Landwirt ist schockiert - Unbekannte schneiden Zaun durch und verursachen Tod von einem Hirsch
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Landwirt ist schockiertUnbekannte schneiden Zaun durch und verursachen Tod von einem Hirsch

Ein Schnitt im Zaun ihres Geheges verhalf Dutzenden Hirschen in Biessenhofen zur Flucht. Sie konnten wieder eingesammelt werden, ein Tier verstarb. Der Besitzer spricht von Glück im Unglück.

von
Shila Ochsner
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Bei einem Damhirschgehege von Martin Klingler haben Unbekannte einen Zaun durchschnitten.

Bei einem Damhirschgehege von Martin Klingler haben Unbekannte einen Zaun durchschnitten.

Martin Klingler
Rund 40 Tiere sind darauf aus dem Gehege gelaufen.

Rund 40 Tiere sind darauf aus dem Gehege gelaufen.

Martin Klingler
Ein Tier verstarb später, da es laut dem Landwirt nach der Rückkehr panisch war und gegen einen Zaunpfahl prallte.

Ein Tier verstarb später, da es laut dem Landwirt nach der Rückkehr panisch war und gegen einen Zaunpfahl prallte.

Martin Klingler

Darum gehts

  • Bei einem Damhirschgehege in Biessenhofen haben Unbekannte kürzlich einen Zaun durchschnitten.

  • Zirka die Hälfe der 84 Tiere von Martin Klingler sind dadurch ausgebrochen.

  • Alle Damhirsche sind wohlauf und zurück im Gehege – bis auf eines, das sich selbst tödlich verletzte.

  • Der Landwirt ist empört, bleibt gleichzeitig aber auch sachlich.

Martin Klingler ist unterwegs gewesen, als Nachbarn und Bekannte ihn darauf hinwiesen, dass einige seiner Damhirsche nicht mehr in ihrem Gehege sind. Auch die Polizei erkundigt sich zu diesem Zeitpunkt bereits bei ihm nach den Tieren. «Auf dem Rückweg habe ich schon gesehen, dass zirka die Hälfe meiner 84 Hirsche einige hundert Meter vom Gehege entfernt stand», so der gelernte Lastwagenchauffeur. In neun von zehn Fällen passiere ein Ausbruch der Tiere wegen menschlichen Versagens oder durch eine Maschine, die den Zaun beschädigt. Klingler dachte auch am 26. Mai an so etwas und staunte nicht schlecht, als er das senkrecht aufgeschnittene Loch in seinem Gitter fand, wodurch die Tiere geschlüpft sind, berichtet die «Thurgauer Zeitung». Für ihn sei schnell klar gewesen, dass das jemand mutwillig gemacht hat, sagt er zu 20 Minuten.

«Hätte bis in Nacht gewartet»

«Damhirsche sind Herdentiere. Darum sind sie nicht einfach davongerannt. Trotzdem sind es auch Fluchttiere und lassen sich nicht wie Schafe oder Rinder einfach treiben», sagt der Teilzeit-Landwirt. Die Nachbarn und Bekannten, die zur Hilfe kamen, konnten lediglich die Herde kontrollieren und darauf achten, dass keines der Tiere auf die 50 Meter entfernte Hauptstrasse oder zu anderen Tieren gelangte. Auch die Polizei kam vor Ort. Doch Klingler sagt: «Ich kenne meine Tiere und weiss am besten, wie sie sich verhalten.» Er versuchte die Tiere durch seine Präsenz eineinhalb Stunden lang zurück in das Gehege zu locken, was ihm glücklicherweise dann auch gelungen sei. Die Tiere reagierten auf ihn. «Im schlimmsten Fall hätte ich bis in die Nacht gewartet, dann wären sie sicher zurückgekommen», sagt der Hirschbesitzer.

Leider ist ein Tier laut dem 55-Jährigen neben dem Tor vorbei und ins hohe Gras gerannt, wo sie es nicht mehr finden konnten. Erst zwei Tage später sei es dann plötzlich wieder aufgetaucht. Der Damhirsch sei völlig verstört gewesen – nach 48 Stunden ohne seine Herde. Er sei panisch herum gerannt und habe sich planlos durchs Gehege bewegt. «Das Tier ist gegen einen Zaunpfahl geprallt, hat sich dabei das Genick gebrochen und ist verstorben», so Klingler schockiert.

Glück im Unglück

«In meinen 30 Jahren, in denen ich auf dem Hof tätig bin, ist mir das erst einmal passiert, als vier, fünf Tiere aus einem kleinen Loch im Gehege schlüpfen konnten. Doch dass die halbe Herde ausgebrochen ist, gab es noch nie», sagt der Züchter. Mittlerweile sei der Zaun repariert und es gehe allen Damhirschen wieder gut, auch denen, die sich beim Ausbruch am offenen Zaun verletzt hatten. Der 55-Jährige ist auch froh, dass die Jungtiere erst Mitte Juni auf die Welt kommen. «Die Kälber hätten sich im Gras versteckt und so kaum mehr gefunden werden können.»

Könnte eine Mutprobe gewesen sein

Wer den Zaun beschädigt haben könnte, weiss der Landwirt nicht. Er sagt: «Mich interessiert es nicht, wer es gewesen ist, ich nehme das auch nicht persönlich. Mir ist nur wichtig, die Konsequenzen davon zu zeigen.» Er kann sich vorstellen, dass es sich um eine Mutprobe von Jugendlichen handelte oder um einen Bubenstreich. Neben dem toten Damhirsch ist dem Landwirt ein Schaden von rund 2000 Franken entstanden. Er hat eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Die Kantonspolizei Thurgau bestätigt den Vorfall. Die Täterschaft ist bisher nicht bekannt, auch zum Motiv kann die Polizei keine Angaben machen. Es konnten keine Spuren mehr festgestellt werden, nachdem ungefähr 40 Tiere durch den offenen Zaun trampelten.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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