Aktualisiert 03.01.2011 14:37

GoogleUnd noch ein digitaler Zeitungskiosk

Der Internet-Konzern entwickelt eine eigene Online-Plattform für Zeitungen und Magazine – und fordert damit Apple heraus.

von
dsc
Der digitale Kiosk von Google soll auf Mobile-Geräten mit dem firmeneigenen Android-Betriebssystem laufen.

Der digitale Kiosk von Google soll auf Mobile-Geräten mit dem firmeneigenen Android-Betriebssystem laufen.

Der Kampf um die mobilen Zeitungleser geht in eine neue Runde. Google will in naher Zukunft mit einem digitalen Zeitungskiosk gutes Geld verdienen. Der Internet-Gigant plane einen eigenen Vertriebskanal für elektronische Pressetitel, berichtet das Wall Street Journal (WSJ). Ziel ist demnach ein zentraler Anlaufpunkt für Online-Leser. Profitieren sollen auch die Verlage.

Damit tritt Google in direkte Konkurrenz zu einem ähnlichen Angebot von Apple. Der iPad- und iPhone-Hersteller bietet in den USA bereits verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zum Kauf an. Vorläufig ist es allerdings nur möglich, einzelne Ausgaben über iTunes zu beziehen oder eine Vorauszahlung für ein Abonnement zu leisten. In Zukunft will Apple den Nutzern ermöglichen, «echte» Online-Zeitungsabos abzuschliessen.

Knackpunkt: Bezahlsystem

Der digitale Kiosk von Google soll auf Mobile-Geräten mit dem firmeneigenen Android-Betriebssystem laufen. Zum einen sollen bestehende Applikationen (Apps) von Medienunternehmen angeboten werden. Zum andern sind aber auch neue Abo-Modelle geplant. Zurzeit liefen intensive Verhandlungen zwischen Google und verschiedenen US-Medienunternehmen, unter anderem über das Bezahlsystem, heisst es. Die Verlage Time Warner (Time Magazine), Conde Nast (Wired) und Hearst (Esquire) führten entsprechende Gespräche.

Tatsächlich ist das Bezahlsystem der Knackpunkt. Bei Apple läuft das Abrechnen automatisch über den App-Store-Account der Nutzer. Das System hat sich in der Praxis bewährt, wie Millionen kostenpflichtiger Downloads beweisen. Bei Googles Android-Plattform und dessen Bezahlsystem CheckOut ist das anders. Zuletzt bezweifelte etwa der Rovio-Firmenchef Peter Vesterbacka, dass Software-Unternehmen mit kostenpflichtigen Android-Applikationen erfolgreich sein können – im Gegensatz zu Apples iOS und dessen App Store, den er als «idealen Marktplatz» bezeichnete. Rovio finanziert das populäre Gratis-Spiel «Angry Birds» über Werbeeinblendungen.

Mehrere Anbieter

In den USA behält Apple einen Drittel der Einnahmen aus dem Online-Zeitungsverkauf für sich. Google versuche nun die Verlage mit einem reduzierten Tarif-Modell zu ködern, schreibt das Wall Street Journal. Ausserdem sollen die Verlage mehr Nutzerdaten erhalten, was ihnen ein besseres Lesermarketing ermöglichen würde.

Weder Google noch die besagten Medienunternehmen wollten den Bericht des Wall Street Journal kommentieren.

Google und Apple sind laut WSJ nicht die einzigen US-Unternehmen, die mit einer Verkaufsplattform für digitale Presseerzeugnisse Geld verdienen wollen. Amazon hat ein Projekt für seinen e-Reader Kindle lanciert. Und auch die Firma Barnes & Noble verkauft Inhalte für den Nook Color e-Reader.

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