Aktualisiert 06.02.2008 22:39

Umfrage: Schlüpfrige Angebote werden oft genutzt

Dass Angestellte in Unternehmen und Behörden sich persönliche Vorteile durch sexuelle Handlungen mit Vorgesetzten und Kollegen verschaffen, sind keine Einzelfälle. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von 20minuten.ch.

Immer wieder werden prekäre Fälle aus dem Arbeitsleben bekannt, in denen sexuelle Zuwendungen gegen bestimmte Gegenleistungen gefordert werden. Jüngstes Beispiel ist ein Jura-Professor in Hannover, der Studentinnen gegen Sex zu einem Uni-Abschluss verholfen haben soll. Die Vermutung liegt nahe, dass in der Praxis solche unmoralischen Angebote viel häufiger vorkommen als vermutet. 20minuten.ch wollte es genau wissen und startete eine grosse Umfrage zu diesem Thema.

«Zum Sextat bitte!»

Wenngleich kein Eisberg unter der Spitze schlummert, zeigen die Ergebnisse, dass es dennoch keine Ausnahmefälle sind. Immerhin von 35 Prozent der Frauen wurde schon einmal Sex als Gegenleistung für eine bestimmte Gefälligkeit gefordert. Fast einem Viertel der Umfrageteilnehmerinnen wurde ein solch eindeutiges Angebot sogar schon häufiger unterbreitet. Bei den Männern hingegen sahen sich nur 17 Prozent mit einer pikanten Offerte der kuscheligen Art konfrontiert. Etwa jeder zehnte war sogar schon öfter vor eine «Wenn Sie lieb sind, könnte ich da etwas machen»-Situation im Berufsleben gestellt.

Streichel-Faktor im Job

Wie die Umfrage weiter belegt, versuchen Frauen vor allem bei direkten Vorgesetzten oder bei Chefs mit sexuellen Handlungen beruflichen Nutzen zu ziehen. Männer hingegen probieren öfter bei Kolleginnen durch körperliche Zuwendungen Profit zu ziehen. Lehrerinnen und Lehrer sind ebenfalls ein beliebtes Ziel für schlüpfrige Angebote. Interessanterweise unterbreiten aber auch bis dahin unbekannte Personen eines Unternehmens gewisse Vorteile gegen Streicheleinheiten.

Von Reue keine Spur

Rund Dreiviertel derjenigen, die sich in körperlicher Form erkenntlich gezeigt haben, würden dies jederzeit wieder tun. Der Grund dafür könnten die positiven Erfahrungen aus der Handlung sein. Lediglich für jeden Zwanzigsten ging die Rechnung persönliche Vorteile gegen Sex nicht auf. Lediglich einer von zehn bereut es, für eine Verbesserung im Job den Umweg übers Bett gewählt zu haben. Über 70 Prozent hingegen sehen sich durch den Erfolg gestärkt und sehen auch Zärtlichkeiten mit Geschäftspartnern als zweckheiliges Mittel.

Nicht ohne Konsequenzen

Auch wenn über solche Deals meist der Deckmantel des Schweigens gehüllt wird, haben sie für jeden Zehnten dennoch negative Folgen. Paradoxerweise hat dann derjenige, der körperliche Zuwendung anbietet, oft mit schlimmeren Folgen zu rechnen, als der Empfänger der Zärtlichkeiten. Unmoralische Angebote im Berufsleben bleiben also ein Spiel mit dem Feuer. Wenn der Fall auffliegt, hat dies oft enorm unangenehme Folgen bis hin zum Verlust des Jobs und nicht selten auch rechtliche Konsequenzen.

Olaf Kunz, 20minuten.ch

An der Umfrage haben sich bis Dienstag, 5. Februar (11.20 Uhr), insgesamt 5.337 Web-Nutzer beteiligt. Davon 4.141 Männer und 1.196 Frauen. Start der nicht repräsentativen Umfrage war der 31. Januar.

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