Innere Motivation: Und ob wir widerstehen können!
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Innere MotivationUnd ob wir widerstehen können!

Bisher nahm man an, Selbstbeherrschung sei ein limitiertes Gut: Wer sich den Kuchen verkneift, wird dafür beim Wein schwach. Stimmt nicht, besagt eine neue Studie.

von
fvo
Reinbeissen oder nicht, das ist hier die Frage. Die Antwort liefern persönliche Anreize. (Bild: Colourbox.com)

Reinbeissen oder nicht, das ist hier die Frage. Die Antwort liefern persönliche Anreize. (Bild: Colourbox.com)

Nicht mehr in den Chips-Sack greifen, die Steuererklärung ausfüllen obwohl im TV Tatort läuft, nicht gleich losrennen und das neuste iPhone kaufen - das alles hat mit einem zu tun: Selbstbeherrschung. Sie ist es, die es uns ermöglicht, gesunde Gewohnheiten zu pflegen, zu sparen und wichtige Dinge zu erledigen.

Was aber ist diese Selbstbeherrschung genau? Die Forscher Michael Inzlicht von der University of Toronto und Brandon Schmeichel von der Texas A&M University haben das bis anhin gültige Modell einmal unter die Lupe genommen und in der September-Ausgabe des Fachjournals «Perspecitves on Psychological Science» einen neuen Ansatz präsentiert.

Selbstbeherrschung kann man nicht aufbrauchen

Bisher ging man davon aus, dass es sich bei der Selbstbeherrschung um eine limitierte Ressource handelt. Hält man sich beim Naschen zurück, ist später am Tag vielleicht nicht mehr genügend davon übrig, dem Drang zu Shoppen oder durch die Kanäle zu Zappen zu widerstehen. So weit das Modell von Psychologe Roy Baumeister. Weiter fand man heraus, dass Leute, die ihre Gefühle in Zaum halten müssen, bei späteren Aufgaben wie dem Lösen eines Puzzles oder Gedächtnisübungen Schwierigkeiten haben.

Die Studie von Inzlicht und Schmeichel bringt jedoch andere Gründe für das Gelingen oder Scheitern der Selbstbeherrschung hervor. Ihre Resultate lassen schliessen, dass Anreize, individuelle Wahrnehmungen der Schwierigkeit einer Aufgabe, persönliche Einstellungen zur Willenskraft, Feedback und Gemütsschwankungen den entscheidenden Einfluss darauf haben.

Wer sich das zweite Stück Kuchen verkneift, erfährt möglicherweise eine Verschiebung der eigenen Motivation und fühlt sich später dazu berechtigt, einem anderen Drang nachzugeben. Nicht etwa, weil sich die Person nicht mehr beherrschen könnte oder die Beherrschung aufgebraucht wäre. Sondern einfach, weil sich die Person dafür entscheidet, sich nicht einzuschränken.

Hilfe bei Gewichts- oder Drogenproblemen

Wenn die Mechanismen der Selbstbeherrschung identifiziert werden können, kann das dabei helfen, das Verhalten bei vielen Problemen zu verstehen. Zum Beispiel bei Übergewicht, Spielsucht oder Drogenmissbrauch. Inzlicht und Schmeichel hoffen, dass ihre Forschung dazu dient, die Methoden der Selbstbeherrschung zu verbessern.

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