Aktualisiert 13.08.2009 22:59

Thurgauer OrtsnamenUmbenennungen werden gestoppt

Die heftige Kritik im Thurgau an der «mundartnahen» Umbenennung von Flurnamen zeigt Wirkung: Das Volkswirtschaftsdepartement (DIV) hat die Umbenennung bis Frühling 2010 gestoppt. Zum weiteren Vorgehen soll bis dahin eine Kommission Vorschläge erarbeiten.

Der Marschhalt und die Einsetzung einer Arbeitsgruppe sei «aufgrund der massiven Kritik und des verbreiteten Unbehagens» angeordnet worden, teilte das DIV am Donnerstag mit. Die Arbeitsgruppe solle «die tatsächliche und rechtliche Situation» analysieren und darauf basierend das weitere Vorgehen empfehlen.

Regierungsrätliche Kehrtwende

Der Departementschef hoffe, damit einen breiteren Konsens über das weitere Vorgehen erreichen zu können. Noch vor einer Woche hatte der Regierungsrat in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, erklärt, das Projekt werde nicht gestoppt.

Es seien von rund 10'000 Flurnamen nur noch 500 nicht an die «mundartnahe» Schreibweise angepasst. Ein Stopp werte die bisher geleistete Arbeit ab.

In den regionalen Zeitungen war die Umbennenung in den letzten Wochen das Leserbriefthema Nummer 1 gewesen. Die Schreiberinnen und Schreiber kritisierten die Praxis, im Rahmen der amtlichen Vermessung bestehende Flurnamen neu «mundartnah» zu schreiben.

Der Thurgau hielt sich beim bisherigen Vorgehen an eine 1938 vom Bund erlassene, 2008 aber wieder aufgehobene Vorschrift, wonach Orts- und Flurnamen von geringer, lokaler Bedeutung «in Anlehnung an die ortsübliche Aussprache» geschrieben werden sollten.

Von Matzenrein zu Maazerooa

Diese neuen Schreibweisen wurden aber teilweise nur auf den Landeskarten beziehungsweise den kantonalen und örtlichen Planunterlagen vermerkt. Strassen- und Wegschilder blieben oft schriftdeutsch angeschrieben.

So wurde aus dem «Nollen» der «Nolen», aus «Rotbühl» wurde «Roopel», aus «Matzenrein» wurde «Maazerooa». Einheimische reklamieren, auch Generationen zurück, habe niemand diese Flurnamen so ausgesprochen. Teilweise seien die angeblich historischen Mundartbezeichnungen auch schlicht falsch.

Befürchtet wird auch, Hilfsdienste wie Feuerwehr oder Sanität könnten sich im Ernstfall verspäteten, weil unterschiedliche Schreibweisen in Karten und auf Wegweisern oder Strassenschildern und in GPS-Systemen auftauchten. (sda)

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