Aktualisiert 23.05.2010 15:40

Nahost

UN-Kinderlager in Gaza zerstört

Eine Gruppe von rund 30 bewaffneten und maskierten Männern hat im Gazastreifen ein UN-Sommerlager für Kinder verwüstet.

Ein Palästinenser inspiziert das zerstörte UNO-Kinderlager am Meer bei Gaza Stadt.

Ein Palästinenser inspiziert das zerstörte UNO-Kinderlager am Meer bei Gaza Stadt.

Die Angreifer auf das Kinderlager hätten am Sonntag das Wachpersonal gefesselt, Zelte in Brand gesteckt und die sanitären Anlagen zerstört, sagte John Ging, der Leiter des UN-Hilfswerks für die Palästinenser (UNRWA) im Gazastreifen. Die Täter liessen demnach drei Kugeln und einen Drohbrief zurück, in dem sie mit der Ermordung von UN-Mitarbeitern drohten, sollten die Vereinten Nationen nicht auf ihr Programm für die rund 250 000 Kinder und Jugendlichen im Gazastreifen verzichten.

Zu dem Überfall bekannte sich zunächst niemand. Der Verdacht fiel auf Extremisten, die die Camps als unislamisch ablehnen. Die radikalislamische Hamas hat selbst ähnliche Ferienlager organisiert. Die von ihr geführte Regierung im Gazastreifen verurteilte den Überfall und kündigte eine Verfolgung der Täter an.

Das überfallene UN-Sommerlager liegt an der Küste nahe der Stadt Gaza. Die Vereinten Nationen betreiben laut Ging mehr als 140 derartige Camps für palästinensische Kinder und Jugendliche. Ihnen würden dort in den Sommermonaten sportliche und handwerkliche Aktivitäten angeboten. Die Schäden in dem verwüsteten Lager würden repariert, und alle Camps Camps würden wie geplant am 12. Juni geöffnet werden, sagte der UNWRA-Leiter.

UN-Bericht zu Gebäudeschäden nach Gaza-Krieg

Wie aus einem UN-Bericht hervorgeht, sind fast eineinhalb Jahre nach dem Gaza-Krieg noch immer drei Viertel der zerstörten Gebäude nicht wieder aufgebaut oder instandgesetzt. Mit Hilfe von Trümmern und eingeschmuggeltem Material hätten die Palästinenser bislang lediglich Arbeiten im Umfang von umgerechnet knapp 200 Millionen Franken ausführen können, teilte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) am Sonntag mit.

Israel verhindert die Einfuhr von Baumaterial in den Gazastreifen und will damit nach eigenen Angaben unterbinden, dass es von der Hamas für militärische Zwecke genutzt wird. Weil die UN keine Schmuggelware kaufen, können sie den Wiederaufbau im Gazastreifen kaum unterstützen. (dapd)

Israel verschärft Haft für Hamas-Gefangene

Israel hat die Haftbedingungen für Angehörige der radikal-islamischen Hamas in seinen Gefängnissen verschärft. Ein Kabinettsausschuss beschloss am Sonntag in Jerusalem einen Katalog entsprechender Vorschläge, mit denen die Regierung den Druck auf die Hamas erhöhen will. Die islamistische Organisation soll nach dem Willen der Regierung die Gespräche zur Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit wieder aufnehmen. Er wird seit fast vier Jahren im von der Hamas kontrollierten Gazastreifen festgehalten.

Nach den neuen Regelungen dürfen Hamas-Häftlinge, denen «Sicherheitsvergehen» vorgeworfen werden, künftig keinen Besuch mehr bekommen - ausser von Anwälten und Mitarbeitern des Roten Kreuzes. Israels Beauftragter für die Verhandlungen um den Gefangenen- Austausch, Hagi Hadas, sagte im Armee-Radio, er gehe davon aus, dass die Hamas nach Umsetzung der Haftverschärfungen zu weiteren Zugeständnissen bereit ist.

Gilad Shalit war im Juni 2006 verschleppt worden. Die Hamas verlangt als Gegenleistung für seine Freilassung die Auslieferung von rund 1000 palästinensischen Gefangenen. (SDA)

Fehler gefunden?Jetzt melden.