Gansabhauet: Und wieder schlagen Leute Gänsen die Köpfe ab
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GansabhauetUnd wieder schlagen Leute Gänsen die Köpfe ab

Am 11. November findet die traditionelle Gansabhauet im Surseer Altstädtli statt. Gewinner ist, wer zuerst eine Gans enthauptet. Das findet sogar ein Tierschützer gut.

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jab

So geht es an der Gansabhaut in Sursee zu und her. (Video: Archiv 20 Minuten)

Jeweils am Martinitag geht der Brauch der Gansabhauet vor dem Surseer Rathaus über die Bühne. Im Fokus des Anlasses steht, wie der Name schon sagt, die Enthauptung von Gänsen.

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Nächsten Montag, 11. November 2019, findet erneut die traditionelle Gansabhauet im Surseer Altstädtli statt. Gewinner ist, wer zuerst eine Gans enthauptet.

Nächsten Montag, 11. November 2019, findet erneut die traditionelle Gansabhauet im Surseer Altstädtli statt. Gewinner ist, wer zuerst eine Gans enthauptet.

Sina Guntern
Jeweils am Martinitag geht der langjährige Brauch der Gansabhauet vor dem Surseer Rathaus über die Bühne. Im Fokus des Anlasses steht, wie der Name schon sagt, die Enthauptung einer Gans.

Jeweils am Martinitag geht der langjährige Brauch der Gansabhauet vor dem Surseer Rathaus über die Bühne. Im Fokus des Anlasses steht, wie der Name schon sagt, die Enthauptung einer Gans.

Sina Guntern
Dabei muss die am Hals aufgehängte Gans mit einem einzigen Säbelhieb heruntergeschlagen werden.

Dabei muss die am Hals aufgehängte Gans mit einem einzigen Säbelhieb heruntergeschlagen werden.

Sina Guntern

Nur eine Chance auf die Gans

Dabei muss die am Hals aufgehängte, tote Gans mit einem einzigen Säbelhieb heruntergeschlagen werden. Falls dies dem Schläger gelingt, darf er sie nach Hause nehmen und zu einem Festmahl verarbeiten. Damit der Schwierigkeitsgrad gesteigert wird, werden dem Schläger die Augen verbunden, und er wird um die eigene Achse gedreht. Zudem muss er mit einem stumpfen Dragonersäbel zuschlagen. Dazu tragen die Schläger ein traditionelles rotes Gewand und eine Sonnenmaske.

Jeder kann Schläger oder Schlägerin werden

Bis um 11 Uhr am Montagmorgen können sich Interessierte bei der Gansabhauet anmelden. Je nach Wochentag, an dem der Anlass stattfindet, gebe es mehr oder weniger Anmeldungen, sagt Michael Blatter, in Sursee für den Brauch zuständig: «Grundsätzlich melden sich schon 70 bis 100 Leute an.»

Am Montag um 14.30 Uhr wird dann die Reihenfolge der angemeldeten Schläger und Schlägerinnen vor der Zunftstube beim Diebenturm ausgelost. «Je nachdem, wie gut der vorherige Schläger war, haben seine Nachfolger grössere oder kleinere Chancen, eine Gans herunterzuschlagen», sagt Blatter. Normal sei eine Zahl von 15 bis 20 Leuten, die zum Zug kämen, bis eine Gans fällt.

«Sonst würde man gar nicht mehr auf die Bühne sehen»

Die Gansabhauet stösst nach wie vor auf eine hohe Besucherzahl, wie Blatter bestätigt. Es komme natürlich ebenfalls auf den Tag an. «An einem Wochentag kann man mit etwa 4000 Zuschauern rechnen. Das sind auch genug, sonst würde man gar nicht mehr auf die Bühne sehen.» Nebst der Hauptattraktion gibt es auch für die kleinen Gäste ein «Stangechlädere» oder «Sackgompe», bei dem sie Geschenke ergattern können.

Früher in ganz Europa verbreitet

Bei der Gansabhauet handle es sich um einen alten Brauch, wobei man sein genaues Alter nicht kenne, so Blatter. Bekannt ist, dass die Gansabhauet um 1820 aus Sursee für einige Jahre verschwand, seit 1861 aber regelmässig durchgeführt wird. Ähnliche Bräuche waren früher in ganz Europa verbreitet.

Das sagen Tierschützer zur Gansabhauet

Während es in früheren Berichterstattungen zur Gansabhauet jeweils gehässige Kommentare hagelte, ist der Brauch in der Region Sursee fest verankert und steht nicht in der Kritik. Selbst Josef Blum, Präsident des Tierschutzes Luzern, ist kein Gegner der Gansabhauet: «Es handelt sich hier um kein Tierschutzproblem, da die Tiere bereits tot sind.» Wichtig sei, dass die Gänse ein gutes Leben gehabt hätten und ohne Qualen gestorben seien. Zudem gelte es auch, die Bedeutung eines jahrhundertealten Brauchs in die Waagschale zu werfen. Laut Organisator Blatter stammen die Gänse von einem Biobauernhof aus der Region.

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