Wil SG: «Und plötzlich singen die gehörlosen Bettler»
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Wil SG«Und plötzlich singen die gehörlosen Bettler»

Ein Leser-Reporter beobachtete am Mittwoch eine Roma-Familie beim Singen. Das Kuriose: Vor ein paar Wochen sollen die Eltern offenbar noch gehörlos gewesen sein.

von
juu
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Vergangenen Mittwoch bemerkte ein Leser-Reporter in der Fussgängerzone in Wil SG ein ihm wohlbekanntes Paar beim Musizieren. «Vor ein paar Wochen waren sie noch gehörlos und sammelten Spenden», so der Mann.

Vergangenen Mittwoch bemerkte ein Leser-Reporter in der Fussgängerzone in Wil SG ein ihm wohlbekanntes Paar beim Musizieren. «Vor ein paar Wochen waren sie noch gehörlos und sammelten Spenden», so der Mann.

Leser-Reporter
Ihn stört auch, dass die Kinder stundenlang daneben stehen müssten.

Ihn stört auch, dass die Kinder stundenlang daneben stehen müssten.

Leser-Reporter
Auf eine ähnliche Masche setzte neulich ein Bettler in Herisau AR: Der Mann bat mit einem Zettel in der Hand ebenfalls um Geld für ein Heim für Behinderte.

Auf eine ähnliche Masche setzte neulich ein Bettler in Herisau AR: Der Mann bat mit einem Zettel in der Hand ebenfalls um Geld für ein Heim für Behinderte.

Leser-Reporter FM1Today

«Ich erkannte das Paar sofort wieder», sagt ein Leser-Reporter* zu 20 Minuten. Er sei bereits vor einigen Wochen von dem Pärchen um Spenden gebeten worden: «Damals waren sie noch gehörlos und wollten Spenden sammeln.» Man habe ihm damals ein Klemmbrett mit einem Zettel hingereicht, wonach das Geld einem Heim für Gehörlose zugutekomme.

Dem Leser-Reporter kam die Sache merkwürdig vor, weshalb er nichts gespendet habe. Letzten Mittwoch dann habe er das Paar erneut gesehen: «Sie standen gemeinsam mit zwei kleineren Kindern in der Fussgängerzone von Wil. Und plötzlich fingen die einst gehörlosen Bettler an zu singen», so der Leser-Reporter. Da die Szene so ungewöhnlich war, habe er die Familie fotografiert. Seine Beobachtungen postete er auf Social Media, wo es zahlreiche Reaktionen gab.

Bewilligung fraglich

Vor allem habe er Mitleid mit den Kindern, sagt der Wiler. Diese seien mehrere Stunden in der Kälte gestanden. «Wenn sie dazu gezwungen wurden, wäre das sehr schlimm», so der Mann. Auch wisse er nicht, ob die Familie für ihre Auftritte eine Bewilligung habe.

Für die Bewilligungen der Strassenmusiker ist in Wil die Stadtverwaltung zuständig. Dort kann man nicht sagen, ob der Familie eine Bewilligung erteilt wurde. Man habe mehrere Anfragen von Roma erhalten, einer sei am Mittwoch auch stattgegeben worden, wie Stefan Sieber, Leiter Gewerbe und Markt der Stadt Wil, bestätigt. «Allerdings waren Kinder nicht gemeldet», so Sieber. Die Auflagen für eine Bewilligung seien streng. Sieber: «Wer eine haben möchte, muss in jedem Fall persönlich bei uns vorspielen.» Auch beschränke sich die Bewilligung nur auf einen Tag. Die nächste bekomme man frühestens nach drei Wochen.

Ähnlicher Fall in Herisau

Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich vor einigen Wochen in Herisau: Mit einem Zettel in der Hand bettelte ein ebenfalls angeblich Gehörloser um Geld für ein Heim für Behinderte. Ein Leser-Reporter fotografierte ihn, worauf dieser lautstark fluchend die Flucht ergriff. Bereits wenige Tage später gelang es der Kantonspolizei St. Gallen, den angeblich gehörlosen Bettler und einen Komplizen festzunehmen.

* Name der Redaktion bekannt

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