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45 Jahre «Tatort»Und plötzlich war die Leiche der neue Ermittler

Am Sonntag hat der «Tatort» seinen 45. Geburtstag gefeiert. Seit 1970 ist viel passiert: Ein Überblick über die grössten Aufreger und die aufgestellten Rekorde.

von
scy

Die erste «Tatort»-Folge flimmerte (dieser Ausdruck trifft für die damalige Zeit tatsächlich zu) am 29. November 1970 über die Bildschirme. Walter Richter (†) ermittelte als Kommissar Trimmel in «Taxi nach Leipzig». Die TV-Produktion war ursprünglich gar nicht als Serie gedacht. Weil der grosse Konkurrent ZDF aber mit «Der Kommissar» gerade eine Krimireihe starten wollte, wurde «Taxi nach Leipzig» von der ARD kurzerhand zu einem Auftakt-Film umfunktioniert.

Zunächst produzierten andere ARD-Sender wie der SDR (Süddeutscher Rundfunk) oder der WDR (Westdeutscher Rundfunk) weitere Fernsehkrimis, die dann unter dem Namen «Tatort» gezeigt wurden. Teilweise dauerten sie bis zu zwei Stunden. Erst Anfang der 80er-Jahre setzte sich die heutige Laufzeit von 90 Minuten fest.

«Der Teufel kehrt in seine Heimat zurück»

Über den «Tatort» wurde schon damals viel diskutiert. Genau wie heute. In Erinnerung geblieben sind aus der jüngsten Vergangenheit zwei Episoden: In «Der tiefe Schlaf» mit den Münchner Kommissaren Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) vom Dezember 2012 stirbt am Schluss Assistent Gisbert Engelhardt. Die Entrüstung bei den Zuschauern war gross, da viele den eigentlich nervigen Helfer nicht sterben sehen wollten. Weil sowieso schon länger über einen Franken-«Tatort» nachgedacht wurde, durfte Engelhardt-Darsteller Fabian Hinrichs fortan als Felix Voss in Nürnberg ermitteln.

Im Herbst 2014 kam es im Wiesbadener Fall «Im Schmerz geboren» zu einem wahren Leichenrekord. In der Folge, dem Tarantino-Kino ähnelnd, mussten am Schluss 51 Menschen ins Gras beissen. «Dieser ‹Tatort› war Shakespeare, Tarantino, van Gogh», jubelte die «Welt» damals. Die «FAZ» titelte bedrohlich: «Der Teufel kehrt in seine Heimat zurück.»

Bohlen, Löw und Moshammer

Trotz der positiven Presse-Kritiken: An die Top-Quoten früherer ARD-Krimis kam diese Sendung nicht heran. Der Spitzenwert gehört bis dato «Stoevers Fall» mit Manfred Krug und Charles Bauer aus dem Jahr 1992 mit 15,86 Millionen Zuschauern. Genauso wie alle anderen Quoten-Top-5 in diesen Zeitraum fallen. Zurzeit gehört das Ermittler-Duo Frank Thiel und Karl-Friedrich Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers, Münster) zu den Publikums-Magneten.

Manche Schauspieler wurden dank des «Tatort» zu Stars – gleichzeitig traten in der Serie selbst immer wieder bekannte Gesichter auf. So etwa Schlagersänger Roland Kaiser 2013, der deutsche Nati-Trainer Jogi Löw 2011, Dieter Bohlen 1988 oder der verstorbene Rudolph Moshammer 2000. Helene Fischer sollte im Herbst dieses Jahres zum Einsatz kommen, wegen der Terroranschläge in Paris wurde die Ausstrahlung auf 2016 verschoben.

Im «Giftschrank» entsorgt

Und dann gibt es noch die Folgen, die im öffentlich-rechtlichen «Giftschrank» aufbewahrt sind. Gesperrt sind etwa «Wem Ehre gebührt» (2007), weil die alevitische Gemeinde bemängelte, es würden alte Vorurteile befeuert. «Der gelbe Unterrock» (1980) wurde vom damaligen SWF schlicht als zu schlecht bewertet. Auch der «Tatort» selbst hat also einige Leichen im Keller.

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