«Dekadenz kennt keine Grenzen»: Unbekannte fälschen Werbeplakate von Kreuzfahrt-Anbieter MSC
Publiziert

«Dekadenz kennt keine Grenzen»Unbekannte fälschen Werbeplakate von Kreuzfahrt-Anbieter MSC

In der Stadt Bern tauchten über Nacht gefälschte Werbeplakate der Reederei MSC auf. Die Initianten haben Werbeflächen aufgeknackt und mit eigenen Plakaten versehen. Das Unternehmen hat Anzeige eingereicht.

1 / 4
News-Scout S. entdeckte dieses Plakat in Bern. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine normale Reklame. 

News-Scout S. entdeckte dieses Plakat in Bern. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine normale Reklame.

News-Scout
Das gewählte Bild machte den Leser stutzig .

Das gewählte Bild machte den Leser stutzig .

News-Scout
Als er sich den Text ansah, war ihm klar, dass etwas faul sein muss.

Als er sich den Text ansah, war ihm klar, dass etwas faul sein muss.

News-Scout

Darum gehts

  • In der Stadt Bern hingen seit Freitag gefälschte Werbeplakate des Kreuzfahrt-Unternehmens MSC.

  • Die Reklame mit unbegrenzter «Dekadenz» und «CO₂-Emissionen im Liveticker».

  • Die Urheber haben die Werbeflächen über Nacht aufgeknackt und mit eigenen Plakaten versehen. MSC hat Anzeige erstattet.

Als News-Scout S.* am Freitag auf dem Breitenrainplatz in Bern auf sein Tram wartete, fiel ihm ein aussergewöhnliches Werbeplakat auf. «Auf der Reklame war ein Kreuzfahrtschiff abgebildet, das massenweise schwarzen Rauch ausstiess. Es wirkte überhaupt nicht einladend», sagt der 25-Jährige. Als er das vermeintlich vom Kreuzfahrt-Unternehmen MSC stammende Plakat genauer unter die Lupe nahm, kam er ins Grübeln. «Der Text wirkte suspekt, ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmen so etwas ausstellt.» So wirbt die Reklame mit einer Skipiste an Deck, einem Sightseeing Simulator und CO₂- Emissionen, die im Liveticker verfolgt werden können. Nach einer kurzen Internetrecherche war dem Berner klar, dass es sich hier um eine gefälschtes Werbeplakat handeln muss.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt MSC, dass es sich um gefälschte Werbung handelt. «Die gefälschten Plakate wurden innerhalb von 24 Stunden wieder abgenommen. Sie hingen also nur für sehr kurze Zeit im Raum Bern an den Werbeflächen», sagt MSC-Sprecherin Julia Schütz. Unbekannte hätten diese geknackt: «Die Plakate waren nur aufgrund eines Einbruchs in die Werbeflächen sichtbar. Jetzt laufen die Ermittlungen, nachdem sowohl die Anbieter als auch wir Anzeige bei der Polizei erstattet haben.» Die Reederei mit Sitz in Genf zeigt sich über die Aktion verärgert: «Die Plakate waren so gestaltet, dass sie unsere sehr gute Umweltleistung völlig falsch dargestellt haben. Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt unseres Handelns.»

Illegale Nacht-und-Nebel-Aktion

Dass die Fälscher mit Liebe zum Detail arbeiteten, bestätigt Marketing-Experte Felix Murbach: «Die gefälschte Reklame sieht täuschend echt aus. Man muss wirklich zwei, drei Mal hinschauen, bis man merkt, dass es sich um eine eine Fake-Reklame handelt.» Nun stelle sich die Frage, wer hinter der Aktion steckt. «Oftmals werden solche Aktionen in einem zweiten Schritt aufgelöst», so Murbach. «Man kann aktuell nur mutmassen, ob es sich bei den Urhebern um Gegner von Kreuzfahrten in Zeiten der Pandemie handelt.»

Fest steht, dass sich die Unbekannten strafbar gemacht haben: «Wie jede private und juristische Person, kann MSC Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbwerb UWG einreichen», sagt Thomas Meier, Kommunikationsbeauftragter der Schweizerischen Lauterkeitskommission. «Für MSC könnte unter Umständen ein Imageschaden entstehen; das hängt jedoch wohl vor allem davon ab, ob sich der Fälscher zu erkennen gibt und wie MSC danach auf eine entsprechende Enthüllung reagiert – nimmt sie den «Angriff» sportlich oder humoristisch, oder reagiert das Unternehmen verbissen.» Dies könnte laut Meier unter Umständen Einfluss auf den Geschäftsverlauf von MSC haben, falls potentielle Kundinnen oder Kunden ihre Buchung stornieren oder gar nicht buchen, weil sie die Reaktion des Unternehmen nicht goutieren.

(RC, GCA)

Deine Meinung

43 Kommentare