Filmbiennale Venedig: Und weiter im Takt!

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Filmbiennale VenedigUnd weiter im Takt!

Tag zwei an der Biennale von Venedig. Und wieder zeigt sich Festival-Patin Maria Grazia Cucinotta von ihrer besten Seite – mit solchem Erfolg, dass sie beinahe die angereisten Stars in den Schatten stellt.

Italien hatte die Ehre, das 66. Filmfestival Venedig zu eröffnen: Statt Superstars wie vor einem Jahr George Clooney und Brad Pitt gab die sizilianische Familiensaga «Baarìa» am Mittwoch den Startschuss – wortreich angekündigt von der ebenfalls sizilianischen Schauspielerin Maria Grazia Cucinotta.

Der künstlerische Chef des Festivals, Marco Müller, gestattete sich den Luxus, das ebenso melancholische wie überladene Werk von Oscar-Preisträger Giuseppe Tornatore («Cinema Paradiso») als erstes in das Rennen um den begehrten Goldenen Löwen zu schicken.

Der rote Teppich ist zwar ausgerollt, ansonsten aber gleicht der Lido einer Baustelle, wurde doch bis zur letzten Minute bei hochsommerlichen Temperaturen gehämmert und geräumt. Das älteste Filmfestival der Welt baut gerade auf Hochtouren an einem neuen Palast, und das soll noch bis 2012 so gehen.

Doch «the show must go on». Kameraleute und Autogrammjäger lagen also bereits mittags auf der Lauer. Sollte nicht Michael Moore schon am Lido sein, dessen neuestes Werk «Capitalism: A Love Story» in diesen venezianischen Tagen mit grösster Spannung erwartet wird?

Zweieinhalb Stunden Pathos

Der deutsche Starregisseur Werner Herzog und seine attraktiven Schauspieler Eva Mendes und Nicolas Cage haben bereits am Lido Stellung bezogen. Ihr Streifen «Bad Lieutenant» könnte sich womöglich schon bald unter die Favoriten für den Löwen eingereiht haben. Von Herzog hiess es, er wolle sich das Epos des sizilianischen Regisseurs nicht entgehen lassen.

Dafür muss man aber etwas Geduld mitbringen. Denn Tornatore breitet in 150 langen Minuten das Los dreier Generationen einer Familie von 1930 bis 1980 komödiantisch aus. Es ist eine Art Suche nach der verlorenen Zeit - als man sich bitterarm durch das Landleben schlug, die Anhänger des «Duce» Mussolini verhöhnte, den Krieg ertrug und auf Kommunisten als Retter aus dem Elend setzte.

Elegisch unterlegt Musik-Altmeister Ennio Morricone («Spiel mir das Lied vom Tod») das pathetische Werk über die geplatzten Träume von einem gerechteren Leben, einem Sieg über die Krake Mafia und einem Aufbruch in die Zukunft.

Vier Schweizer Löwen-Anwärter

Als Paukenschlag für den Wettbewerb am Lido taugte die sentimentale Reise in das vergangene Sizilien des Giuseppe Tornatore nicht. Dabei zeigen sich der künstlerische Direktor Müller und Präsident Paolo Baratta überzeugt, nach Jahren der Kritik an der Auswahl und der Qualität der Filme diesmal richtig zu liegen.

24 Filme sind bis zum 12. September im Wettbewerb, eine erhebliche Zahl, und darunter anerkannte Regisseure wie Werner Herzog, Michael Moore, Fatih Akin, Patrice Chéreau und Jacques Rivette.

Die Schweiz ist mit vier Beiträgen in diversen Wettbewerben vertreten: Pipilotti Rists «Pepperminta» und Raja Amaris «La Perceuse» treten in der Sektion «Orizzonti» an. In der Sparte «Orizzonti Doc» bewirbt sich Stefano Knuchels Dokumentarfilm «Hugo en Afrique» um einen Preis. Und in der Kurzfilm-Sektion «Corto Cortissimo» steigen Clemens Klopfenstein und sein Sohn Lukas mit «The It.Aliens» ins Rennen.

(sda)

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