Aktualisiert 08.09.2009 07:26

Zurückhaltung weicht wiederUnd ewig lockt der Bonus

Wenn Banken Milliardenbeträge mit riskanten Geschäften versenken, ist die Empörung umso grösser, wenn die Akteure dafür auch noch Millionensummen als Bonus erhalten. Nach dem Lehman-Brothers-Schock schien zeitweise Besinnung einzukehren. Doch ob die Zurückhaltung von längerer Dauer sein wird, scheint fraglich.

von
mlu

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zum Beispiel bekam für das Krisenjahr 2008 noch 2,1 Millionen Franken, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Das entspricht 10 Prozent seines Gehalts von 2007, als er für seine Arbeit noch rund 21 Millionen Franken erhielt. Die Deutsche Bank wies für 2008 den Rekordverlust von 5,9 Milliarden Franken aus. Ackermann selbst empfahl eine Beschränkung, auch mit Blick auf den sozialen Frieden.

Andere waren weniger bescheiden. Die bei der Übernahme durch die Commerzbank entlassenen neun Vorstände der Dresdner Bank erhielten inklusive Abfindungen rund 88 Millionen Franken - obwohl ihr Haus ein Minus von mehr als 9,1 Milliarden angehäuft hatte. Die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort pochten auf Prämien von insgesamt 607 Millionen Euro. Und vor zwei Wochen kündigte UBS-VR-Präsident Kaspar Villiger an, die UBS wolle die Löhne und Boni wieder erhöhen.

Problem liegt im System

Das Problem liegt im System: Gerade die Investmentbanker erhalten traditionsgemäss vergleichsweise knappe Grundgehälter, kamen aber durch Boni auf Einkommen mitunter in Millionenhöhe. Kritiker sehen darin einen Anreiz, hochriskante Geschäfte einzugehen. Insider bestätigen das. So schrieb eine Bankerin, die unter dem Pseudonym Anne T. ein Buch über die Gebräuche der Branche veröffentlicht hat: «Das ganze Tun, Denken und Handeln der Händler war auf den Bonus ausgerichtet.» Die Geldhäuser begründen die teils hohen Boni damit, dass ihnen sonst die fähigsten Leute davonlaufen würden.

Thema sind die Zahlungen auch beim nächsten G-20-Gipfeltreffen am 24. und 25. September in Pittsburgh. Vergangene Woche präsentierten Deutschland, Frankreich und Grossbritannien ihre Vorstellungen, am 17. September stimmt die EU ihre Verhandlungsstrategie auf einem Sondergipfel ab.

G-20-Finanzminister wollen Einschnitte

Auf einem Vorbereitungstreffen haben sich die Finanzminister der G-20-Staaten auf Einschnitte bei den Boni-Zahlungen geeinigt. So sollen Bankmanager künftig nur für langfristige statt für kurzzeitige Erfolge Prämien erhalten. Zudem wurde eine mögliche Rückforderung der Boni vereinbart. Auf eine Höchstgrenze für Boni konnten sich die Minister allerdings nicht verständigen.

Die Vergütung von Managern steht auf der Agenda der Europäer ganz oben. Ziel ist es, auf kurzfristige Gewinne ausgerichtetes Unternehmenshandeln zu unterbinden. Länder wie Deutschland und Frankreich haben bereits nationale Vorschriften beschlossen. Um Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Finanzstandorten zu verhindern, sind aber internationale Regeln notwendig.

Gleich lange Spiesse notwendig

In die gleiche Kerbe schlug Kaspar Villiger, VR-Präsident der UBS. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» kündigte er an, die UBS wolle die Löhne und Boni wieder erhöhen: «Wir waren die erste Bank, die ihr Bonussystem für das höchste Management überarbeitet und ein langfristiges, nachhaltiges System mit einer Malus-Komponente eingeführt hat. Auch haben wir Boni überall stark reduziert.»

Die UBS sei damit allerdings die einzige Bank geblieben – mit dem Resultat, dass ihr gute Leute davongelaufen seien. «Wir sind gestraft worden, weil wir es besser machten als die Konkurrenz, und mussten etwas zurückbuchstabieren.» In anderen Ländern sei es bisher bei Beteuerungen geblieben, sagte Villiger im Interview weiter. Das Problem sei gewesen, dass ganze Teams die UBS verlassen und ihr Know-how und die Kunden mitgenommen hätten.

Angestellte werden abgeworben

Niels Henri Burkhard, Senior Management Consultant von SAM Headhunting Switzerland, äussert Verständnis für Villigers Forderung: «In den vergangenen Monaten haben sich Unternehmen von Leuten getrennt, die für ihren Wert nicht die nötige Performance geliefert haben.» Doch nun würden wieder Leute eingestellt. Eingestellt werden aber laut Burkhard nicht jene, die während der Krise ihre Stelle verloren haben. Vielmehr würden die übrigen, guten Angestellten bei der Konkurrenz abgeworben. «Daher ist es wichtig, dass eine Bank wie die UBS ihre Mitarbeiter weiterhin motivieren und auch halten kann», sagt Burkhard. (mlu/sda/dapd)

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