Aktualisiert 11.06.2008 14:54

GERICHTSURTEILUnbelehrbarer Raser: Zahlen statt sitzen

Kaum hatte ein 25-Jähriger seinen Rennwagen gekauft, raste er mit 200 km/h in eine Radarkontrolle. Kaum erhielt er Monate später den Führerausweis zurück baute der Raser einen schweren Unfall.

von
Attila Szenogrady

Es war am 3. Januar 2005, als einem heute 25-jähriger Maurer aus Zürich ein lang ersehnter Traum endlich in Erfüllung ging. Er nahm die Schlüssel eines gerade erworbenen Rennwagens der Marke «Mitsubishi Lancer Evo VIII» entgegen. Keine 45 Minuten später musste der spanische Secondo nicht nur die Schlüssel, sondern auch seinen Führerausweis der Polizei abgeben. So war er bei der ersten Probefahrt mit rund 200 km/h (!) über die Autobahn in eine Radarkontrolle gerast.

Wahnsinnsfahrt über die «Kleine Waldegg»

Eine bedingte Gefängnisstrafe von acht Tagen sowie eine Busse von 3800 Franken zeigten keine Wirkung. Kaum hatte der Spanier im Sommer 2005 seinen Führerausweis wieder erhalten, folgte die nächste Wahnsinnsfahrt. Diesmal über die «Kleine Waldegg» zwischen Uitikon und Albisrieden. Am frühen Abend des 16. August 2005 wollte der Angeklagte zwei Mitfahrern beweisen, wie gut die Haftung seines Sportwagens auf der kurvenreichen Strecke ist.

Unfall mit zwei Verletzten

Fest steht, dass der Angeschuldigte bei seinem privaten Bergrennen mit einer massiv übersetzten Geschwindigkeit mit bis zu 65 km/h die gefährlich abfallende Landstrasse in Angriff nahm. Bis er in der letzten Kurve vor der Stadteinfahrt die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor. Dieses prallte zunächst gegen eine Mauer und geriet auf die Gegenfahrbahn. Dort krachte der Angeklagte nacheinander in zwei korrekt entgegenkommende Personenwagen hinein und kam erst danach zum Stehen. Ironischerweise unmittelbar vor der Warntafel mit der Aufschrift «Besser langsam als wild». Bei der heftigen Kollision wurden eine unschuldige Autolenkerin sowie deren Mitfahrerin erheblich an verschiedenen Körperteilen verletzt.

20 Monate Freiheitsstrafe und Fahrverbot gefordert

Vor Gericht legte der Maurer ein umfassendes Geständnis ab und erklärte, dass er sich mit dem Sportwagen nur Aerger eingehandelt habe. Der zuständige Staatsanwalt Jürg Boll verlangte eine hohe, teilbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten. Zehn davon sollte der Raser absitzen. Zudem verlangte Boll für den Angeklagten für eine Probezeit von drei Jahren ein Fahrverbot.

Die Verteidigung konterte mit einem Gegenantrag auf zehn Monate bedingt und verwies auf die aktuelle positive Entwicklung des Angeklagten, der sich freiwillig und erfolgreich einer Verkehrstherapie unterzogen habe.

Richter erteilt «Denkzettel»

Das Bezirksgericht Zürich folgte weder der Anklage noch der Verteidigung. Gemäss dem neuen Strafrecht soll der «Bergraser» nun zahlen statt sitzen. Das Gericht legte deshalb wegen mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung sowie groben Verkehrsdelikten eine Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu 100 Franken fest. Wobei der Beschuldigte die insgesamt 25 000 Franken im Sinne einer letzten Chance auf Bewährung nicht zahlen muss. Dagegen soll er eine zusätzliche Busse von 5000 Franken sowie die Gerichtskosten der Staatskasse abliefern. «Als Denkzettel», wie der Gerichtsvorsitzende Roland Heimann festhielt. Von einem Fahrverbot sahen die Richter wegen des längeren Wohlverhaltens des Rasers seit dem Unfall ab.

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