Scherzingen TG: Unbekannte sägen Blitzkasten-Attrappe ab
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Scherzingen TGUnbekannte sägen Blitzkasten-Attrappe ab

Anina Wulf-Moor wollte mit einem Vogelhäuschen, das aussieht wie ein Blitzkasten, für mehr Sicherheit auf der Dorfstrasse in Scherzingen sorgen. Das ging aber schief.

von
qll
Eine Blitzkasten-Attrappe, ähnlich wie dieser, stand bis vor Kurzem auch in Scherzingen TG.

Eine Blitzkasten-Attrappe, ähnlich wie dieser, stand bis vor Kurzem auch in Scherzingen TG.

«Es muss nachts zwischen 1 und 5 Uhr passiert sein», erzählt Anina Wulf-Moor, ehemalige SP-Kantonsrätin und dreifache Mutter. Und weiter: «Zu anderen Uhrzeiten ist es hier wegen der Strassenlaternen taghell. Ich glaube nicht, dass sich dann jemand so etwas getrauen würde.» Wulf-Moor wollte mit einer Blitzkasten-Attrappe etwas für die Verkehrssicherheit tun - genau diese Attrappe wurde allerdings in einer Nacht- Nebelaktion gestohlen, wie die «Thurgauer Zeitung» am Dienstag schreibt.

Nicht als Erziehungsmassnahme gedacht

Auf der Dorfstrasse in Scherzingen fahren die Autofahrer oft zu schnell. Die junge Familie Wulf, die in dieser Strasse wohnt, wollte die Autofahrer zum langsamen Fahren bewegen. Eine dieser unzähligen «Achtung Kinder!»-Tafeln vor ihrem Haus platzieren, wollte die Familie nicht. Eine neue Idee ist schnell gefunden: «Ich habe in Bommen ein Vogelhäuschen gesehen, das aussah wie ein Radarkasten. Ich trat sofort auf die Klötze und habe gemerkt: Es wirkt!», so Wulf-Moor.

Via eBay habe sie sich ein ähnliches Vogelhäuschen gekauft und vor ihrem Haus auf einem Holzpfahl montiert. «Unsere Absicht war, die Autofahrer mit einem Augenzwinkern dazu zu bewegen, langsamer zu fahren - viele machen das ja nicht absichtlich», erklärt Wulf-Moor gegenüber der «Thurgauer Zeitung». «Wir wollten aber sicher keine Verkehrserziehung machen.» Nachdem sie das Vogelhäuschen aufgestellt hatte, konnte Familie Wulf beobachten, wie Autofahrer vor ihrem Haus abbremsten. Die Blitzkasten-Attrappe erfüllte ihren Zweck bestens.

Mehrere Vorfälle in wenigen Tagen

Allerdings kam die Idee offenbar nicht bei allen gut an. Schon nach kurzer Zeit hat man den Blitzkasten samt Pfahl aus dem Boden gerissen und vor dem Haus liegen gelassen. «Das passierte an zwei Wochenenden nacheinander», erzählt Wulf-Moor. «Vor zwei Wochen kam dann nachts sogar jemand extra mit einer Säge vorbei und nahm das Vogelhäuschen gleich mit.» Wer es sein könnte, weiss sie nicht. Einen Streit vom Zaun brechen will sie deshalb nicht: «Wir werden kein neues Häuschen aufstellen. Jetzt gibt es halt doch eine ‹Achtung Kinder!›-Tafel.»

Auch der Kantonspolizei Thurgau ist die Dorfstrasse bekannt. Sie führte dort tatsächlich vermehrt Geschwindigkeitskontrollen durch, wie Mediensprecher Matthias Graf erklärt. Es wurden dabei erhebliche Tempoüberschreitungen festgestellt. Auch seien Blitzkasten-Attrappen legal, solange sie nicht blitzen und auf Privatgrund stehen.

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