Schweiz: «Und vergesst nicht die Sprenggürtel»
Aktualisiert

Schweiz«Und vergesst nicht die Sprenggürtel»

Ein Oppositions-Aktivist aus Tunesien, der als politischer Flüchtling in der Schweiz lebt, ruft im Internet zu Bomben-Terror auf. Nun krebst er zurück.

von
Gaudenz Looser
Guesmi debattierte 2006 im TSR über die Mohammed-Karikaturen. Foto: TSR

Guesmi debattierte 2006 im TSR über die Mohammed-Karikaturen. Foto: TSR

Nicht lange ist es her, dass Larbi Guesmi aus Neuenburg die Klage gegen die Schweiz wegen der Annahme der Minarett-Initiative beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte unterstützte. «Es tut mir im Herzen weh, dass die Schweiz – Land der Menschenrechte – vor diese Instanz treten soll. Aber wir müssen dies machen, wir wurden diskriminiert», sagte er damals. Dass der Menschenrechtler auch ganz anders kann, zeigte Guesmi auf der tunesischen Webseite Alhiwar.net: «Sattelt die Pferde und vergesst nicht die heiligen Gürtel, die Sprenggürtel für die Verräter», schreibt er laut «24 heures» an die islamistische tunesische Opposition. Und: «Wir werden Widerstand leisten, sei es mit dem Sieg oder dem Tod.»

Saida Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam ist schockiert: «Jemand, der zum Töten aufruft, gehört nicht in eine demokratische Gesellschaft und darf nicht toleriert werden.» Die Schweizer Justiz müsse eingreifen. Auch SP-Nationalrätin Chantal Galladé fragt sich, «warum ausgerechnet ein Menschenrechtsaktivist zu Gewalt aufruft». Doch Guesmi ist nicht nur Präsident der Menschenrechtsorganisation Ez-Zeitouna, sondern auch Mitglied der islamistischen Partei Ennadha. Konfrontiert mit seinen Aussagen, will Guesmi plötzlich alles nicht mehr so gemeint haben: Die Passage sei «aus dem Kontext gerissen», der Aufruf sei im «übertragenen Sinn zu interpretieren». Er sei für einen «gewaltlosen Kampf für das unterdrückte Volk» mit «Weisheit und mit Steinen», sagt Guesmi. Falls er das Schweizer Volk brüskiert habe, tue ihm das leid.

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