06.11.2020 05:02

«Mohrhaldenstrasse»Unbekannte streichen Strassenschild durch und bringen neues an

Unbekannte stören sich an der Mohrhaldenstrasse in Riehen BS und schlagen einen neutralen Namen vor. Auf Facebook hat der Schilderstreich eine hitzige Debatte losgetreten. Dabei ist der Rassismusverdacht unbegründet.

von
Oliver Braams
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Unbekannte haben in Riehen BS kürzlich ein Strassenschild durchgestrichen und einen Verbesserungsvorschlag angebracht. Möglicherweise störten sie sich am Wort «Mohr».

Unbekannte haben in Riehen BS kürzlich ein Strassenschild durchgestrichen und einen Verbesserungsvorschlag angebracht. Möglicherweise störten sie sich am Wort «Mohr».

Claude Boillat
In der Riehner Facebook-Community ist von der Aktion nicht begeistert.

In der Riehner Facebook-Community ist von der Aktion nicht begeistert.

Screenshot Facebook
Claude Boillat, der das Foto gepostet hat, vermutet, dass die Aktion einer falschen Fährte folgte.

Claude Boillat, der das Foto gepostet hat, vermutet, dass die Aktion einer falschen Fährte folgte.

Screenshot Facebook

Die Mohrhaldenstrasse in Riehen BS führt entlang der Siedlungsgrenze zur Nachbargemeinde Bettingen BS. Kürzlich wurde der Strassenname durchgestrichen und darunter ein neues Schild mit der Alternative «Steilstrasse nach Bettingen» angebracht. Wer dahintersteckt, ist nicht bekannt. Ihr Motiv liegt aber auf der Hand: Sie ziehen eine Parallele zur «Mohrenkopf»-Debatte und legen den Strassennamen als rassistisch aus.

In der Riehener Facebook-Community stösst die Aktion aber auf wenig Gegenliebe: «Echt jetzt?», fragt ein Mitglied. Oder: «Das ist hoffentlich ein Witz», schreibt ein anderer User. Auch Claude Boillat, der das Foto der Schilder gepostet hat, hält die Aktion für daneben, wie er auf Anfrage von 20 Minuten sagt: «Es ist weder Fasnacht noch der 1. April.»

Jedenfalls seien hier gute Bastler am Werk gewesen. «Die haben das Schild angebohrt, um ihren Vorschlag anzubringen», sagt Boillat. «Aber ein offizielles Strassenschild sollte nicht verändert werden», meint er.

«Strassenname verunglimpft niemanden»

«Ob es als Rassismuskritik anzusehen ist, wurde nirgends vermerkt», so Boillat. Er könne schon nachvollziehen, dass Begriffe, die den Wortstamm «Mohr» enthielten, verletzend seien. «Dieser Strassenname ist aber keine Verunglimpfung von Menschen», sagt er. «Ausserdem ist unklar, wer hinter dieser Aktion steckt.»

Nikola Stosic von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) sagt auf Anfrage: «Der Begriff ‹Mohr› ist aus historischen Gründen rassistisch konnotiert. Somit ist verständlich, dass das Wort unter Umständen störend und verletzend sein kann.» Rechtlich gesehen sei die blosse Verwendung des Wortes an sich nicht strafbar, solange die Bezeichnung nicht von einer Beleidigung oder einem Schimpfwort begleitet werde. Gemäss Strafgesetzbuch seien nur Handlungen und Äusserungen strafbar, die die Menschenwürde verletzten.

Auf der falschen Spur

«Offenbar ist das Wort Menschen sauer aufgestossen», bemerkt Willi Fischer von der kommunalen Nomenklaturkommission. Wer auch immer für die Aktion verantwortlich sei, sei auf einer «falschen Spur». Denn in diesem Zusammenhang stehe «Mohren» nicht für schwarze Menschen, sondern für Schweine. Die Mohrenhalde sei historisch ein Ort, an dem Schweine weideten.

«Um solchen Missverständnissen vorzubeugen und um das Wissen um alte Flurnamen zu erhalten, könnten die Strassenschilder in Riehen mit Erklärungen versehen werden», schlägt Fischer vor. In Basel sei dies bereits der Fall. Das umzusetzen, sei aber Sache der Politik.

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