Kanton Bern - Unbekannte klauen Rosenkranz vom Grab eines 25-Jährigen
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Ein Vater erzähltUnbekannte klauen Rosenkranz vom Grab eines 25-Jährigen

Auf einem Friedhof im Kanton Bern wird Grabschmuck von einem Gedenkstein abgeschnitten. Als der Vater des Verstorbenen sich umhört, erfährt er, dass das häufiger passiert.

von
Lucas Orellano
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Ein Vater berichtet, wie vom Grab seines Sohnes ein Rosenkranz gestohlen wurde. (Symbolbild)

Ein Vater berichtet, wie vom Grab seines Sohnes ein Rosenkranz gestohlen wurde. (Symbolbild)

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«Es kann nicht sein, dass die Stürme den Rosenkranz abgerissen haben», sagt der Vater zu 20 Minuten.(Symbolbild)

«Es kann nicht sein, dass die Stürme den Rosenkranz abgerissen haben», sagt der Vater zu 20 Minuten.(Symbolbild)

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Entdeckt hat den Verlust die Partnerin des Verstorbenen. (Symbolbild)

Entdeckt hat den Verlust die Partnerin des Verstorbenen. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Vom Gedenkstein eines verstorbenen jungen Mannes wird ein Rosenkranz gestohlen.

  • «Es war eines seiner Symbole», sagt der Vater. «Er hatte emotionalen Wert.»

  • Dass Grabschmuck gestohlen werde, komme immer wieder vor, sagt die zuständige Behörde.

Schwerer Regen prasselt auf ein Grab auf einem Friedhof im Kanton Bern nieder. Tropfen landen auf dem Gedenkstein und spritzen wieder in die Höhe. Hier ruht ein junger Mann, noch keine 25, als er vor wenigen Jahren starb. Doch etwas ist anders, und es ist nicht nur der unerbittliche Niederschlag im eigentlich wärmsten Monat des Jahres. Der Grabschmuck fehlt, abgeschnitten, gestohlen. Ein Rosenkranz aus Edelstahl, der dem Verstorbenen gehört hatte.

«Es kann nicht sein, dass die Stürme den Rosenkranz abgerissen haben», sagt der Vater zu 20 Minuten. «Das ist komplett ausgeschlossen. Der Kranz war verschraubt. Mein Sohn fuhr einen Abarth, das Auto war sein Ein und Alles und der Rosenkranz hing an seinem Rückspiegel. Er war nicht besonders religiös, aber es war eines seiner Symbole. Darum haben wir ihn nicht einfach auf den Stein gelegt oder ihn eingefasst, sondern mit zwei Hartplastikschrauben befestigt. Damit er frei hängen kann, wie wenn er noch im Auto wäre.»

«Ich wollte mich zusammennehmen, aber es ging nicht»

Nun sind die Schrauben durchgeschnitten und der Rosenkranz weg. Entdeckt hat den Verlust die Partnerin des Verstorbenen. «Meine Schwiegertochter», wie der Vater sagt. Obwohl sein Sohn und sie nicht verheiratet waren. Er starb zwei Tage vor dem geplanten Heiratsantrag.

Als ihn die Nachricht des Diebstahls erreicht, wird der Vater wütend. «Ich wollte mich zusammennehmen, aber es ging nicht. Wer stiehlt Schmuck von einem Grab?», sagt er. «Ich verstehe es einfach nicht. Das hat doch für alle Anderen ausser uns überhaupt keinen Wert.» In den darauffolgenden Tagen erfährt er, dass Diebstahl auf Friedhöfen häufiger ist, als er gedacht hätte.

«Was man mir erzählte, ist unglaublich», sagt er. «Gestohlen werden Blumen, Grabkerzen, Laternen, Schmuck, aber auch von Kindern bemalte Steine, die wirklich nur emotionalen Wert haben.»

Diebstähle passieren meist abends oder nachts

Dem zuständigen Leiter der Bauabteilung der Gemeinde ist der konkrete Fall bekannt. «Wir verurteilen solches Tun, zeugt der Diebstahl von Erinnerungsstücken oder liebevoll durch die Hinterbliebenen ausgesuchten Blumenschmuck von Unsensibilität und Respektlosigkeit», sagt er zu 20 Minuten. «Leider kommt es immer wieder mal vor, dass Blumen, Blumenschalen oder Grabschmuck entwendet werden.»

Dem könne die Bauabteilung als Betreiberin des Friedhofes nur bedingt entgegen wirken, da Diebstähle meist abends oder gar nachts erfolgen, wenn der Friedhof weitgehend leer ist. «Man kann nur hoffen, dass die Diebe ein schlechtes Gewissen gegenüber den Hinterbliebenen plagt und sie nicht wiederholt Dinge auf einem Friedhof entwenden», so der Leiter.

So oft Diebstähle auf Friedhöfen vorkommen können, so selten werden sie der Polizei gemeldet. «Bei den Meldungen, die uns in den letzten paar Jahren aus dem ganzen Kanton Bern im Zusammenhang mit Diebstählen von Grabschmuck erreicht haben, handelte es sich jeweils um Einzelfälle», sagt Mediensprecherin Jolanda Egger von der Kantonspolizei. «Auch aktuell stellen wir keine aussergewöhnliche Situation fest.»

Aber: «Diebstähle ab Gräbern auf öffentlich zugänglichen Friedhöfen können nie gänzlich ausgeschlossen werden», so Egger weiter. Sie rät dazu, keine allzu wertvollen oder in emotionaler Hinsicht wichtigen Gegenstände zu verwenden.

Der neue Rosenkranz soll bald hängen

Der betroffene Vater will trotz des verletzenden Diebstahls keine Kamera aufstellen. In der Zwischenzeit hat er einen neuen Rosenkranz bestellt. «Es ist nicht mehr seiner, natürlich ist das nicht ganz dasselbe», sagt er. «Aber immerhin.»

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