Aktualisiert 27.03.2020 06:12

Befragung in der Schweiz

Umgang mit Krise – miese Note für die Bevölkerung

Ein Stimmungsbarometer fühlt in der Krisenzeit den Puls der Bevölkerung. Ungenügend bewertet wird das Verhalten der Bevölkerung, das Gesundheitswesen bekommt dagegen Bestnoten.

von
mig
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Ein Stimmungsbarometer fühlt in der Krisenzeit den Puls der Bevölkerung. Ungenügend bewertet wird derzeit das Verhalten der Bevölkerung. Dieses Bild vom Zürcher Seebecken stammt vom 18. März, zwei Tage nachdem der Bundesrat den nationalen Notstand erklärt hatte.

Ein Stimmungsbarometer fühlt in der Krisenzeit den Puls der Bevölkerung. Ungenügend bewertet wird derzeit das Verhalten der Bevölkerung. Dieses Bild vom Zürcher Seebecken stammt vom 18. März, zwei Tage nachdem der Bundesrat den nationalen Notstand erklärt hatte.

Keystone/Alexandra Wey
Besonders gut weg kommt in der Befragung von Comparis und Marketagent das Gesundheitswesen.

Besonders gut weg kommt in der Befragung von Comparis und Marketagent das Gesundheitswesen.

comparis.ch
Ebenfalls positiv wird das Verhalten in der eigenen Familie bewertet.

Ebenfalls positiv wird das Verhalten in der eigenen Familie bewertet.

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In der Zeit der Corona-Krise haben der Online-Vergleichsdienst Comparis und das Marktforschungsinstitut Marketagent einen ersten Stimmungsbarometer veröffentlicht. Dazu wurden Personen in der gesamten Schweiz über das Krisenmanagement von verschiedenen Akteuren befragt. Darunter etwa die Regierung, das Gesundheitswesen, die eigene Familie oder Finanzakteure. Vergeben wurden in der repräsentativen Befragung Noten von 1-6 (siehe Box).

Gesundheitswesen mit Bestnote

Oben hinaus schwingt beim ersten Stimmungsbarometer das Gesundheitswesen mit einem Durchschnittswert von 5,27, wie es in einer Medienmitteilung von Comparis heisst. Über 80 Prozent der Befragten würden die Massnahmen der Akteure im Gesundheitswesen als gut bis sehr gut bewerten. Für Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte bei Comparis ist das kein unerwartetes Ergebnis. Er sagt: «Unser Gesundheitswesen schneidet in Umfragen abgesehen von den hohen Krankenkassenprämien seit Jahren gut ab. Ich bin zuversichtlich, dass die Noten in der Krise noch besser werden. Das wird den Gesundheitspolitikern mit dem Kostenröhrenblick hoffentlich zu denken geben.»

Knapp dahinter folgt die eigene Familie mit einer Note von 5,17, heisst es weiter. Trotz Zerreissproben durch Schulschliessungen oder Homeoffice halten die Familien zusammen. Für Liane Nagengast, Senior Researcherin bei Marketagent, ist diese Note ein Zeichen, dass sich die Familien in der schwierigen Situation zusammengerauft haben, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Regierung landet im Mittelfeld

Die Regierung bekommt von der Bevölkerung im Stimmungsbarometer mit 4,4 eine mittelmässige Note. Nur knapp über die Hälfte findet die Krisenbewältigung durch die Regierung aktuell für gut bis sehr gut. Fast jeder Zehnte hält die getroffenen Massnahmen dagegen für ungenügend bis schwach. Besonders schlecht weg kommt die Regierung bei den Tessinern und den Welschen.

Schneuwly zeigt sich überrascht: «Angesichts der schnellen und unbürokratischen Hilfe für die Firmen, Angestellten und Selbständigerwerbenden ist das schwer verständlich.» Offensichtlich würden die Einschränkungen an der Wirtschaftstätigkeit und der persönlichen Freiheit als einschneidend empfunden, meint er.

Jeder Zehnte gibt Mitbürgern schlechte Note

Besonders kritisch sind die Befragten mit dem Verhalten der Bevölkerung in der Schweiz, wie die Note von 3,76 zeigt. Das sei wohl ein Zeichen dafür, dass viele mit den verordneten Massnahmen des Bundes nicht klar kommen, meinen die Autoren des Stimmungsbarometer. Mehr als jeder Zehnte gibt den Mitbürgern die Note 1 oder 2. Dabei geben die 16- bis 19-Jährigen im Durchschnitt die schlechtesten Noten. «Das hat wohl damit zu tun, dass sich noch immer viele ältere Personen, also jene mit dem höchsten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, im öffentlichen Raum und in den Supermärkten bewegen», glaubt Schneuwly.

Comparis und Marketagent führen solche Befragungen auch in den nächsten Wochen durch. Es soll wöchentlich ein Stimmungsbarometer erscheinen.

Methodik

Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut Marketagent im Auftrag von comparis.ch vom 23. bis 25. März 2020 unter 1'002 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt. Die Befragten wurden gebeten, die Massnahmen der Akteure zu benoten von 1 (schwach) bis 6 (sehr gut).

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