Afrika-Cup 2012: Underdogs statt die üblichen Verdächtigen
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Afrika-Cup 2012Underdogs statt die üblichen Verdächtigen

Am Samstag beginnt der 28. Afrika-Cup 2012. Am Kontinental-Turnier in Gabun und Äquatorial-Guinea dürfen sich nach dem Favoritensterben in der Qualifikation mehrere Aussenseiter präsentieren.

Die «Coupe d'Afrique des Nations» (CAN) findet in Ländern statt, die im Weltsport bisher kaum einmal von sich reden gemacht haben. Die beiden Gastgeber-Nationen waren noch nie an einer Fussball-WM der Männer vertreten. Aus Äquatorial-Guinea kennt man vielleicht den Schwimmer Eric Moussambani, der an den Olympischen Sommerspielen von Sydney Aufsehen erregt hatte, als er sich nur mit Müh und Not über Wasser halten konnte.

Die Fussballerinnen des Kleinstaates - die Fläche Äquatorial-Guineas nimmt zwei Drittel der Schweiz ein - schafften immerhin die Qualifikation für die letzte Frauen-WM in Deutschland. Ihre männlichen Kollegen dürfen sich daran erfreuen, dass ihr Land in diesen Tagen dank der Co-Gastgeber-Rolle erstmals überhaupt an einem Afrika-Cup teilnimmt.

Überraschungen in der Qualifikation

Weil die Ausscheidung für dieses Kontinental-Turnier sehr turbulent verlaufen ist, ist Äquatorial-Guinea (Nummer 151 der FIFA-Weltrangliste) nicht der einzige Neuling am Afrika-Cup. Auch Niger und Botswana kommen zu ihrer Premiere beim CAN. Niger hatte im Qualifikations-Parcours für eine Sensation gesorgt. Dieses Team liess in seiner Gruppe den letzten WM-Gastgeber Südafrika und Ägypten hinter sich.

Vor allem das klare Out von Ägypten erstaunt, sind doch die «Pharaonen» mit sieben Turniersiegen Rekord-Titelträger beim Afrika-Cup. Die drei Austragungen seit 2006 haben sie allesamt gewonnen. Die Liste der prominenten Abwesenden beim CAN 2012 wird ergänzt durch Kamerun, Nigeria und Algerien - ein Trio, das nach den Auftritten bei der WM 2010 in ein Loch gefallen ist.

Drogbas Chance

Durch den kleiner gewordenen Favoritenkreis erhöhen sich die Chancen, dass Sturm-Ikone Didier Drogba erstmals mit der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste einen bedeutenden Titel erringen kann. Die Ivorer haben sich beim Afrika-Cup bisher bloss 1992 durchgesetzt. 2006 gab es eine Final-Niederlage gegen Ägypten, als ein gewisser Essam El Hadary, der Auslöser des Transfer-Streits zwischen dem FC Sion und der Fifa, zum Penalty-Helden avanciert war.

Nun startet die Elfenbeinküste eine weitere Jagd auf den CAN-Pokal - mit Stars aus der englischen Premier League wie Drogba, Salomon Kalou (beide Chelsea), Kolo und Yaya Touré (beide Manchester City) sowie Gervinho (Arsenal). Andere ernsthafte Anwärter auf den Turniersieg sind Ghana, Senegal und Tunesien.

Quartett aus der Axpo Super League

Die Tunesier werden verstärkt durch zwei Offensiv-Cracks vom FC Zürich. Nationaltrainer Sami Trabelsi hat auch Yassine Chikhaoui und Amine Chermiti berücksichtigt. Tunesien trifft in seiner Gruppe in einer Neuauflage des Finals von 2004 auf Marokko, das kürzlich in einer Testpartie die Grasshoppers mit 3:1 bezwungen hat. Weitere Exponenten aus der Axpo Super League sind Emmanuel Mayuka von den Young Boys (Sambia) und der einstige Schweizer Junioren-Internationale Thierno Bah von Lausanne-Sport (Guinea). Ebenfalls im Kader Guineas figuriert Pascal Feindouno, der bis vor kurzem für Sion tätig war.

Co-Gastgeber Gabun wird vom deutschen Coach Gernot Rohr betreut, der eine Vergangenheit bei YB hat. Er darf auf vielversprechende Talente hoffen, welche Gabun das Ticket für die Olympischen Spiele von London gesichert haben. Das andere Ausrichter-Land Äquatorial-Guinea musste sich kurzfristig auf die Suche nach einem Trainer machen. Weil Henri Michel um die Weihnachtszeit das Handtuch geworfen hatte, sprang erst vor rund zwei Wochen der Brasilianer Gilson Paulo ein.

Wer 2012 die Afrika-Cup-Trophäe in die Höhe stemmen darf, entscheidet sich am 12. Februar in Gabuns Hauptstadt Libreville. Und diverse Klubs werden dann freudig ihre abgestellten Profis zurückerwarten. (si)

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