Aktualisiert 03.02.2005 14:20

Unbrauchbare Medikamente in Tsunami-Gebieten «entsorgt»

Viele Tonnen unbrauchbarer Medikamente sind nach Angaben der Apotheker ohne Grenzen an die Opfer der Flutkatastrophe in Asien geschickt worden. Sri Lanka und Indonesien hätten bereits mitgeteilt, sie wünschten keine Medikamentensendungen mehr.

«Allein in der Stadt Banda Aceh würde ein Lager von der Grösse eines Fussballfeldes nicht ausreichen, um die gespendeten und unbrauchbaren Medikamente unterzubringen», schrieb die Organisation Apotheker ohne Grenzen (Pharmaciens sans frontières - PSF) in einem Communiqué. Die Vernichtung dieser unangemessenen Spenden sei zudem teuer.

Nach Angaben der Westschweizer Zeitung «La Liberté» vom Donnerstag war die Hälfte der Medikamente - 17 000 Tonnen - unbrauchbar, die während des Krieges Anfang der 90er Jahre nach Bosnien geschickt wurden. Das Sortieren und Vernichten kostete 34 Millionen Dollar. In Kosovo fand 1999 ein ähnliches Szenario statt.

Konkurrenz

PSF zufolge ist die grösste Frage, weshalb Tonnen von Markenmedikamenten nach Südostasien geschickt wurden, obwohl diese Region den Grossteil der billigeren Generika produziert, die heute in den humanitären Hilfsprogrammen verwendet werden. Ausserdem konkurrenzierten Spenden von Naturalien die lokale Wirtschaft, betonte PSF.

Seit 1996 gibt es Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Medikamentenspenden, führte PSF aus. Diese seien jedoch völlig missachtet worden.

Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières - MSF) war mit unangemessener Hilfe konfrontiert, wie ihr Sprecher Thomas Kurmann auf Anfrage sagte.

Er erklärte das mit der grossen Mobilisierung von Hilfsaktionen, einer fehlenden Analyse der Bedürfnisse sowie der mangelnden Koordination während der ersten Tage nach der Katastrophe. MSF habe unter anderem Material ablehnen müssen.

Geld für andere Projekte verwenden

MSF erhielt Geldspenden in der Höhe von 90 Millionen Euro (140 Mio. Franken) für die Hilfe zugunsten der Tsunamiopfer. «Wir haben zuviel Geld erhalten», sagte Kurmann. Die Hilfsorganisation geht davon aus, zwölf Monate in den von der Flutkatastrophe betroffenen Länder zu arbeiten. Für ihre Hilfsprojekte braucht sie dazu nur 30 Millionen Euro.

Die Organisation beschloss daher, die Spender anzufragen, ob sie das restliche Geld für andere Hilfsprogramme verwenden dürfe. Anderfalls wird sie das Geld zurückerstatten.

(sda)

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