29.06.2016 07:11

TV-AbschiedUnd wer vermisst eigentlich den Raab?

Seit einem halben Jahr ist Stefan Raab TV-Rentner. Klar, die Sprüche von «König Lustig» fehlen. Und doch: Die Lücke, die er hinterlässt, ist kleiner als befürchtet.

von
Yves Schott
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Die letzte Klappe fällt am 19. Dezember 2015: Stefan Raab hat «Schlag den Raab» zehn Jahre lang präsentiert und selber ins Geschehen eingegriffen.

Die letzte Klappe fällt am 19. Dezember 2015: Stefan Raab hat «Schlag den Raab» zehn Jahre lang präsentiert und selber ins Geschehen eingegriffen.

ProSieben/Willi Weber
Bekannt wurde der Moderator nicht zuletzt durch seine Late-Night-Comedyshow «TV Total».

Bekannt wurde der Moderator nicht zuletzt durch seine Late-Night-Comedyshow «TV Total».

ProSieben/Willi Weber
16 Jahre lang war das Format auf Sendung.

16 Jahre lang war das Format auf Sendung.

ProSieben/Willi Weber

Nur schon der Gedanke schien damals surreal: Deutsches Unterhaltungs-Fernsehen ohne Stefan Raab? Das war wie die Fifa ohne Korruption oder Kanye West mit einem netten Lächeln im Gesicht – kurz: unvorstellbar.

Und doch, es passierte: Im Juni 2015 gab Raab bekannt, per Ende Jahr abzutreten. «Die Fernsehschuhe an den Nagel» zu hängen, wie er selbst seinen Rücktritt formulierte. Am 19. Dezember beendete der Moderator seine letzte «Schlag den Raab»-Show dann mit den Worten: «Ich hoffe, Sie hatten ein bisschen Spass.» Das wars, eine grandiose TV-Karriere fand ihr Ende.

«Maschendrahtzaun» und «Erstwählercheck»

Der Unterhaltungsszene fehlt seither ein Typ, der aus dem ulkigen Wort «Maschendrahtzaun» einen Nummer-1-Hit bastelte; einer, der Jugendliche in seinem «Erstwählercheck» blossstellte und Prominente wie Dieter Bohlen mit einem «Raabigramm» auf die Schippe nahm. Schlicht ein kreativer Kopf, dessen Blödeleien vor nichts und niemandem haltmachten.

Befürchtet wurde deshalb ein massiver Quoteneinbruch bei Raabs Haussender Prosieben, der sein Programm jahrelang auf den Entertainer ausgerichtet hatte. «Die grösste Lücke besteht in der nun fehlenden Plattform für Experimente, die ‹TV Total› in all den Jahren so oft war», sagt denn auch Thomas Lückerath, Chefredaktor des deutschen Medienmagazins Dwdl.de, zu 20 Minuten.

Flops, aber auch erfolgreiche Dauerbrenner

In Sachen Marktanteil steht Prosieben jedoch vergleichsweise gut da. Das liegt einerseits daran, dass dem Münchner Sender mit «TV total» unter der Woche kein Format fehlt, das in seinen letzten Zügen für Top-Quoten sorgte. «Und in der Primetime hat Prosieben neue Show-Formate ausprobiert (‹Die beste Show der Welt›) oder erfolgreich neu positioniert (‹Schlag den Star›)», fügt Lückerath an.

Zwar gingen einige neue Sendungen, beispielsweise «Musicshake» oder «The Big Surprise», mächtig in die Hose – Dauerbrenner wie «Germany's Next Topmodel» hielten sich aber in der Zuschauergunst weit vorne und legten sogar noch etwas zu. Zudem kann sich Prosieben im Serienbereich auf seine Zugpferde «The Big Bang Theory» und «Grey's Anatomy» verlassen.

«Das ist kein dauerhafter Ruhestand des Stefan Raab»

Als «durchaus klug» bezeichnet Medienexperte Lückerath die Strategie von Prosieben. «Nur in der Late Night hat ‹Studio Amani› noch nicht ganz die Erwartungen erfüllt.» Gemeint ist das Comedy-Format der deutsch-iranischen Komikerin Enissa Amani.

Raab braucht also eigentlich gar nicht mehr ins TV-Geschäft einzugreifen. Dennoch glaubt Lückerath an eine Rückkehr des 49-Jährigen auf die Bildschirme. «Ich bin mir sicher, dass der Motor nochmal angeschmissen wird. Das ist kein dauerhafter Ruhestand des Stefan Raab.»

Und wer würde sich schon der angebotenen Hand verweigern, wenn «König Lustig» zum Tanz bittet? Die Erstwähler sind gewarnt. Enissa Amani auch.

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