Aktualisiert 10.10.2003 14:30

«Undicht»: Vatikan warnt vor Parisern

Mehr als 20 Millionen Menschen sind in den letzten 20 Jahren an Aids gestorben – täglich infizieren sich 6000 mit dem HI-Virus. Und jetzt torpediert der Vatikan die weltweiten Bemühungen, die Seuche einzudämmen.

«Das Aids-Virus ist rund 450-mal kleiner als ein Spermium. Und das Spermium kann leicht durch die Löcher in einem Kondom dringen.» Diese Aussagen des für Familienfragen zuständigen Kardinals in Rom, Alfonso Lopez Trujillo, sorgen weltweit für Aufregung.

«Diese Behauptung ist völlig falsch und gefährlich», ärgert sich die Weltgesundheitsorganisation WHO. Laut WHO reduzieren ordnungsgemässe Kondome das Risiko einer HIV-Infektion um 90 Prozent. «Ein Kondom kann reissen oder verrutschen», so ein Sprecher. «Aber es gibt keine Löcher, durch die das Virus dringen könnte.»

Die Behauptung des Vatikans setzt Hunderttausende dem Risiko aus, mit dem

HI-Virus angesteckt zu werden. Die Schweizer Bischofskonferenz mochte zu diesem Thema keine Stellung nehmen. «Wir kommentieren keine Gerüchte», sagte Marc Aellen zu 20 Minuten.

Dafür mahnte Papst Johannes Paul II. gestern ein uneingeschränktes Festhalten am Zölibat an. Die sexuelle Enthaltsamkeit müsse als integraler Teil des priesterlichen Lebens gesehen werden, nicht lediglich als Ideal.

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