Deutschsprachige Dschihadisten: «Und wie ihr sehen könnt, haben wir geschlachtet»
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Deutschsprachige Dschihadisten«Und wie ihr sehen könnt, haben wir geschlachtet»

Die IS muss sich keine Sorgen um Nachwuchs machen. Tausende schliessen sich ihr an, darunter auch viele deutschsprachige Männer. Die feiern sich mit Propaganda-Videos im Internet.

von
kko
Ein deutschsprachiger IS-Kämpfer verkündet singend die «frohe Botschaft aus dem Islamischen Staat» und stellte ein Video davon auf Youtube.

Ein deutschsprachiger IS-Kämpfer verkündet singend die «frohe Botschaft aus dem Islamischen Staat» und stellte ein Video davon auf Youtube.

Zwar musste die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak und im Norden Syriens Rückschläge hinnehmen: Dutzende IS-Kämpfer, Bombenvorrichtungen und Militärfahrzeuge seien in den letzten Tagen ausser Gefecht gesetzt worden, meldeten das Pentagon und syrische Medien. Doch an Nachwuchs dürfte es der Terrorgruppe nicht mangeln. Denn unter den schwarzen Sturmmasken stecken längst nicht mehr nur Männer aus Syrien und dem Irak - der IS-Miliz schliessen sich immer mehr Männer aus westlichen Ländern an.

Experten vermuten, dass die Terrorgruppe gerade in den letzten Monaten einen grossen Zuwachs hat verzeichnen können. Wie viele Mitglieder sie zählt, ist zwar unklar, doch Schätzungen gehen von über 20'000 Kämpfern in Syrien und im Irak aus. Darunter sollen bis zu 3000 Europäer sein. Sie kommen etwa aus Grossbritannien, Frankreich und dem Balkan, aber auch aus deutschsprachigen Ländern wie Deutschland und der Schweiz.

Dass die Dschihadisten auch das Internet rege für ihre Propaganda nutzen, ist bekannt. Auch von deutschsprachigen Männern, die sich für die IS rekrutieren liessen, kursieren zahlreiche Videos auf Youtube. Die Sendung «10vor10» etwa zeigte am Donnerstag einen jungen Islamisten, der die «frohe Botschaft aus dem Islamischen Staat» singend auf Deutsch verbreitet.

«Ich habe Brüder getroffen, die sind nur mit einem kleinen Rucksack angereist, die konnten kein Arabisch, die hatten keine Kontaktperson, die hatten gar nichts, die haben nur auf Allah vertraut», sagt ein weiterer deutscher IS-Kämpfer stolz in die Kamera.

Grausame Kommentare zu den Getöteten

Dies klingt fast harmlos im Gegensatz zu jenem Ausschnitt, in dem ein IS-Kämpfer über Leichen steigt und das mit «'tschuldigung, 'tschuldigung - da wurde anscheinend jemand überfahren» kommentiert. Auch ein anderer Anhänger der Terrormiliz verhöhnt die Toten. «Und wie ihr sehen könnt, haben wir geschlachtet», sagt er. Die Stimme gehört laut 10vor10 einem Deutschalgerier aus Bonn.

In Österreich haben die Behörden jüngst neun mutmassliche radikale Islamisten festgenommen, berichten verschiedene österreichische Medien. Die acht Männer und eine Frau würden verdächtigt, sich am syrischen Bürgerkrieg beteiligen zu wollen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Wien. Für vier von ihnen wurde Untersuchungshaft beantragt. Offenbar stammen die Verdächtigen ursprünglich alle aus Tschetschenien.

Der «Islamische Staat» übt auch auf Dutzende Schweizer Anziehungskraft aus. Diese schwärmen auf sozialen Netzwerken für die Gruppierung und verbreiten dort ihre Ideologie.

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) blickt besorgt auf diese Entwicklung, denn im Vergleich zu früher würden heute mehr Leute ihre entsprechende Gesinnung in sozialen Medien offen zum Ausdruck bringen, sagte Sprecher Felix Endrich letzte Woche.

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