Aktualisiert 29.04.2008 15:50

UN befürchten massive Hunger-Unruhen

Angesichts der derzeitigen weltweiten Lebensmittelkrise haben die Vereinten Nationen vor «sozialen Unruhen von noch nie dagewesenem Ausmass» gewarnt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte heute nach Beratungen mit den Leitern mehrerer UN-Organisationen in Bern an, persönlich eine Sonderarbeitsgruppe der Vereinten Nationen zur globalen Nahrungsmittelkrise zu leiten. «Die erste und unmittelbarste Priorität besteht darin, dass wir den Hungernden zu essen geben», sagte er.

Vordringlich sei dabei die Beschaffung von 755 Millionen Dollar, die das Welternährungsprogramm (WFP) benötige, erklärte Ban. Es müsse aber mehr getan werden, als den Menschen in Not Lebensmittel zur Verfügung zu stellen, wie dies bei früheren Krisen der Fall gewesen sei. «Wir müssen auch die Nahrung von Morgen garantieren», erklärte Ban. Im Zuge der beschlossenen Massnahmen wolle die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Bauern in den ärmsten Ländern der Welt für 1,7 Milliarden Dollar Saatgut zur Verfügung stellen.

«Wir müssen alles tun, um diesen Bauern zu helfen», sagte Ban. Er hoffe, dass die Führer der Welt auf einem Treffen im Juni in Rom Wege fänden, um die Krise anzugehen. Leider habe die internationale Gemeinschaft frühere Warnungen der FAO und anderer missachtet. «Dieses Mal werden die gesamten Vereinten Nationen diese Frage angehen», sagte Ban.

«Afrika ist kein verlorener Kontinent»

Es gebe zahlreiche Ursachen für die Krise, unter anderem seien dies auch der globale Klimawandel und längere Dürreperioden, sagte er. Ban zählte auch geändertes Verbraucherverhalten in grossen Entwicklungsländern sowie den Anbau von Feldfrüchten für die Gewinnung von Biotreibstoff dazu.

Ein besonderes Augenmerk müsse auf Afrika gerichtet werden, forderte Ban später bei einer Rede am europäischen UN-Sitz in Genf. Afrika könne schon in wenigen Jahren in der Lage sein, seine Nahrungsmittelproduktion zu verdoppeln. Dazu seien «relativ bescheidene acht bis zehn Millionen Dollar jährlich» nötig, sagte Ban. Und er fügte hinzu: «Tatsächlich ist Afrika alles andere als ein verlorener Kontinent».

FAO-Generaldirektor Jacques Diouf rief dazu auf, auch die Chancen der aktuellen Nahrungsmittelkrise zu sehen und die Landwirtschaft umzubauen, um künftig eine derartige Krise zu vermeiden. Er sprach sich unter anderem für eine Förderung der Kleinbauern aus. Sie müssten besseren Zugang zu Land und Wasserressourcen sowie Saatgut haben. Damit könnten sie ihre Ernteerträge und zugleich ihr Einkommen verbessern. Von der erhöhten Produktion würden am Ende auch die Verbraucher profitieren.

100 Millionen Menschen in die Armut getrieben

Weltbank-Präsident Robert Zoellick, der auch an dem Treffen in Bern teilnahm, erklärte, rund 100 Millionen Menschen seien in den vergangenen beiden Jahren in die Armut getrieben worden. «Das ist keine Naturkatastrophe», sagte Zoellick. Dem WFP seien zwar schon 475 Millionen Dollar zugesagt worden, die Organisation brauche aber noch mehr Geld. «Diese Krise ist auch dann noch nicht vorbei, wenn die Nothilfe geleistet wurde.» (dapd)

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