Zirkus in Aesch: Umstrittene Löwen-Nummer in der Manege
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Zirkus in AeschUmstrittene Löwen-Nummer in der Manege

An der Raubtier-Show des Zirkus Gasser-Olympia scheiden sich die Geister. Während der Löwen-Dompteur auf seine artgerechte Haltung verweist, laufen Tierschützer Sturm.

von
jd

Der Zirkus Gasser-Olympia hat zurzeit seine Zelte in Aesch aufgeschlagen und sorgt schon vor der Premiere am Mittwoch für Gesprächsstoff. Grund dafür ist die fünfköpfige Löwenfamilie rund um das männliche Oberhaupt Kalif, die das Publikum in der Vorweihnachtszeit unterhalten soll. Wildtiere, die auf Kommando Kunststücke vorführen, sind im vergangenen Jahrzehnt von den Bühnen der Schweizer Zirkus-Veranstaltungen weitgehend verschwunden. Wiederkehrende Forderungen nach einer artgerechten Haltung von Seiten der Tierschützer und Vorwürfe der Quälerei hatten ihre Wirkung nicht verfehlt.

Anders sieht es beim Zirkus Gasser-Olympia aus, wo noch immer Raubtiershows geboten werden. «Es gibt immer schwarze Schafe, die ein schlechtes Licht auf das Business werfen», sagt Löwen-Dompteur Dominikus Gasser. Seine Tiere seien sein Ein und Alles, seine Familienmitglieder, für die er sorge und die ihn fast noch besser kennen als er sie. «Sie haben hier mehr Platz, als gesetzlich verlangt wird, und sind sich den Zirkus-Alltag seit Welpen-Tagen gewohnt», erzählt der 29-Jährige, der seit seinem 17. Lebensjahr mit den Raubtieren arbeitet. Er gehört bereits zur dritten Generation, bei der sich alles um die wilden Katzen dreht. «Ich bin da hineingewachsen. Eigentlich hatte ich gar keine andere Wahl», sagt Gasser, der in Basel geboren wurde und seither im Zirkuswagen durch Europa tuckert, mit einem Lachen.

Vorlieben der Löwen fördern

Immer auf Reisen mit dabei sind die 14-jährigen Kalif, Tara und Clarence sowie die 7-jährigen Schwestern Pepsi und Cola. «Alle haben einen ganz eigenen Charakter und unterschiedliche Talente», erzählt er. Zu Beginn der tierischen Karriere würde er die Löwen beobachten, bis sich heraus kristallisiert, wo ihre verborgenen Talente liegen. Dort würde er anknüpfen und diese Vorlieben fördern.

Doch nicht alle können die Förderung der Raubkatzen gutheissen: «Wildtiere haben im Zirkus nichts zu suchen. Solche Nummern sind Schnee von gestern», schimpft Hans-Ulrich Huber Geschäftsführer vom Schweizer Tierschutz. Das Umfeld würde den Tieren nicht gerecht werden. So seien etwa die gesetzlich festgelegten 80 Quadratmeter Aussengehege ein absoluter Blödsinn. «Dem einen oder anderen dummen Zuschauer, der sich in den Zirkus verläuft, sollte einfach bewusst sein, dass dies nichts mit Tierliebe zu tun hat. Es ist ein Armutszeugnis», wettert Huber.

«Knie seit elf Jahren ohne Raubtiere unterwegs»

Seit elf Jahren führt der Circus Knie keine Raubtiere mehr mit. «Mit dem grossen Platzbedarf von Raubtieren und dem vielfach beschränkten Platzangebote vor Ort wäre eine optimale Haltung mit grossem Freigehege und entsprechenden Beschäftigungsmöglichkeiten nur an fünf oder sechs der rund 40 jährlichen Gastspielorte möglich», begründet Fredy Knie Junior.

Der Zirkus Gasser-Olympia gastiert vom 18. November bis 20. Dezember in Aesch auf dem Parkplatz Löhrenacker.

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