29.06.2020 08:34

Millionen gefordert

Umstrittener Forscher verspricht Corona-Impfstoff bis Dezember

Martin Bachmann hat schon viele Heilmittelversprechen gemacht und sie nicht eingelöst. Nun will der Professor für Immunologie einen Impfstoff gegen das Coronavirus liefern.

von
Katja Fässler
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Lanciert seit Jahren immer wieder neue Impfprojekte: Professor Martin Bachmann, Universität Bern.

Lanciert seit Jahren immer wieder neue Impfprojekte: Professor Martin Bachmann, Universität Bern.

REUTERS
Die Covid-19-Impfung ist Bachmanns bisher weitreichendstes und ambitioniertestes Versprechen.

Die Covid-19-Impfung ist Bachmanns bisher weitreichendstes und ambitioniertestes Versprechen.

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Die Aufmerksamkeit in dem Rennen um einen Corona-Impfstoff ist global und der Notstand akut. (Symbolbild)

Die Aufmerksamkeit in dem Rennen um einen Corona-Impfstoff ist global und der Notstand akut. (Symbolbild)

KEYSTONE

Darum gehts

  • Martin Bachmann, Professor für Immunologie an der Universität Bern, verspricht seit Jahren Lösungen für viele Krankheiten.
  • Sein aktuelles, ambitiöses Ziel ist ein Corona-Impfstoff.
  • Dafür fordert er finanzielle Unterstützung – auch vom Bund.

Der Berner Immunologe Martin Bachmann schürte bereits im April während des Höhepunktes der Corona-Krise grosse Hoffnungen bei der Schweizer Bevölkerung. In diversen Medien verkündete er, bis im Herbst das ganze Land mit einem Corona-Impfstoff versorgen zu können. Der Haken dabei: Der 52-Jährige hatte schon mehrmals grosse Versprechen gemacht – und sie dann nicht eingelöst. So sagte er etwa im Jahr 2006 gegenüber dem «Blick», dass es in fünf Jahren eine Impfung gegen Alzheimer gäbe. Stattdessen verkündete die Firma Cytos, deren Geschäftsleitungsmitglied Bachmann bis im Jahr 2012 war, andere, neue Forschungsprojekte etwa im Kampf gegen Krebs oder Diabetes. Nichts davon schaffte bis heute den Durchbruch.

Doch dies allein ist Forschung, und dazu gehört auch das Scheitern. Richtig brisant wird es um den Immunologen als er 2016 – mittlerweile war er Professor für Immunologie an der Universität Bern – wegen mehrfachen Insiderhandels angeklagt wurde, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet (Artikel kostenpflichtig). Bachmann erhielt eine bedingte Geldstrafe von 84’000 Franken und musste wegen eines unrechtmässigen Vermögensvorteils 55’903 Franken an die Eidgenossenschaft bezahlen. Heute gestehe er seine Fehler ein und bedauere diese, heisst es weiter.

Fördergelder in Millionenhöhe

Mit seinen Aussagen über den Corona-Impfstoff erweckt Bachmann nun aber neue Zweifel. Doch sein Timing ist gut. In der Notlage ist auch die USZ Foundation, die Stiftung des Universitätsspitals Zürich, bereit, Bachmanns Forschung finanziell zu unterstützen. Ziel sei es, bei Förderpartnern für die Impfstoffentwicklung 100 Millionen Franken zu sichern, für das ganze Projekt, bis hin zur Produktion.

Aber auch vom Bund will Bachmann Gelder einfordern, wodurch letztlich auch der Steuerzahler für seine ambitiösen Versprechen aufkommt. Bereits ist er jedoch von seinem im April angekündigten Kurs etwas abgewichen. Statt Herbst stellt er nun den Winter für die Lancierung des Impfstoffes in Aussicht. Auf Anfrage des «Tages-Anzeigers» sagt der Immunologe: «Wir gehen davon aus, dass wir den Impfstoff im Dezember zur Verfügung haben werden.» Die bisherigen Daten würden sehr vielversprechend aussehen.

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