Marc Berthod: «Und wenn nicht, geht die Welt nicht unter»
Aktualisiert

Marc Berthod«Und wenn nicht, geht die Welt nicht unter»

Bisher war es noch nicht die Saison von Marc Berthod. Ein 15. Platz ist sein bisher bestes Ergebnis. Und ausgerechnet jetzt kommt das Heimrennen in Adelboden. Im Interview mit 20 Minuten Online sprach der St. Moritzer über seine Ängste, die WM und wieso der Knoten platzt.

von
Reto Fehr

Marc Berthod überzeugte in der letzten Saison mit starken Leistungen. Doch nach Rückenproblemen in der Vorbereitung lief es in diesem Winter noch überhaupt nicht. Das beste Resultat ist ein 15. Rang zum Auftakt in Sölden. Im Slalom erreichte er einmal die Top 30 des zweiten Laufs nicht, zweimal schied er aus. Und ausgerechnet jetzt steht das Heimrennen in Adelboden an. Ausgerechnet jetzt oder zum Glück? Denn in Adelboden feierte Berthod nicht nur seinen ersten Weltcupsieg vor zwei Jahren, sondern hat auch sonst gute Erinnerungen daran, wie er im Interview mit 20 Minuten Online verrät.

20 Minuten Online: Marc Berthod, Sie kommen gerade aus Zagreb, wo es eine brutale Schweizer Niederlage absetzte. Wie haben Sie das verarbeitet?

Marc Berthod: Natürlich ist das ernüchternd. Wir hatten das Gefühl, dass zumindest der eine oder andere gut drauf sei. Ich war im Training auch bei den Leuten. Wieso es dann überhaupt nicht geklappt hat, weiss ich auch nicht genau.

Bei den letzten 16 Slaloms schieden sie neunmal aus, zuletzt in Zagreb. Das ist keine gute Ausgangslage für die Rennen (Slalom und Riesenslalom) in Adelboden.

Ich hatte letzte Saison auch eine schwächere Phase und dann hat es gegen Ende Saison plötzlich wieder geklappt (6., 11. und 10. Rang, die Red.). Manchmal braucht es einfach einen oder zwei gute Läufe.

Wieso läuft es im Moment nicht?

Das ist schwer zu sagen. Es geht auf und ab. Ich habe in dieser Saison grosse Schwankungen.

Woher kommen diese Schwankungen?

Ich bin nie richtig in die Saison rein gekommen und habe mich daher nie wirklich wohl gefühlt. Vielleicht fehlt mir etwas das Vertrauen, vielleicht bin ich etwas zu passiv im Rennen. Es muss halt alles stimmen für ein Topresultat: Meine Fahrt, das Material, die Bedingungen. Ich spüre, dass ich das Limit in dieser Saison noch nicht wirklich erreichen kann. Aber es braucht nur wenig, dann klappt das.

Wie wollen Sie dieses Vertrauen wieder gewinnen?

Ich versuche das im Training wieder zu holen. Ich brauche einen oder zwei gute Läufe, dann kommt alles wieder in Fahrt. Aber das geht nicht so einfach, wenn ich keine guten Resultate in den Beinen habe.

Was halten Sie von einem Mentaltrainer?

Ich habe mentale Unterstützung aus meinem Umfeld. Die Situation ist nicht neu. Ich habe schon früher Erfahrungen mit solchen Phasen gemacht.

Aber Ihre Rückenbeschwerden belasten Sie nicht mehr?

Es geht besser. Ich kann normal trainieren und spüre keine Schmerzen.

Ausgerechnet jetzt kommen die Heimrennen in Adelboden, wo sie im letzten Jahr den Riesenslalom gewannen und vor zwei Jahren im Slalom Ihr erstes Weltcuprennen. Kommt das gelegen?

Adelboden liegt mir. Da hatte ich in den letzten Jahren immer wieder gute Resultate. Ich habe fast nur positive Erinnerungen an die Rennen. Das stimmt zuversichtlich.

Woran denken Sie?

Ich habe hier praktisch meine Karriere mit guten Resultaten lanciert. Der erste Weltcupsieg ist mir hier geglückt. Meine Eltern und viele Kollegen sind immer im Publikum und das Flair ist sehr speziell. Ich freue mich auf die Rennen.

Haben Sie Angst in Adelboden zu versagen und das Publikum zu enttäuschen?

Nein, ich habe keine Angst. Ich kann befreit fahren, weil ich weiss, dass das Publikum hinter mir steht. Ich habe ihnen ja auch schon einige Male Freude gemacht (lacht). Ich fahre gerne vor Heimpublikum. Die Stimmung ist immer genial.

Hatten Sie schon mal den Gedanken die Saison sausen zu lassen und dann im nächsten Winter wieder anzugreifen?

Der Dezember lief nicht optimal. Aber die WM-Qualifikation ist noch offen, das gebe ich nicht so schnell auf. Und abgerechnet wird am Schluss.

Sie sprechen die WM an. Dort stehen Sie unter Druck, denn Ihnen fehlen noch Resultate. Machen Sie sich Gedanken dazu?

Vielleicht habe ich mir in einigen Rennen zu viele Gedanken gemacht. Aber das belastet mich jetzt nicht mehr. Im Riesenslalom muss es jetzt halt passen. Und wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter.

Aber eigentlich ist Ihr Ziel eine Medaille an der WM.

(Lacht). Ich muss zuerst wieder in Fahrt kommen, aber eine Medaille ist immer möglich.

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