Ex-Exkommunikation: Unbehagen im Baselbiet
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Ex-ExkommunikationUnbehagen im Baselbiet

Die Pastoralkonferenz Baselland ist entsetzt über den Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen. Die Ankündigung fiel fast auf den Holocaust-Gedenktag und den 50. Jahrestag des 2. Vatikanischen Konzils.

Der Vorstand der Pastoralkonferenz Baselland (PKV) und das Dekanat Liestal sind zwar für Aussöhnung. Im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalischen Bischöfen gebe es aber «Punkte, die wir so nicht akzeptieren können».

Unbehagen bereitet dem PKV und dem Dekanat beispielsweise der Zeitpunkt, wie einer am Samstag publizierten gemeinsamen Stellungnahme zu entnehmen ist: Auf den 27. Januar falle der Holocaust-Gedenktag, und am 25. Januar vor 50 Jahren habe Papst Johannes XXIII. das II. Vatikanische Konzil angekündigt.

Die Konzilstexte betonten die besondere Bedeutung, die angesichts der geschichtlichen Katastrophen dem Judentum zukomme. «Am 24. Januar 2009 wird die Exkommunikation von vier Bischöfen zurückgenommen, die für eine Kirche einstehen, die das II. Vatikanum in diesem Punkt und anderen wesentlichen Aussagen ablehnt.»

Fassungslos

Grössten Anstoss erregten «die antisemitischen Äusserungen» von Richard Williamson, gegen den eine offizielle Klage wegen Leugnung der Shoa läuft. Die Reaktionen der jüdischen Öffentlichkeit zeugten von tiefer Betroffenheit. «Die Beteuerung des Vatikans, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, macht uns fassungslos.»

Wenn es heisse, Papst Benedikt habe aus väterlicher Einfühlsamkeit gehandelt, dann müsse man sich fragen, wo diese Einfühlsamkeit zum Beispiel gegenüber den vielen ausgegrenzten und mit Redeverbot belegten Befreiungstheologen bleibe.

Vergeblich auf Einfühlsamkeit warteten auch die Opfer einer rigorosen kirchlichen Sexualmoral, die vielen wiederverheirateten Geschiedenen, die von den Sakramenten ausgeschlossen seien. «Oder wir denken an die Opfer einer perfiden Einflussnahme auf gesellschaftliche Emanzipationsprozesse, wie die gleichgeschlechtlich Liebenden und Lebenden.»

Die Stellungnahmen des Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz Kurt Koch werden vom PKV und dem Dekanat zwar begrüsst. «Zugleich fordern wir ihn auf, dem Papst das grosse Unbehagen unzähliger Gläubiger unmissverständlich weiterzuleiten.»

(sda)

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