Aktualisiert 14.11.2011 12:30

«Ein Bild des Jammers»Und wieder ist Messi der Sündenbock

Bei Barça wird alles zu Gold, was er anfasst. Im Nationaltrikot geizte der 24-jährige Argentinier einmal mehr mit Toren und Fussballkunst. Erneut sind die Fans sauer auf ihren Wunderknaben.

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Der Superstar steckt in einer Krise: Messi hat in der WM-Quali bisher nur einen Treffer erzielt.

Der Superstar steckt in einer Krise: Messi hat in der WM-Quali bisher nur einen Treffer erzielt.

Stell dir vor, es ist Fussball und keiner geht hin. Das gefürchtete Estadio Monumental in Buenos Aires, Heimat von River Plate, war vergangenen Freitag nur zu einem Drittel besetzt – und dies bei einem WM-Quali-Spiel der Argentinier. Die Fans haben keine Lust mehr auf ihre Nationalmannschaft – und geben Lionel Messi die Schuld daran.

Gerade einmal 20 000 Zuschauer haben sich das schmeichelhafte 1:1 gegen Bolivien angesehen, und gingen bitter enttäuscht nach Hause. Zum Vergleich: Im Durchschnitt gehen rund 20 000 Zuschauer an ein Spiel der Young Boys. Dass die Ränge leer bleiben, ist nicht verwunderlich: Der zweifache Weltmeister und Rekordsieger bei der Copa América (14 Siege) steckt seit Jahren in einer Krise. Nach 1990 ist Argentinien nie mehr über ein Viertelfinale an Weltmeisterschaften hinausgekommen und der letzte Titel an der Copa liegt 18 Jahre zurück.

Die Fans sind unzufrieden mit ihren Topstars

Und auch jetzt harzt es wieder. Die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien gestaltet sich schwer. Drei Partien sind absolviert und Argentinien steht auf Rang zwei hinter Uruguay. Zu Hause hat man zwar gegen Chile mit 4:1 gewonnen, danach folgte aber ein schwaches 0:1 in Venezuela. Der jüngste Punktgewinn gegen Bolivien macht das Ganze nicht wirklich besser.

Die einheimischen Fans sind nicht zufrieden mit ihren Topstars. Topstars, die ihr Geld nicht mehr in Argentinien verdienen, sondern im Ausland Millionen schaufeln. Weltklasse-Fussballer wie Lionel Messi, Gonzalo Higuain und Javier Pastore sind in ihren Klubs Torgaranten. In der Heimat bleiben sie aber unter den Erwartungen. Am Fernseher sehen die Fans wöchentlich, wie sie zaubern. Messi hat für den FC Barcelona in bisher elf Ligaspielen 14 Treffer erzielt. Spielt der «Floh» aber für Argentinien, dann erkennt man den Ausnahmekönner nicht wieder. Auch Gonzalo Higuaín schwächelt. Der Stürmer von Real Madrid hat zwar im ersten Qualispiel gegen Chile (4:1) dreifach getroffen, seither geht auch beim 24-Jährigen nichts mehr – ganz im Gegensatz zur Priméra Divison. «Pipita» traf in elf Partien elf Mal.

Ein weiterer Torgarant, der momentan mit Ladehemmungen zu kämpfen hat, ist Javier Pastore. Der Offensivkünstler – diesen Sommer für eine Rekordsumme von 43 Millionen Euro vom Serie-A-Klub Palermo zu Paris Saint-Germain gewechselt – kann es zu Hause auch nicht. Der 22-Jährige wartet in der Nationalmannschaft noch auf einen Treffer. In der französischen Ligue 1 ist er dagegen fantastisch drauf und hat nach elf Partien bereits sechs Treffer auf dem Konto. Eine Traumquote für einen Mittelfeldspieler.

Messi ist der Sündenbock

Wenn es nicht läuft, so muss jemand den Kopf dafür hinhalten. In Argentinien ist es ganz klar Lionel Messi. Seit Jahren warten die Argentinier auf eine ähnlich starke Vorstellung ihres Wunderspielers, wie sie es nur aus den Zeitungen oder dem TV kennen. Das Nationaltrikot scheint ihm aber bleischwer auf den Schultern zu liegen. Gegen Bolivien gelang ihm nichts. Ihm versprangen Bälle, Pässe landeten im Nichts, Torschüsse irgendwo, nur nicht im Tor. «Es war ein Bild des Jammers», betitelte «faz.net» den Aufritt im Estadio Monumental. Zu Argentiniens Glück konnte Lavezzi nach einer Stunde zumindest den Rückstand zum 1:1-Endstand ausgleichen. Nach nur vier Punkten in drei Spielen wartet nun in der Nacht auf Mittwoch im tropischen Barranquilla ein wiedererstarktes Kolumbien. Bleibt zu hoffen, dass die Superstars ihren Torhunger endlich stillen können. Geht die Partie verloren, dann ist die Krise perfekt.

Selbst wenn Messi nicht trifft, ist und bleibt der Wunderknabe das Herz der Mannschaft. Das kann von einem anderern «Teammitglied» nicht behauptet werden. Der Trainerstuhl von Alejandro Sabella wackelt nämlich bereits. Dies obwohl der 57-Jährige erst seit Juli dieses Jahres im Amt ist. Für das Spiel gegen Kolumbien kündigte Sabella nun taktische Umstellungen an. Dies versuchten auch seine Vorgänger Basile, Maradona und Batista - und scheiterten alle.

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