Rapperswil-Jona SG: Unbekannte setzen in kleinem Käfig fünf Wellensittiche aus
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Rapperswil-Jona SGUnbekannte setzen in kleinem Käfig fünf Wellensittiche aus

Ein Käfig voller Wellensittiche stand während mehreren Stunden vor dem Eingang eines Mehrfamilienhauses. Wie die Tiere dorthin kamen und wem sie gehören, ist nicht bekannt. Die Vögel konnten vorläufig aufgenommen werden.

von
Leo Butie

Hier siehst du die Wellensittiche in ihrem neuen Zuhause.

Privat

Darum gehts

  • Kim Lambert entdeckte vor dem Eingang ihrer Wohnung einen Käfig mit Wellensittichen.

  • Wer die Wellensittiche ausgesetzt hat, ist nicht bekannt.

  • Die Vögel wurden vorläufig bei einer Bekannten aufgenommen.

  • Der Tierschutz warnt vor unüberlegten Käufen.

  • Er weist darauf hin, dass das Aussetzen von Tieren strafbar ist.

Einen eher ungewöhnlichen Anruf erhielt Kim Lambert, als ihr mitgeteilt wurde, dass vor ihrer Haustür ein Käfig mit Wellensittichen stehe. «Hä, was für Vögel?», war ihre erste Antwort. Tatsächlich: Als sie nach draussen ging, stand vor dem Eingang des Mehrfamilienhauses ein Käfig mit fünf Wellensittichen in der Kälte. «Sie waren seit ungefähr zwei Stunden in der Kälte», erzählt die 31-Jährige aus Rapperswil-Jona SG. Wie der Käfig dorthin kam, ist bis jetzt nicht klar. «Wir haben unsere Nachbarn gefragt, aber niemand wusste etwas», sagt Lambert. «Ich kann es mir einfach nicht erklären.»

Kurzerhand entschloss sich Lambert den Käfig samt Wellensittiche in ihre Wohnung zu stellen. «Die Armen haben draussen bestimmt gefroren», meint sie. Der Käfig selbst sei verwahrlost gewesen. «Die Wellensittiche hatten kein Wasser und Futter und der Käfig wurde wohl schon lange nicht mehr gereinigt.» Anschliessend rief Lambert den Tierschutz und die Polizei an, um den Fund zu melden. Auch auf einer lokalen Facebook-Gruppe veröffentlichte sie ihren Fund. Einige Mitglieder empörten sich über das Aussetzen der Wellensittiche. «Wie kann man nur so herzlos sein?», kommentiert beispielsweise ein Nutzer.

Der Wellensittich

Der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) ist eine Vogelart, die zur Familie der Papageien gehört und in Australien beheimatet ist. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Wellensittiche in Europa als Ziervögel gehalten. Wellensittiche werden bis zu 16 Zentimeter lang und können bis zu 15 Jahre alt werden. Durch Züchtung ist eine grosse Variation an Gefiederfärbung entstanden.

Da sie sehr soziale Tiere sind, sollten Wellensittiche nie allein gehalten werden. In der Schweiz darf man per Gesetz nicht einen einzelnen Wellensittich halten. Ein Risikofaktor ist das Herz eines Wellensittichs. Dieses schlägt bis zu 400-mal pro Minute. Da Wellensittiche oft an Herzinfarkten sterben, sollte man für die Tiere wenn möglich Stresssituationen vermeiden.
Weitere Informationen vom Schweizer Tierschutz können hier abgerufen werden.

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Kim Lambert aus Rapperswil SG entdeckte am Freitagabend einen Käfig mit fünf Wellensittichen vor ihrer Haustür.

Kim Lambert aus Rapperswil SG entdeckte am Freitagabend einen Käfig mit fünf Wellensittichen vor ihrer Haustür.

Privat
Die Vögel wurden wahrscheinlich ausgesetzt. Es gab kein Futter oder Wasser für die Tiere, und der Käfig wurde lange nicht mehr gereinigt. 

Die Vögel wurden wahrscheinlich ausgesetzt. Es gab kein Futter oder Wasser für die Tiere, und der Käfig wurde lange nicht mehr gereinigt.

Privat
Lambert meldete den Fund dem Tierschutz und der Polizei. Sie veröffentlichte auch einige Bilder auf einer lokalen Facebook-Seite.  

Lambert meldete den Fund dem Tierschutz und der Polizei. Sie veröffentlichte auch einige Bilder auf einer lokalen Facebook-Seite.

Facebook

Für den Moment konnte das Problem gelöst werden. Die Wellensittiche fanden noch am gleichen Abend bei einer Bekannten Unterschlupf. «Eine Kollegin eines Nachbarn hat bereits Wellensittiche zu Hause, sie hat die Vögel für die Nacht aufgenommen», erzählt Lambert. Bei ihr fühlen sich die Wellensittiche wohl. «Sie vertragen einander und können jetzt herumfliegen», sagt Susanne Beetz, welche die Tiere aufnahm. «Sie wirken auf mich total verwahrlost. Ich werde nun schauen, dass es ihnen gesundheitlich gut geht», so Beetz. Wie lange die Vögel bei Beetz bleiben können, ist noch unklar.

Tierschutz warnt vor unüberlegtem Kauf

Es ist für Lambert nicht zu fassen, dass es Halter gibt, die einen solchen Umgang mit ihren Tieren pflegen. «Es kann doch nicht sein, dass man sich Tiere erwirbt und sich dann nicht um diese kümmert», beschwert sich die 31-Jährige. Solche Leute müssten einen Kurs belegen, wie man mit Tieren umgeht.

Wellensittiche sind keine einfachen Haustiere. Eine Anschaffung sollte man sich deshalb gründlich überlegen. «Wie bei allen Tierarten sollte man sich bereits vor einer Anschaffung gründlich und in Ruhe über die Bedürfnisse der Tierart und eine artgemässe Haltung informieren», sagt Lucia Oeschger von der Fachstelle Heimtiere des Schweizer Tierschutz STS. Weiter würden sich Wellensittiche nur für Menschen eignen, die Freude am Beobachten der Tiere hätten, denn die Vögel seien definitiv keine Streicheltiere. «Wellensittiche sind anspruchsvoll in der Haltung und ausschliesslich für Personen geeignet, die viel Platz für die Tiere zur Verfügung haben», weiss die Biologin.

Wer Tiere aussetzt macht sich strafbar

Es komme wohl vor, dass Halter nach einem unüberlegten Kauf überfordert seien mit der Haltung. «Häufig wird die Arbeit unterschätzt oder die Tiere machen zu viel Lärm», erklärt Oeschger. Ebenfalls ist eine Haltung mit viel Reinigungsaufwand verbunden, da bei der Vogelhaltung, insbesondere in Innenräumen, viel Staub entsteht und Wellensittiche alles anknabbern.

Doch falls man seine Tiere aufgeben möchte, so sei das Aussetzen definitiv der falsche Weg und Tierquälerei. «Das Aussetzen von Tieren ist strafbar», so Oeschger. Wer sich gezwungen sehe, seine Tiere abgeben zu müssen, solle sich an ein Tierheim wenden oder selbst einen guten Platz für sie suchen.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

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