04.09.2020 19:05

Covid-19Und einfache OP-Masken schützen doch – vor allem den Träger

Lange hiess es: Einfache Masken bringen wenig und schützen wenn überhaupt das Gegenüber. Forscher kommen nun zum gegenteiligen Schluss. Und sie erklären, wie es zu den falschen Annahmen kam.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Richtig getragen, können Hygienemasken das Übertragungsrisiko für das neuartige Coronavirus markant senken: Aerosole um deutlich mehr als 50 Prozent, Tröpfchen um mehr als 70 Prozent.

Richtig getragen, können Hygienemasken das Übertragungsrisiko für das neuartige Coronavirus markant senken: Aerosole um deutlich mehr als 50 Prozent, Tröpfchen um mehr als 70 Prozent.

KEYSTONE
Auch Alltagsmasken aus Stoff schützen, wenn auch deutlich weniger. Das zeigt eine Untersuchung von deutschen Forschern.

Auch Alltagsmasken aus Stoff schützen, wenn auch deutlich weniger. Das zeigt eine Untersuchung von deutschen Forschern.

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Vorausgesetzt man trägt sie richtig und macht auch beim Auf- und Absetzen keine groben Fehler wie die hier abgebildeten deutschen Politiker.

Vorausgesetzt man trägt sie richtig und macht auch beim Auf- und Absetzen keine groben Fehler wie die hier abgebildeten deutschen Politiker.

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Darum gehts

  • Einfache Hygienemasken sind deutlich besser als ihr Ruf.
  • Sie reduzieren Aerosole um deutlich mehr als 50 Prozent, Tröpfchen um mehr als 70 Prozent.
  • Das haben Forscher aus Deutschland nachgewiesen.
  • Deutlich schlechter schnitten Alltagsmasken aus Stoff ab.
  • Doch: Auch sie bringen etwas.

Kaum hatte das Coronavirus Europa erreicht, wurden auch schon die zertifizierten Masken knapp. Stattdessen gab es überteuerte Angebote aus China, deren Wirksamkeit unbekannt war. Gerade für Mediziner war das ein grosses Problem, auch für jene vom Universitätsklinikum Giessen und Marburg (UKGM).

Um die Patienten und sich selbst keinem Risiko auszusetzen, untersuchten Frank Günther, Leiter Spitalhygiene, und seine Kollegen die gelieferten Produkte zunächst einmal. Anders als bei genormten Testmethoden, bei denen nur das Material geprüft werde, hätten sie bei ihren Untersuchungen auch den Sitz der verschiedenen Mund-Nase-Bedeckungen berücksichtigt (siehe Box), der hinsichtlich Schutz eine grosse Rolle spiele. Dabei seien sie auf «erhebliche Unterschiede» gestossen, so Günther.

Die Ergebnisse zu Hygiene-, FFP2- und FFP3- sowie Stoffmasken werden gerade zur Publikation in einer Fachzeitschrift vorbereitet.

So liefen die Tests ab

Die Forschenden testeten die Masken mithilfe eines einem Durchschnittskopf entsprechenden Kopfmodells, das sie – jeweils mit einer anderen Maske – in einem abgedichteten Kasten aus Plexiglas platzierten. Über einen Schlauch leiteten sie Aerosole mit einem Durchmesser von weniger als fünf Mikrometer und etwas grössere Tröpfchen hinein und verwirbelten diese. Die Partikel simulierten, was beim Ausatmen einer Person passiert. Durch den Mund des Modells wurde dann jeweils Luft eingesaugt und gemessen, wie viele Partikel welcher Grösse dort ankamen. In einem weiteren Schritt erfassten sie, wie viele Partikel beim Ausatmen noch die Maske passierten. Dabei wurde ein Spektrum von 0,3 bis 10 Mikrometer getestet.

Deutliche Reduktion von Aerosolen

Erste Erkenntnisse teilt der Hygieniker vorab auf FAZ.net: Demnach gelten die einfachen OP-Masken als erstaunlich effizient. Weil sie weich sind und sich gut an die Kopfform anpassen, kann kaum Luft an den Seiten oder neben den Nasenflügeln entweichen. Das zeigen die Zahlen deutlich: Aerosole wurden um deutlich mehr als 50 Prozent reduziert, Tröpfchen um mehr als 70.

Starrere Masken, die schlechter am Gesicht anlagen, brachten es zum Teil auf nur 20 Prozent Filterleistung, wie die FAZ schreibt. Und das, obwohl es sich dem Aufdruck nach um KN95-Produkte (der chinesische Massstab soll dem in Europa gebräuchlichen FFP2 entsprechen) handelte.

Mehr Eigen- als Fremdschutz

Weiter zeigte sich, dass OP-Masken – anders als zu Beginn von offiziellen Stellen und heute noch von vielen Maskengegnern behauptet – sehr wohl auch die Träger schützen. «Für uns Krankenhaushygieniker ist das schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit», zitiert die FAZ Günther.

Entsprechend überrascht sei er von den gegenteiligen Aussagen gewesen, zu denen er eine deutliche Meinung hat: «Es ist eines zu sagen: Wir haben nicht genug Masken, um die ganze Bevölkerung damit auszustatten. Man kann aber nicht erzählen, die seien sowieso nur für den Fremdschutz da, und Monate später sagen, es bringt jetzt doch etwas für mich. Da geht Glaubwürdigkeit verloren.»

Von böser Absicht geht der Experte aber dennoch nicht aus, vielmehr von einem Missverständnis, das laut ihm daher rühren könnte, dass medizinische Hygienemasken für die Zulassung nach einer europäischen Norm nur hinsichtlich Fremdschutz getestet werden. Tatsächlich sei der Eigenschutz sogar höher, weil beim Einatmen die Maske an das Gesicht angesaugt werde und damit besser abdichte als beim Ausatmen.

Viren sind nicht zu klein für die Masken

Der nachgewiesene Schutz verstärke sich, wenn in einem Gespräch beide Personen eine Maske aufhaben, erklärt Spitalhygieniker Günther gegenüber der FAZ: «Wenn jede Maske die durchgehenden Partikel um 60 Prozent reduziert, bleiben am Ende nur 16 Prozent übrig.» Das Ansteckungsrisiko wird durch Masken also deutlich minimiert.

Das gilt auch für Viren, die wie Sars-CoV-2 nur winzige 0,1 Mikrometer klein sind und damit kleiner als die in den Tests erzeugten Aerosole. Denn: Einzeln können die Viren nichts ausrichten. Sie trocknen schnell aus und verlieren ihre Infektiosität. Erst wenn sie geballt und gebunden an Proteine, Schleim- und Wassertröpfchen auftreten, wird es problematisch, so Günther. Doch «die sind grösser und werden sehr wohl im Gewebe einer Maske zurückgehalten».

Entsprechend sei an dem von Maskengegnern gern vorgebrachten Argument, OP-Masken könnten das mikroskopisch kleine Coronavirus nicht aufhalten, nichts dran – vorausgesetzt, die Mund-Nase-Bedeckungen sitzen richtig.

Wie siehts mit Stoffmasken aus?

Alltagsmasken schnitten in den Tests der UKGM-Forschenden deutlich schlechter ab als die medizinischen Produkte, boten aber dennoch mehr Schutz als gar keine Maske. Ihre Filterleistung lag für Aerosole im Mittel bei immerhin etwa 10 bis 20 Prozent. Wahrscheinlich sei der Schutz sogar noch grösser, schliesslich hätten sie in den Untersuchungen einen eher ungünstigen Fall simuliert, so Hygieniker Frank Günther. Beim Kauf einer Alltagsmaske sollte das Aussehen immer zweitrangig sein. Raue Stoffe wie Geschirrtücher haben «oft eine bessere Schutzwirkung als ein schöner, glänzender, aufbereiteter Stoff». Denn an geglätteten Fasern blieben weniger Partikel hängen. Auch zu dicker Stoff kann kontraproduktiv sein, weil durch den erhöhten Atemwiderstand mehr Luft an den Seiten entweichen kann. Deshalb empfiehlt Günther, vor allem auf einen guten Sitz zu achten.

Auch Mikrobiologe Rich Davis vom Sacred Heart Medical Center in Washington hat in einem einfachen Test gezeigt, dass einfache Hygienemasken ausgeatmete Atemtröpfchen aufhalten können.

Wibbitz/20M

Welchen Unterschied eine Maske im ÖV macht, zeigt diese 3-D-Simulation.

MSC Software

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754 Kommentare
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Josie

06.09.2020, 01:36

Ich war heute in einem Einkaufszentrum. Wenn ihr mal beobachten möchtet, wie man die Maske alles Falsch tragen könnte und wie viele Trotz Maskenpflicht keine Maske tragen, dann macht doch einfach einen Besuch in so einem Center. Grüsse vom Wochenende-Planungsbüro

Frage

06.09.2020, 00:31

Anscheinend schützen die Masken so gut, dass BAG Frankreich (mit täglich >7000 Fällen) nicht auf die Risikoliste nehmen muss. Ist euch das alles nicht längst komisch welche und wie die Entscheidungen getroffen werden?

RuBa65

06.09.2020, 00:11

Ich glaube nichts mehr was verzapft wird über Masken.