar stabil und rentabel ist, aber wenig Wachstum bringt. Sie hofft, durch den Börsengang zwischen zwei und vier Milliarden Franken zu erzielen.

Damit auch die Schweizer Credit Suisse wachsen kann, kündigte Thiam Zukäufe an. Gerade kleinere Schweizer Privatbanken leiden unter den Kosten für die neuen gesetzlichen Anforderungen. «Mit der neuen Credit Suisse gibt es bald einen Player, der in einigen Jahren auch grössere Summen für die Übernahme von Schweizer Privatbanken investieren kann», sagt Andreas Brun, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, zu 20 Minuten.

Aktie sackt ab

Für die Anleger blieb der Ausblick für den gesamten Konzern allerdings zu ungewiss. Die Aktie sackte ab und schloss 3,6 Prozent im Minus.«Die neue Strategie stützt sehr stark auf zukünftiges Ertragswachtum ab, das erst in einigen Jahren sichtbar wird – das muss man zuerst in diesem Umfang glauben», sagt Brun.

Gewiss ist, dass der frühere McKinsey-Mann Thiam eine neue Stellenkürzungswelle bei der Grossbank einleitet: In der Schweiz sollen innerhalb von drei Jahren 1600 Jobs entfallen. Das heisst, fast jede zehnte Stelle ist in Gefahr. Statt durch Kündigungen soll das über normale Abgänge erfolgen, die nicht wiederbesetzt werden. «Wir veranstalten also kein Blutbad», sagte Thiam.

Sein Ziel ist, 3,5 Milliarden Franken zu sparen.

Zittern um den Job

Laut dem Schweizer Bankenpersonalverband dürfte es jedoch kaum ohne Entlassungen gehen.«Der Abbau der 1600 Stellen durch natürliche Fluktuation ist zwar theoretisch möglich. Die Erfahrung zeigt aber, dass es doch immer zu Kündigungen kommt», sagt Verbands-Direktorin Denise Chervet zu 20 Minuten. Bereits in den letzten zwei Jahren baute die Credit Suisse in der Schweiz 2300 Stellen ab. «Die erneute Reduktion sorgt für grosse Verunsicherung beim Personal», so Chervet.

Das dürfte auch in London der Fall sein. Dort will die Credit Suisse 1800 ihrer Stellen streichen, um sie ins billigere Indien oder nach Polen zu verlagern.

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