Aktualisiert 11.06.2015 06:43

Noten-Willkür

Und was ist Ihr Abitur wert?

Abitur-Noten und unterscheiden sich stark nach Regionen. Das entwertet den Abschluss, sagt Lehrer-Gewerkschafter Heinz-Peter Meidinger.

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isa/dpa
Abitur-Klausuren: Werden sie wertlos durch die Noten-Willkür der Schulen?

Abitur-Klausuren: Werden sie wertlos durch die Noten-Willkür der Schulen?

Lehrer fürchten eine zunehmende Entwertung des Abiturs durch die willkürliche Notenvergabe der Schulen. Befähigt das Abitur wirklich zum Studium? Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, säht Zweifel.

«Das ist übrigens kein bloßes Bauchgefühl, sondern auch das Ergebnis von seriösen Studien wie etwa der Tosca-Studie, die Leistungen von Oberstufenschülern in verschiedenen Bundesländern miteinander verglichen hat.»

Der «Spiegel» hatte berichtet, wie sich Top-Abiturnoten zwischen 2006 und 2013 häuften. Dazu sagte der langjährige Chef der Gewerkschaft der Gymnasiallehrer: «Die nachweisbare massive Zunahme von Einser-Schnitten liegt mit Sicherheit nicht daran, dass in Deutschland bei Abiturienten plötzlich eine Leistungsexplosion stattgefunden hat.» Meidinger fügte hinzu: «Es soll ja Schulen geben, wo strenger korrigierenden Lehrkräften überhaupt keine Abiturkurse mehr gegeben werden.» Insgesamt gebe es in der Schule «immer weniger Rückendeckung dafür, dass Kinder unterschiedliche Leistungen zeigen und dafür auch unterschiedliche Noten bekommen».

«Abitur wird zu unterschiedlichen Preisen vergeben»

Er denke zwar, dass man sich auch heute noch in den meisten Bundesländern für ein sehr gutes Abitur ordentlich anstrengen müsse. «Allerdings ist sicher auch wahr, dass das Abitur in Deutschland zu sehr unterschiedlichen Preisen vergeben wird, das heißt die Anforderungen nicht immer vergleichbar sind. Die eigentlich Gelackmeierten der Bestnoten-Inflation sind die Spitzenschüler, weil deren Spitzenleistung in der Einser-Schwemme untergeht.»

Laut «Spiegel», der Daten der Kultusministerien und des Statistischen Bundesamtes zu den Abiturgesamtnoten 2006 bis 2013 auswertete, weicht der Anteil der Einser-Abiturienten, aber auch der Durchfaller in manchen Ländern regelmäßig deutlich vom Bundesdurchschnitt ab. So schlossen 2013 in Thüringen 37,8 Prozent aller Kandidaten mit der Eins vor dem Komma ab, in Niedersachsen nur 15,6 Prozent. Die Kultusministerkonferenz (KMK) will sich an diesem Donnerstag und Freitag in Berlin mit einer stärkeren Vereinheitlichung von Abituraufgaben zwischen den Bundesländern befassen.

«Die Schule steht gut da, weil sie so gute Ergebnisse erzielt»

Meidinger vermutet, dass Schulen besonders gute Abi-Noten vergeben «nicht ohne politische Vorgaben oder zumindest das Gefühl, dass das von oben so gerne gesehen wird». Der Philologenverbands-Vorsitzende weiter: «Das ist ja ein Prozess auf Gegenseitigkeit. Die Schule steht gut da, weil sie so gute Ergebnisse erzielt, und die Landesregierung steht gut da, weil ihre Abiturienten generell so gute Ergebnisse erzielen, was ein Beweis für die erfolgreiche Qualität der betriebenen Bildungspolitik ist.»

In den vergangenen Jahren seien Oberstufen- und Abiturreformen immer so konzipiert gewesen, «dass dadurch auch strukturell die Leistungen besser geworden sind – durch schülerfreundliche Wahloptionen, eine Verstärkung der mündlichen Noten oder eben auch einfachere Prüfungsformate».

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