Dorf in Angst: Unbekannter lädt Mädchen zur Mitfahrt ein
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Dorf in AngstUnbekannter lädt Mädchen zur Mitfahrt ein

Im st. gallischen Niederwil sprach ein Unbekannter ein Mädchen auf dem Schulweg an und lud es zur Mitfahrt ein. Die Primarschülerin rannte weg.

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taw
Die Schulanlage in Niederwil SG. (Bild: schuleniederwil.ch)

Die Schulanlage in Niederwil SG. (Bild: schuleniederwil.ch)

Die Schülerin war am Dienstag letzter Woche während der Mittagszeit unterwegs, als sie von einem unbekannten Autofahrer angesprochen wurde, schrieben die «Wiler Nachrichten» am Donnerstag. Das Mädchen bekam es mit der Angst zu tun und ergriff die Flucht. Später sprach sie mit einer Lehrperson über den Vorfall.

Susanne Rietmann, Schulleiterin der Primarschule Niederwil, kontaktierte daraufhin die Eltern des Mädchens. Sie riet ihnen, die Polizei zu informieren.

Kondome gefunden

Gleich am nächsten Tag versandte die Schule einen Brief an alle Eltern. «Wir nehmen solche Sachen ernst. Und ich habe gelernt, dass proaktives Informieren geschätzt wird. Ausserdem kann man so wilden Gerüchten vorbeugen, die schnell die Runde machen», so Rietmann gegenüber den «Wiler Nachrichten».

Über den Vorfall wurden auch die Primarschulen von Nieder- und Oberbüren informiert. Der Anruf einer besorgten Mutter aus Niederbüren hatte Rietmann dazu veranlasst.

Es war nicht das erste Mal, dass Rietmann solche Briefe verschicken musste. Auf dem Schulgelände in Niederwil wurden vor rund einem Jahr regelmässig Kondome gefunden. Auch hier informierte man die Eltern. Kurz danach habe sich die Sache erledigt.

Keine Panik

Rietmann ist es wichtig, dass bei Eltern oder Schülern keine Panik geschürt wird: «Man soll zwar wachsam sein und ähnliche Vorfälle melden, aber Angst ist ein schlechter Ratgeber.» Dem stimmt auch Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, zu. «Es ist verständlich, dass solche Ereignisse verunsichern. Angst wäre indes ein falscher Ratgeber», sagt Rezzoli.

Gemäss Rezzoli hat das Mädchen genau richtig reagiert: «Es ist wichtig, dass die Kinder auf dem Schulweg wissen, wohin sie sich in einem Notfall wenden können.» Bei der Polizei nehme man jede Meldung dieser Art ernst und ergreife entsprechende Massnahmen.

Schule und Polizei raten Kindern, möglichst immer in Gruppen unterwegs zu sein. Zudem ist es laut Rezzoli wichtig, dass Kinder stets angeben, wohin sie gehen. Zudem sollen Kinder keine Süssigkeiten oder andere Verlockungen von Fremden annehmen, keine längeren Gesprächen mit Fremden führen und entsprechende Vorkommnisse einem Erwachsenen melden. Doch das Wichtigste: Kindern dürfen auch «Nein» sagen.

Sollte trotzdem einmal etwas passieren, ist es laut Rezzoli wichtig, besonnen zu reagieren. «Nehmen Sie ihr Kind ernst, hören Sie ihm zu und loben Sie es, dass es sich Ihnen anvertraut hat. Die konkreten Erkenntnisse melden Sie der Polizei, sie ist auf diese Informationen angewiesen.»

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